Märkte am Morgen
DAX vor Fed-Showdown: Eine Zinserhöhung könnte erst der Anfang sein
Während Öl und Anleiherenditen sinken, steuert der DAX auf Gewinne zu. Doch am Abend könnte die Fed die Stimmung drehen. Anleger werden besonders auf ein Signal achten.
US-Anleihen: Rendite wieder knapp unter fünf Prozent
Am Mittwochmorgen zeichnet sich am US-Anleihemarkt eine leichte Entspannung ab. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen liegt mit 4,994 Prozent wieder knapp unter der Marke von fünf Prozent. Am Dienstag war sie zeitweise auf 5,025 Prozent gestiegen und hatte damit den höchsten Stand seit 2007 erreicht.
Trotz des Rückgangs bleibt die Rendite nahe ihrem langjährigen Hoch. Entscheidend dürfte nun sein, welche Signale die Fed heute Abend zum weiteren Zinskurs sendet. Hinweise auf zusätzliche Zinserhöhungen könnten die Renditen erneut antreiben. Ein zurückhaltender Ausblick könnte hingegen die jüngste Entspannung unterstützen.
Ölpreise fallen trotz Pipeline-Ausfall
Die Ölpreise geben am Mittwochmorgen nach. Laut CNBC sank der Terminkontrakt für Brent-Öl mit Lieferung im November im frühen Handel zeitweise um 1,02 Prozent auf 107,64 US-Dollar je Barrel. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate zur Lieferung im Oktober verlor 1,29 Prozent und kostete damit 104,46 US-Dollar.
Ein überraschender Anstieg der amerikanischen Ölvorräte sorgt für Druck. Wie Reuters unter Berufung auf Daten des American Petroleum Institute berichtet, wuchsen die Rohölbestände in der Woche bis zum 11. September um 7,1 Millionen Barrel. Analysten hatten hingegen einen Rückgang um rund 1,6 Millionen Barrel erwartet. Auch die Vorräte an Benzin und Destillaten legten zu.
Gleichzeitig bleiben mögliche Lieferausfälle im Nahen Osten im Fokus. Saudi-Arabiens wichtige Ost-West-Pipeline wurde nach einem Angriff am Wochenende stillgelegt. Die Einschätzungen zur Dauer gehen weit auseinander: US-Energieminister Chris Wright erwartet eine Unterbrechung von wenigen Tagen. Ölmarktanalyst Andy Lipow rechnet hingegen anhand veröffentlichter Bilder mit monatelangen Reparaturen.
Die asiatischen Börsen erholen sich – Chipwerte ziehen an.
An den asiatischen Börsen überwiegen zur Wochenmitte die Gewinne. Positive US-Futures, leicht gesunkene US-Anleiherenditen und nachgebende Ölpreise stützen die Gegenbewegung nach den jüngsten Verlusten. In Tokio steigen der Nikkei 225 und der Topix um 0,3 Prozent sowie 0,5 Prozent. Der südkoreanische Kospi legt um 0,8 Prozent zu und der Shanghai Composite gewinnt 0,7 Prozent dazu. Der Hang Seng in Hongkong zeigt sich gut behauptet. Auch in Sydney geht es leicht aufwärts.
Unter den Einzelwerten stechen die südkoreanischen Chiphersteller hervor. SK Hynix gewinnt nach einer Einigung mit den Gewerkschaften über Erfolgsprämien fast 3,8 Prozent hinzu. Samsung Electronics verteuert sich um 1,4 Prozent. In Tokio legt Nippon Steel um 0,8 Prozent zu. Der Stahlkonzern plant Investitionen von 900 Millionen Euro in der Slowakei. Zugleich richtet sich der Blick auf die Bank of Japan: Für deren Sitzung am Freitag erwarten Marktbeobachter eine Zinserhöhung.
DAX vor leichtem Plus – Anleger warten auf die Fed
Für den DAX zeichnet sich am Mittwoch ein freundlicher Handelsauftakt ab. Gut zwei Stunden vor Xetra-Start lag die Indikation des Brokers IG bei 25.445 Punkten, was einem Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss entspricht. Der deutsche Leitindex würde sich damit weiter oberhalb seiner 100-Tage-Linie halten, die Anlegern als Orientierung für den mittelfristigen Trend dient.
Rückenwind liefern die internationalen Vorgaben. An der Wall Street konnten die Indizes ihre Verluste am Dienstag im späten Handel verringern. In Asien überwiegen am Mittwochmorgen die Kursgewinne. Auch leicht nachgebende Ölpreise sorgen für etwas Entlastung. Eine politische Entspannung im Nahen Osten ist allerdings weiterhin nicht in Sicht. Für die Märkte bleibt der entscheidende Termin der Zinsentscheid der Fed am Abend.
Alle Augen auf die Fed: Wie viele Zinserhöhungen drohen?
Heute Abend wird es für die Märkte ernst: Um 20:00 Uhr MESZ gibt die US-Notenbank Fed ihren Zinsentscheid bekannt. Anleger rechnen inzwischen fest mit einer Straffung. Laut dem FedWatch-Tool der CME lag die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent am 15. September bei 92,3 Prozent.
Damit haben sich die Erwartungen innerhalb weniger Wochen deutlich verschoben. Mitte August lag die Wahrscheinlichkeit für diesen Zinsschritt noch bei 33,1 Prozent. Für unveränderte Zinsen spricht laut der jüngsten Momentaufnahme nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 7,7 Prozent. Nach dem Renditeanstieg am US-Anleihemarkt rückt somit die Frage in den Mittelpunkt, ob die erste Erhöhung den Auftakt zu einer ganzen Serie bildet.
Für die Wall Street dürfte deshalb vor allem der Ausblick entscheidend sein. Hinweise auf den weiteren Kurs liefern die neuen Zins- und Konjunkturprognosen sowie die ab 20:30 Uhr MESZ beginnende Pressekonferenz. Signale für mehr Zinserhöhungen als bislang erwartet könnten Aktien zusätzlich belasten. Denn höhere Zinsen verteuern die Unternehmensfinanzierung und machen Anleihen als Anlagealternative attraktiver.
Thomas Altmann, CFA-Analyst bei QC-Partners, kommentiert: "Es ist wieder FED-Tag. Das heißt, es ist einer dieser Börsentage, die erst abends so richtig losgehen. Die Börsen preisen eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent ein. Damit läge der US-Leitzins zwischen 3,75 Prozent und 4 Prozent. "
Gold erholt sich vor dem Fed-Entscheid
Am Mittwochmorgen legte Gold um 0,82 Prozent auf 4.329,40 US-Dollar je Feinunze zu (Stand: 7:56 Uhr). Damit gewinnt das Edelmetall nach den jüngsten Verlusten wieder an Boden. Am Montag war der Preis laut Reuters auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Monat gefallen. Die Erholung fällt mit nachgebenden Ölpreisen zusammen.
Entscheidend dürfte nun der Zinsausblick der Fed werden. Laut Naga-Analyst Frank Walbaum könnten Signale für eine straffere Geldpolitik Gold belasten, während zurückhaltendere Aussagen die Erholung unterstützen könnten. Höhere Zinsen machen das unverzinste Edelmetall gegenüber verzinsten Anlagen weniger attraktiv. Die Commerzbank sieht allerdings auch mögliche Stützen für Gold: Anhaltende Sorgen um die Staatsfinanzen und gestiegene politische Risiken in den Vereinigten Staaten könnten den Goldpreis stützen.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

