770 % mehr Kapitalflucht
Rätselhafte Kapitalflucht in Russland: Was steckt dahinter?
Russlands "graue" Kapitalflucht erreicht einen neuen Rekord. Gleichzeitig verkauft die Zentralbank Gold in Rekordhöhe. Die Ursachen dafür sind unklar. Bringen Putins Eliten ihr Geld in Sicherheit? Die Hintergründe.
12,2 Milliarden US-Dollar in nur einem Quartal: Russlands "graue" Kapitalflucht hat laut WELT im zweiten Quartal 2026 einen Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen 1994 erreicht. Gegenüber dem ersten Quartal beträgt der Anstieg 770 Prozent. Der Betrag entspricht etwa jedem zehnten Dollar der Exporteinnahmen.
Doch die Zahl hat einen Haken: Die Zentralbank verbucht den Betrag als statistische Abweichung. Darin können auch verdeckte Kapitalabflüsse und Exporterlöse fallen, die im Ausland bleiben. Die konkreten Ursachen sind damit nicht geklärt.
Eine mögliche Erklärung führt zu Russlands Vermögenden. In einem Bloomberg-Bericht vom Juli heißt es: Reiche, auch Putin-nahe, Russen transferieren wieder verstärkt Geld auf die arabische Halbinsel, nach Zypern und nach Afrika. Auch Immobilienkäufe in Dubai nehmen zu.
Der russische Insider und Ex-Zentralbankvize Oleg Wjugin sieht Zukunftsängste als Treiber. Gerüchte über ein mögliches Einfrieren von Bankeinlagen und eine neue Mobilmachung schürten die Nervosität. "Die Menschen wollen eine bestimmte Geldmenge irgendwie in Sicherheit bringen“, so Wjugin.
Hinzu kommt das Haushaltsloch: Das Finanzministerium schätzt das Defizit auf 5,8 Billionen Rubel oder 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Jahresplan lag bei 1,6 Prozent.
Parallel verkauft die Zentralbank Gold: In den ersten sieben Monaten waren es 49,7 Tonnen – so viel wie seit dem Rubelcrash 1998 nicht mehr. Ökonom Vasily Astrov bezweifelt jedoch, dass Russland Gold verkaufen muss, um sein Haushaltsloch zu stopfen.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

