Märkte am Morgen
DAX auf 2-Monats-Tief: Energiepreise und Zinsen setzen Aktienmärkte unter Druck
Ölpreis-Schock, Zinsschock, KI-Schock: Der DAX rutscht auf ein Zwei-Monats-Tief, während 5-Prozent-Renditen und Warnungen führender KI-Chefs die Märkte weltweit durchschütteln. Ein Überblick vor dem Handelsstart.
- DAX auf Zweimonatstief, Ölpreis steigt weiter
- US-Renditen steigen wieder über fünf Prozent
- KI-Pause belastet Halbleiter, China bleibt schwach
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Der DAX startet angeschlagen in den Tag. Vorbörslich notiert der deutsche Leitindex bei Tradegate bei 25.419,30 Punkten und damit 0,42 Prozent im Minus. Der Goldpreis gibt leicht nach auf 4.294,15 US-Dollar (-0,11 Prozent), während Brent-Rohöl um 1,76 Prozent auf 107,54 US-Dollar zulegt. Bitcoin verliert 0,91 Prozent und steht bei 77.455,25 US-Dollar.
Der Ölpreis hat sich nach seinem jüngsten Sprung nun auf hohem Niveau eingependelt. Dass es nicht noch weiter nach oben geht, ist nach Einschätzung von Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners derzeit schon als positives Signal zu werten.
DAX im Tief, Anleihen im Höhenflug
Der DAX war bereits gestern auf ein Zwei-Monats-Tief gefallen. Rückten lange Zeit die 26.000 Punkte in den Fokus der Anleger, richtet sich der Blick nun wieder verstärkt auf die 25.000er-Marke und die Frage, ob diese im Falle weiterer Verluste als Unterstützung dienen kann.
Steigende Energiepreise und steigende Zinsen bildeten einen Teufelskreis, der die Zukunftsaussichten von Unternehmen gleich mehrfach belaste, so Altmann. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte gestern mit 3,56 Prozent auf ein 18-Jahres-Hoch. Noch bedrohlicher stelle sich die Lage in Frankreich dar, wo das Tageshoch bei 4,53 Prozent ebenfalls ein 18-Jahres-Hoch markierte. Der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Anleihen erreichte zudem ein 15-Jahres-Hoch, ein Misstrauen, das zuletzt nur auf dem Höhepunkt der Eurokrise 2011/2012 zu beobachten war.
US-Anleihen über 5 Prozent
Auch jenseits des Atlantiks sorgt der Zinsmarkt für Nervosität. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte am Montag erstmals seit den Verwerfungen der Pandemie wieder über die Marke von 5 Prozent, diesmal getrieben von einem Krieg ohne absehbares Ende und der damit verbundenen Energiepreis- und Inflationssorge.
Die Folgen reichen bis in den Alltag: Hypothekenzinsen in den USA nähern sich bereits wieder der 7-Prozent-Schwelle. Am Markt wird nun diskutiert, ob 5 Prozent erneut als Obergrenze fungieren, wie 2023, oder ob ein dauerhafter Ausbruch bevorsteht, wie ihn die 2000er-Jahre gesehen hatten.
BNP-Paribas-Stratege Stephan Kemper bringt die Gemengelage auf den Punkt: Die Zwickmühle aus einem geopolitisch getriebenen Energie-Angebotsschock und dem daraus folgenden Zinsanstieg treffe auf eine brancheninterne Debatte über das Tempo der KI-Entwicklung und führe zu spürbaren Anpassungen an den Finanzmärkten.
KI-Tempolimit bremst Aktienmärkte aus
Der Aufruf zu einer KI-Entwicklungspause ließ den Halbleiterindex Philadelphia Semiconductor um 5,9 Prozent einbrechen, europäische Halbleiterwerte verloren sogar 7,5 Prozent. Profitieren konnten dagegen Cybersecurity-Aktien, ein entsprechender Aktienkorb legte laut Kemper um mehr als 10 Prozent zu, der dritthöchste Tagesgewinn der vergangenen zehn Jahre.
Mit Blick auf die KI-Debatte übte Digital-Staatssekretär Thomas Jarzombek Kritik an Europas Kurs. Die EU habe sich zu sehr auf Regulierung konzentriert, statt die Potenziale der Technologie zu nutzen. Mit dem AI Act seien komplizierte Regelwerke entstanden, die KI-Entwickler nicht nach Europa gelockt hätten, während die Industrie zugleich zu wenig in europäische Rechenzentren investiert habe.
China mit schwachen Konjunkturdaten
Auch aus China kommen gemischte Signale. Der Einzelhandelsumsatz legte im August nur um 0,4 Prozent zu und verlangsamte sich damit gegenüber dem Vormonat, während Ökonomen mit 0,8 Prozent gerechnet hatten. Positiv überraschte dagegen die Industrieproduktion mit einem Plus von 5,2 Prozent. Die Investitionen in Sachanlagen sanken weiter, jene in Immobilien brachen bis Ende August um rund ein Fünftel ein. Angesichts des gefährdeten Wachstumsziels von 4,5 bis 5,0 Prozent wächst die Wahrscheinlichkeit weiterer staatlicher Stützungsmaßnahmen.
Übergewinnsteuer für Ölkonzerne?
In Deutschland entzündet sich derweil eine politische Debatte über die hohen Spritpreise. Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ulf Kämpfer forderte eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne und warf ihnen vor, internationale Krisen als Geschäftsmodell zu nutzen. Die Einnahmen sollten gezielt Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sowie Pendlern und kleinen Betrieben zugutekommen.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

