Warshs erster großer Test
10 % Absturz möglich? Das erwartet den S&P 500 beim Fed-Entscheid
Ein Analyst warnt vor einem Kurssturz wie 2018. Morgan Stanley erwartet gleich zwei Zinserhöhungen. Ein anderer Ökonom hält beides für übertrieben. Am Mittwoch entscheidet Fed-Chef Kevin Warsh, wer recht behält.
- Analyst warnt vor zehn Prozent Kursverlust
- Morgan Stanley erwartet zwei Zinserhöhungen
- Warsh entscheidet über den künftigen Zinskurs
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Mögliche Zinserhöhungen der US-Notenbank ab dieser Woche könnten laut Macro Risk Advisors LLC eine Korrektur des S&P 500 um acht bis zehn Prozent auslösen. Wir erwarten einen Rückgang mit einer möglichen zweiten Abwärtsbewegung im Dezember, sagte Geschäftsführer Dean Curnutt in einer Kundenmitteilung. Zinserhöhungen würden die Margen von Unternehmen schmälern, die Kosten nicht weitergeben könnten, und einen Volatilitätsschock für einen unvorbereiteten Markt auslösen.
Der S&P 500 ist im September bislang um etwa ein Prozent gefallen, belastet von hohen Energiekosten und einer Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf dem höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Händler preisen eine Zinserhöhung durch Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh am Mittwoch inzwischen fast vollständig ein, gegenüber rund 60 Prozent vor einer Woche.
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Curnutt zog Parallelen zu 2018, als der S&P 500 im September seinen Höchststand erreichte, bevor er bis November um zehn Prozent einbrach und im Dezember weiter fiel. Eine defensive Haltung sei angesichts dieser Vorgeschichte der richtige Ansatz, so Curnutt.
Ökonom Strain erwartet keine Zinserhöhung
Anders sieht es Michael R. Strain vom American Enterprise Institute: Die Fed werde die Zinsen im September wahrscheinlich nicht anheben, obwohl die Märkte dies mit 87 Prozent Wahrscheinlichkeit einpreisten.
Die Daten seit Juli seien nicht stark genug, um einen neuen Zinserhöhungszyklus zu rechtfertigen, so Strain. Die Kern-PCE-Inflation dürfte bei etwa 3,1 Prozent liegen, was eher für anhaltende Disinflation als für eine Beschleunigung spreche. Persönlich würde Strain eine Erhöhung dennoch befürworten, da der Leitzins seiner Ansicht nach zu niedrig sei.
Morgan Stanley erwartet zwei Zinserhöhungen
Morgan Stanley hat sich anderen Banken angeschlossen und erwartet nun, dass die Fed bei ihrer Sitzung am 15. und 16. September die Zinsen um 25 Basispunkte anhebt und im Dezember erneut nachlegt. Der Disinflationsprozess verlaufe langsamer als nötig, erklärte das Institut in einer Mitteilung vom Montag. Zweitrundeneffekte durch Energiepreise sowie starke KI-bezogene Investitionen sprächen für eine restriktivere Geldpolitik.
Fed-Vorsitzender Warsh unter Beobachtung
Kevin Warsh, seit Mai im Amt, hat bislang keine klaren Hinweise zum Zinskurs gegeben. Angesichts der Inflation über dem Zielwert und der Ölpreise über 100 US-Dollar pro Barrel erwarten Anleger dennoch die erste Zinserhöhung seiner Amtszeit.
Jeff Schulze vom Franklin Templeton Institute rechnet mit einer Anhebung auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Da die Fed-Funds-Futures eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent einpreisten und die Inflation seit 65 Monaten über dem Ziel liege, habe der Ausschuss kaum Spielraum, die Erwartungen zu enttäuschen, so Schulze. Eine einmalige Anhebung dürfte die Wirtschaft aber kaum belasten, da KI-Investitionen relativ zinsunempfindlich seien.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
