KI-Kurs spaltet die Welt
China ignoriert die KI-Warnungen aus den USA
Während US-Techchefs vor den Risiken künstlicher Intelligenz warnen, bleiben Chinas KI-Konzerne auffällig ruhig. Dahinter steckt eine andere Strategie.
- Chinas KI-Konzerne bleiben bei Risikowarnungen ruhig
- Peking setzt auf Kontrolle und Sicherheitsregeln
- Chinesische Firmen setzen auf Anwendungen und Umsatz
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Während führende US-Techmanager vor den Risiken immer leistungsfähigerer künstlicher Intelligenz warnen, halten sich Chinas große KI-Unternehmen mit ähnlichen Warnungen zurück. Ray Von, Gründer und Chef des Tencent-finanzierten Start-ups OpenPie, hält die öffentliche Debatte über KI-Risiken für übertrieben. "Deshalb schenken wir dem in China nicht allzu viel Beachtung, denn es ist nicht das erste Mal, dass [die US-Führungskräfte] solche Dinge sagen", erklärte er gegenüber CNBC. "Sie sollten es einfach tun."
Z.ai, Moonshot, MiniMax, Alibaba und Tencent wollten sich gegenüber CNBC jedoch nicht zu den jüngsten Aussagen aus dem Silicon Valley äußern.
OpenAI-Chef Sam Altman, Elon Musk und Anthropic-Chef Dario Amodei hatten eine Verlangsamung der KI-Entwicklung gefordert. Sie verwiesen auf mögliche Risiken, die sich künftig nur schwer kontrollieren ließen. Nvidia-Chef Jensen Huang widersprach teilweise und betonte, Geschwindigkeit und Sicherheit könnten gleichzeitig erreicht werden. Auch Meta-Chef Mark Zuckerberg distanziert sich von den Aussgaen von Amodei.
Amodei fordert zugleich, dass die USA ihren technologischen Vorsprung gegenüber China behalten. Chinas Außenministerium bezeichnete die Warnungen dagegen als "Angstmacherei".
Peking setzt auf Kontrolle
China verfolgt bei künstlicher Intelligenz ohnehin einen stärker regulierten Ansatz. Während der jährlichen Cybersecurity Week veröffentlichte Peking die dritte Version seines "AI Safety Governance Framework". Das Regelwerk beschäftigt sich unter anderem mit der Kennzeichnung von KI-Inhalten und der schnellen Erkennung von Risiken.
Alex Lu, Gründer von LSY Consulting, sieht die chinesische KI-Landschaft dennoch weniger von Sicherheitsdebatten geprägt. Die Aussagen von Anthropic bezeichnete er als Marketingkommunikation.
China hat die Entwicklung von KI bereits früh staatlich begleitet. Nach dem Start von ChatGPT durften chinesische Alternativen zunächst nicht frei angeboten werden. Erst im Sommer 2023 erhielten erste Anbieter grünes Licht. Mittlerweile konkurrieren chinesische Modelle wie DeepSeek mit ChatGPT und Claude – häufig zu deutlich niedrigeren Kosten.
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Umsatz statt KI-Rekorde
Der entscheidende Unterschied liegt laut Lu beim Fokus. Chinesische Unternehmen konzentrierten sich stärker darauf, KI tatsächlich in Unternehmen einzusetzen und damit Einnahmen oder Produktivitätsgewinne zu erzielen.
"Wir suchen nicht nach den [beeindruckendsten] KI-Modellen, sondern versuchen, das Potenzial der KI zu erschließen", sagte Lu gegenüber CNBC. Eine zentrale Herausforderung seien dabei sogenannte Halluzinationen, also erfundene oder falsche Antworten von KI-Systemen.
Auch Ray Von sieht bei Unternehmen bislang vor allem Produktivitätsgewinne. "Sie haben noch nichts gesehen, was sofort Gewinne abwirft oder Kosten senkt", sagte er. Die öffentliche Diskussion über immer leistungsfähigere Modelle lenke deshalb von einem anderen Problem ab: "Auf der Anwendungsseite, also auf Unternehmensseite, sind bisher noch keine nennenswerten Ergebnisse zu verzeichnen."
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

