Aktie vor Halbierung?
Schock-Prognose für Konkurrent von Siemens Energy
Siemens Energy startet mit hohen Kursverlusten in die neue Handelswoche. Daran hat auch ein Downgrade für die Aktie von Mitbewerber GE Vernova schuld.
- Siemens Energy verliert wegen GE Vernova deutlich
- Analyst warnt vor einer möglichen Halbierung
- Weitere Verluste drohen ohne rasche Bodenbildung
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GE Vernova reißt Siemens Energy mit in die Tiefe
Die Sorge vor wachsenden Sicherheitsrisiken durch Künstliche Intelligenz, geäußert am zurückliegenden Wochenende durch führende Branchenvertreter, darunter Anthropic-CEO Dario Amodei, ließ am Montag die Kurse von Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten einbrechen. Schon in der US-Vorbörse notierte das Technologiebarometer Nasdaq 100 mit Abgaben von mehr als 1,5 Prozent.
Doch am deutschen Aktienmarkt kam es zu teilweise empfindlichen Kursverlusten. Neben Halbleitwerten, darunter Infineon, traf es vor allem die Anteile von DAX-Schwergewicht Siemens Energy, die zeitweise mehr als 8 Prozent einbüßten und damit eine wichtige Unterstützung aufzugeben drohten. Mitverantwortlich hierfür war ein aufsehenerregendes Downgrade gegenüber der Aktie von Mitbewerber GE Vernova.
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Analyst sieht Aktie vor Halbierung
GE Vernova, das wie Siemens Energy einerseits Elektrifizierungsausrüstung und andererseits Kraftwerksbauteile liefert, verzeichnete seit dem Spin-off von General Electric eine stürmische Börsenentwicklung mit zwischenzeitlichen Kursgewinnen von mehr als 1.000 Prozent. Verantwortlich hierfür ist vor allem der rasant steigende Energiebedarf im Zusammenhang mit KI.
Da der Aktienkurs aber um ein Vielfaches schneller gestiegen ist als die Geschäftsentwicklung, hat das die Unternehmensbewertung deutlich aufgebläht. Die Research-Boutique GLJ Research hat das jetzt zum Anlass genommen, das Papier zum Verkauf zu empfehlen – mit einem Kursziel von 470 US-Dollar, was nicht nur das gegenwärtig niedrigste der Wall Street ist, sondern auch die Halbierung des Aktienkurses gegenüber dem Stand vom Freitag impliziert.
Der negativen Einschätzung von GLJ steht eine Konsensschätzung von 1.237,34 US-Dollar gegenüber. GE Vernova ist mit überwältigender Mehrheit zum Kauf empfohlen.
EBITDA-Erwartungen viel zu hoch?!
Als Grund für seine Verkaufsempfehlung nennt Analyst Gordon Johnson, der laut dem Vergleichsportal für Wall-Street-Analystinnen und -Analysten TipRanks allerdings als nicht sehr zuverlässig gilt, neben der hohen Unternehmensbewertung auch Gegenwind im Turbinengeschäft.
Die im Jahresausblick des Unternehmens für 2027 enthaltenen Turbinenauslieferungen würden auf Bestellungen aus dem Jahr 2024 zurückgehen, bevor GE Vernova gegenüber seinen Kundinnen und Kunden Preiserhöhungen durchsetzen konnte. Johnson rechnet für diese Auslieferungen mit einer Marge von gerade mal 3 Prozent, während 2025 bestellte Turbinen (Lieferbeginn ab 2028) Margen zwischen 10 und 11 Prozent erwirtschaften könnten.
Seiner Einschätzung nach wird der Beitrag der Energiesparte zum Konzernergebnis in 2027 daher deutlich kleiner ausfallen als am Markt erwartet. Während im Schnitt eine Segmentmarge von 20,7 prognostiziert wird, rechnet er lediglich mit 18,5 Prozent. Statt des durchschnittlichen EBTIDA-Ergebnisses von 9,45 Milliarden US-Dollar erwartet er lediglich 7,42 Milliarden US-Dollar, wodurch sich signifikant unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe ergeben. Das aktuelle EV/EBITDA-Verhältnis von 39 ist der Einschätzung von Johnson zufolge damit viel zu hoch.
Hohe Kursverluste beschleunigen Abwärtstrend
Am Markt verfehlte die düstere Prognose von Johnson trotz seines fragwürdigen Track-Records ihre Wirkung nicht. Bereits in der US-Vorbörse büßte GE Vernova rund 6 Prozent an Wert ein, daraus wurden im weiteren Handelsverlauf über 8 Prozent. Damit folgte Siemens Energy an Nachmittag im Wesentlichen der Kursentwicklung von GE Vernova.
Für das weitere Kursgeschehen ist der schwache Wochenauftakt höchst bedenklich, denn durch die in kurzer Zeit hohen Kursverluste ist GE Vernova nicht nur unter die 50-, sondern auch die 200-Tage-Linie gefallen, womit gleich zwei Verkaufssignale vorliegen. Siemens Energy fiel unterdessen auf den niedrigsten Stand seit Ende Januar. Auch hier sind die gleitenden Durchschnitte, in denen sich mit einem Death Cross ein markantes Verkaufssignal ergeben hat, inzwischen unterschritten.
Bei beiden Anteilsscheinen muss daher, sollte den Bullen nicht ein rascher Konter und das Zurückerobern wichtiger Unterstützungen gelingen, mit weiteren Verlusten gerechnet werden.

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Fazit: Nicht auf die leichte Schulter nehmen
Trotz der zum Wochenauftakt empfindlichen Kursverluste notiert GE Vernova gegenüber dem Jahreswechsel noch immer mit einem Plus von mehr als einem Drittel. Das zeigt, dass das bemerkenswert niedrige Kursziel von Johnson vor dem Hintergrund des zuvor steilen Anstiegs charttechnisch nicht völlig aus der Luft gegriffen ist.
Aus fundamentaler Perspektive besteht großes Abwärtspotenzial, denn das EV/EBTIDA-Verhältnis ist bei Weitem nicht die einzige aus dem Ruder gelaufene Kennziffer. Das für 2026 geschätzte KGVe liegt mit knapp 63 um 220 Prozent über dem Branchendurchschnitt, gleichzeitig ist das Gewinnwachstum angesichts eines PEG von 1,63 nicht günstig. Auch das Kurs-Cashflow-Verhältnis ist mit 18,3 enttäuschend. Das Börseninformationsportal SeekingAlpha verleiht GE Vernova für seine Unternehmensbewertung daher eine glatte Sechs.
Für Anlegerinnen und Anleger ist es nicht ratsam, die an Fahrt aufnehmende Korrektur zu kaufen. Auch bei Siemens Energy, das zwar auch nicht günstig, aber bei Weitem nicht so hoch bewertet ist wie GE Vernova, sollte vor einem Einstieg eine klar erkennbare Bodenbildung abgewartet werden.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

