Energiepreis-Explosion

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    Kosten steigen um 860 US-Dollar für US-Verbraucher, warnt Moody's

    Der Iran-Krieg schlägt direkt auf US-Verbraucher durch. Moody’s beziffert allein den Energie-Schock auf 115 Milliarden US-Dollar, rund 860 Dollar je Haushalt. Doch das ist nur ein Teil.

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    Energiepreis-Explosion - Kosten steigen um 860 US-Dollar für US-Verbraucher, warnt Moody's

    Für Amerikaner wird der Krieg mit Iran immer stärker an der Tankstelle, beim Einkauf und der nächsten Flugreise spürbar. Die durch höhere Energiepreise entstandenen zusätzlichen Kosten belaufen sich inzwischen auf rund 115 Milliarden US-Dollar, zeigen Berechnungen von Moody’s Analytics. Rechnerisch entspricht das etwa 860 US-Dollar je US-Haushalt.

    Hinter der Summe stehen vor allem drei Kostenblöcke: Benzin, Diesel und Kerosin. Der Ölpreisschock hat die Treibstoffkosten in den USA massiv nach oben getrieben. Anfang September kostete Benzin über alle Sorten hinweg im landesweiten Durchschnitt rund 4,30 US-Dollar je Gallone. Besonders drastisch ist der Anstieg beim Diesel, das in der Woche zum 7. September laut Daten der US-Energiebehörde EIA im Durchschnitt knapp 5,97 Dollar je Gallone kostete.

    Die Auswirkungen des Krieges treffen amerikanische Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen am stärksten, erläutert Moody’s-Chefökonom Mark Zandi. Sie geben meist einen größeren Teil ihres verfügbaren Einkommens für Energie, Transport und Lebensmittel aus. Wer jeden Tag zur Arbeit pendelt, Kinder zur Schule fährt oder außerhalb der großen Metropolen lebt, kann den höheren Benzinpreisen kaum ausweichen. Schon wenige zusätzliche US-Dollar pro Tankfüllung summieren sich über Monate zu einer spürbaren Belastung für das Haushaltsbudget. Gleichzeitig besitzen sie häufig weniger Aktien oder andere Vermögenswerte, deren Wertsteigerungen einen Teil des Kaufkraftverlustes abfedern könnten.

    Noch weitreichender ist der Effekt der Dieselpreise. Fast alles, was im Supermarktregal oder als Päckchen vor der Haustür landet, wurde zumindest einen Teil der Strecke per Lastwagen transportiert. Steigen die Treibstoffkosten der Speditionen, verteuern sich damit potenziell auch Lebensmittel, Konsumgüter und Paketzustellungen. Nicht jede Kostensteigerung wird sofort vollständig an Verbraucher weitergegeben. Doch je länger das hohe Preisniveau anhält, desto schwieriger wird es für Unternehmen, den Anstieg über ihre Margen aufzufangen. Ähnliches gilt für Flugreisen. Fluggesellschaften müssen mehr für Kerosin bezahlen und versuchen, einen Teil der Belastung über höhere Ticketpreise weiterzugeben.

    Zusammengenommen entstehen dadurch die rund 860 US-Dollar pro Haushalt. Wobei es sich dabei nur um einen Durchschnittswert handelt. Ein Pendlerhaushalt mit zwei Autos oder ein Landwirt, dessen Erntemaschinen mit Diesel angetrieben werden, kann deutlich stärker betroffen sein. Wer hingegen in einer Großstadt ohne Auto lebt, möglicherweise deutlich weniger.

    Eine schnelle Entlastung ist nicht in Sicht. Entscheidend ist vor allem, wie viel Öl wieder durch die Straße von Hormus auf den Weltmarkt gelangt. Solange Tankerverkehr und Ölversorgung eingeschränkt bleiben, bleibt auch die Risikoprämie im Ölpreis hoch. Selbst bei einer Entspannung könnten höhere Versicherungsprämien für Tanker sowie die notwendige Wiederauffüllung abgebauter Lagerbestände dafür sorgen, dass Energie länger teurer bleibt als vor dem Krieg.

    Die 860 US-Dollar erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Zandis Rechnung konzentriert sich auf Benzin, Diesel und Kerosin. Nicht enthalten ist die zweite Belastungswelle, die inzwischen über Inflation und Finanzmärkte läuft. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist von weniger als vier Prozent vor dem Krieg zeitweise bis knapp an die Marke von fünf Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat der Energiepreisschock die Inflation erneut angeheizt und die Erwartung verstärkt, dass die Federal Reserve ihre Geldpolitik weiter straffen könnte. Zuletzt preisten die Märkte eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung ein.

    Das kann Haushalte über Jahre belasten. Steigende Treasury-Renditen ziehen üblicherweise auch die Finanzierungskosten für Hypotheken, Autokredite und Unternehmenskredite nach oben. Wer heute ein Haus kauft oder refinanziert, ein Auto auf Kredit erwirbt oder Kreditkartenschulden trägt, kann dadurch zusätzlich belastet werden. Unternehmen wiederum geben höhere Finanzierungskosten teilweise über Preise oder geringere Investitionen weiter. Der Krieg wirkt damit nicht nur an der Zapfsäule, sondern zunehmend auch über das gesamte Zins- und Kreditsystem.

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    Hinzu kommt die Rechnung des Staates. Militärische Operationen, Munition, Logistik und die spätere Wiederauffüllung verbrauchter Waffenbestände müssen aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Jeder zusätzliche Dollar erhöht entweder den Finanzierungsbedarf oder fehlt für andere politische Aufgaben. Bei ohnehin hohen Defiziten können zusätzliche Kriegsausgaben zugleich den Druck auf den Anleihemarkt und damit auf die staatlichen Zinskosten verstärken.

    Die wirtschaftliche Gesamtbelastung des Iran-Kriegs für amerikanische Verbraucher dürfte deshalb erheblich größer sein als die von Zandi genannten 860 US-Dollar je Haushalt. Diese Zahl macht vor allem den unmittelbar sichtbaren Energie-Schock greifbar. Die Folgekosten über Inflation, höhere Zinsen, teurere Kredite und den Staatshaushalt reichen jedoch wesentlich weiter und könnten die Amerikaner noch lange beschäftigen.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion



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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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