Nicht nur Rohöl
KI treibt die Inflation: Ziehen die Entwickler deswegen die Bremse?
Der Aufbau einer ganzen Industrie rund um die Künstliche Intelligenz verschlingt Ressourcen – und treibt dabei die Inflation weiter an. Plädieren deswegen die Entwickler für einen Entwicklungsstopp?
- KI treibt durch Ressourcenbedarf die Inflation
- Ölpreis verschärft Europas Inflation und Stagflation
- Entwickler fordern wegen hoher Kosten eine KI-Pause
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Seit dem Iran-Krieg eskaliert der Ölpreis: Die Marke Brent hat auf die jüngsten Ereignisse mit einem starken Anstieg reagiert und marschiert Richtung 110 US-Dollar. Denn faktisch ist die Straße von Hormus geschlossen. Das gleiche scheint jetzt auch für die Umwege der Fall zu sein, die Saudi-Arabien organisiert hatte.
Der Ölpreis steigt weiter und mit ihm die Inflation. In der vergangenen Woche hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen angehoben, die Federal Reserve (Fed) wird mutmaßlich ihr folgen und auch den Leitzins anheben.
Damit ist ein Szenario erreicht, das für Europa wenig ermutigend ist, denn auf dem alten Kontinent schwächelt die Wirtschaft. Bei gleichzeitig hoher Inflation und Negativwachstum müsste man bereits von einer handfesten Stagflation sprechen.
Nun hat KI dieses Jahr die Erwartungen übertroffen: Die Kapitalmärkte brannten bis Juli dieses Jahr ein Feuerwerk nach dem anderen an der Börse ab. Seitdem wird aber eine Frage immer lauter: "Wer bezahlt die Party?"
Dabei sorgt die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, genauer die gesamte Industrie um sie herum, zumindest in den USA für Wirtschaftswachstum. Aber die KI scheint einen unbändigen Hunger nach Energie und Ressourcen zu haben.
Und der lässt sich bemessen: Rechenzentren werden bis 2030 für knapp die Hälfte des gesamten zusätzlichen US-Stromverbrauchs verantwortlich sein. Allein von 2025 bis 2027 kommen damit rund 154 TWh hinzu. Haupttreiber sind laut EIA (U.S. Energy Information Administration) unter anderem die stark wachsenden Rechenzentren für KI.
Aber auch bei den Rohstoffen erscheint KI nimmersatt. Die IEA schätzt den zusätzlichen Rohstoffbedarf der Rechenzentren bis 2030 auf 512.000 Tonnen Kupfer und 75.000 Tonnen Silizium im Jahr 2030 – zusätzlich.
Andere Prognosen sprechen von mehr als 1 Million Tonnen Kupfer und Aluminium pro Jahr, die allein bis 2030 weltweit in den Bau von Rechenzentren fließen (Studie der CRU Group).
Damit ist die sogenannte erste Phase der KI, ihr Aufbau, beteiligt an der Inflation: Denn die KI-Investitionen führen zu einer höheren Nachfrage, Verknappung der Kapazitäten und damit zu steigenden Preisen.
Dass die führenden Unternehmen um Anthropic und OpenAI jetzt einen Rückzieher machen und fordern, bei der Entwicklung von KI auf die Bremse zu treten, kann auch diesen Grund haben: Keiner weiß, wer am Ende die Party bezahlen muss.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion


