Verlustgeschäft
China kauft deutlich weniger US-Soja als zugesichert
US-Soja rechnet sich für Chinas private Ölmühlen nicht. Milliardenkäufe bleiben deshalb aus und verschaffen Peking vor dem Trump-Xi-Gipfel einen starken Hebel.
- Private Ölmühlen meiden US-Soja wegen Verlusten
- China kauft US-Soja fast nur über Staatskonzerne
- Soja wird zum Trumpf vor dem Trump-Xi-Gipfel
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China braucht Sojabohnen. Doch amerikanische will der Markt derzeit kaum haben. Nach Angaben des Weißen Hauses hat sich Peking verpflichtet, bis 2028 jährlich mindestens 25 Millionen Tonnen US-Sojabohnen abzunehmen. Erfüllt ist dieses Ziel bislang nicht einmal zur Hälfte. Zwar kaufte China allein Anfang September rund eine Million weitere Tonnen. Insgesamt nähert sich das Volumen damit aber erst der Marke von rund 12 Millionen Tonnen. China selbst hat die von Washington genannte Zusage nie öffentlich bestätigt.
Dass die Bestellungen hinter dem Ziel zurückbleiben, ist aber nicht nur politischer Widerstand. Dahinter steckt vor allem ein betriebswirtschaftliches Problem. Für Chinas private Soja-Verarbeiter rechnet sich der Kauf amerikanischer Bohnen derzeit einfach nicht.
Sojabohnen werden in China vor allem zu Sojaöl und Sojaschrot verarbeitet. Letzteres ist ein wichtiges Futtermittel für die riesige Viehwirtschaft des Landes. Entscheidend für die Ölmühlen ist dabei nicht allein der Einkaufspreis der Bohnen, sondern vor allem das was übrig bleibt, wenn man von den Einnahmen nach dem Verkauf von Öl und Schrot den Einkaufspreis abzieht.
Und diese Rechnung sieht momentan miserabel aus. Wenn die Ölmühlen zum jetzigen Preis Soja zur Lieferung zwischen Oktober und Januar bestellen, machen sie ein Minus von 150 bis 230 Yuan je Tonne, umgerechnet etwa 22 bis 34 US-Dollar, berichtet Reuters unter Berufung auf Händler und Analysten. Und in dieser Rechnung sind die chinesischen Einfuhrzölle von zehn Prozent auf amerikanische Agrarprodukte noch gar nicht enthalten. Mit Zoll werden US-Bohnen für private Käufer noch unattraktiver.

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Entsprechend eindeutig fällt die Reaktion der Unternehmen aus. Private chinesische Verarbeiter haben amerikanische Ware bislang weitgehend gemieden. Fast alle größeren Käufe stammen stattdessen von staatlich kontrollierten Konzernen wie Sinograin und COFCO. Während der chinesische Staat strategisch einkauft, rechnet sich ein Kauf für die privaten Unternehmen schlichtweg nicht.
Ganz verzichten kann China auf die USA allerdings auch nicht. Der wichtigste Lieferant Brasilien nähert sich dem Ende seiner Vermarktungssaison. Rund 85 Prozent der brasilianischen Ernte dürften inzwischen bereits verkauft sein. Gleichzeitig konkurrieren Brasiliens eigene Ölmühlen mit Exporteuren um die verbleibenden Mengen. Die nächste große Ernte kommt erst Anfang 2027.
China hat seine Soja-Einkäufe für Oktober weitgehend abgeschlossen. Für November haben sich die Importeure bislang allerdings gerade einmal 60 Prozent des erwarteten Bedarfs gesichert und für Dezember und Januar noch fast gar nichts. China braucht also jede Menge Sojabohnen und die amerikanische Ernte kommt gerade auf den Markt, doch zu den gegenwärtigen Preisen will sie niemand kaufen. Selbst eine Abschaffung des Zehn-Prozent-Zolls würde das Problem nicht vollständig lösen, solange die Verarbeitung weiterhin Verluste produziert.
Vor dem erwarteten Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping steht also einiges auf dem Spiel. Für Trump sind die Sojabohnen politisch wichtig. Amerikanische Farmer gehören zu den sichtbarsten Opfern früherer Handelskonflikte mit China. Zusätzliche Milliardenkäufe aus Peking ließen sich daher vor den Midterms als Erfolg seiner Handelspolitik verkaufen. Xi könnte Trump genau das anbieten, wird dies aber sicher nicht ohne Gegenleistung tun.
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Eine Senkung der chinesischen Zölle auf US-Agrargüter könnte private Käufer zurück an den Markt bringen. Gleichzeitig könnte Peking weitere staatliche Großbestellungen ankündigen und Trump damit einen politisch attraktiven Erfolg liefern. Im Gegenzug dürfte China Zugeständnisse bei amerikanischen Zöllen oder anderen Handelsbeschränkungen verlangen. Dass beide Seiten über gegenseitige Zollsenkungen sprechen, ist bereits bekannt.
Damit werden die fehlenden 13 Millionen Tonnen Sojabohnen zu Verhandlungsmasse und einem Trumpf in der Hand von Xi. Da die Soja-Einkäufe privater Ölmühlen wirtschaftlich keinen Sinn machen, hängt letztendlich alles davon ab, ob und wie viele Bohnen die Staatskonzerne erstehen. Und darüber entscheidet letztendlich die politische Führung.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

