Prognose zusammengestrichen
Zeit, alles zu verkaufen? Einer der größten Optimisten wird jetzt vorsichtiger!
Der US-Aktien-Experte Ed Yardeni sieht in den anhaltend hohen Anleiherenditen Gegenwind für Wertpapiere und hat seine Prognose für den S&P 500 gekürzt.
- Yardeni senkt S&P-500-Jahresziel auf 7.900 Punkte
- Hohe Anleiherenditen erhöhen Abwärtsrisiken
- Langfristig bleiben US-Aktien trotz Risiken stark
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US-Aktien: Dauerbulle wird vorsichtiger!
Einer der für US-Aktien zuversichtlichsten und gleichzeitig in den vergangenen Jahren zuverlässigsten Experten ist Ed Yardeni. Der renommierte Ökonom, der unter anderem das Fed-Bewertungsmodell für Aktien ersonnen und den gegenwärtig vielzitierten Begriff der "Bond Vigilantes" geschaffen hat, wurde in den vergangenen Jahren nicht müde, die Werbetrommel für den US-Aktienmarkt auch dann zu rühren, wenn die Stimmung zwischenzeitlich ziemlich schlecht war.
Damit ist angesichts des anhaltenden Bullenmarktes nicht nur er selbst gut gefahren, sondern auch Anlegerinnen und Anleger, die seinen Ratschlägen gefolgt sind. Gebetsmühlenartig hat er dabei auf die robuste US-Konjunktur, steigende Unternehmensgewinne – und die Unterstützung durch eine akkommodative Notenbankpolitik verwiesen. Auf bis zu 10.000 Punkte könnte der S&P 500 seiner Einschätzung nach bis zum Ende des Jahrzehnts steigen.
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Gegenwind durch Anleiherenditen, Jahresprognose gekürzt
Kurzfristig allerdings tritt Yardeni nun auf die Bremse. Sein Kursziel für dieses Jahr hat der Perma-Bulle deutlich zurechtgestutzt. Sah er den US-Gesamtmarktindex bis zum Jahresende auf 8.400 Punkte klettern, rechnet er jetzt nur noch mit einem Anstieg auf 7.900 Zählern.
Das entspricht gegenüber dem Kurs vom frühen Mittwochabend einem Aufwärtspotenzial von knapp 4 Prozent. Gegenüber dem bisherigen Jahreshoch von 7.817 Punkten sieht er dagegen nur noch geringeres Steigerungspotenzial. Er begründet seine nun deutlich zurückhaltendere, unmittelbar vor dem Fed-Leitzinsentscheid veröffentlichte Prognose mit den anhaltend hohen Anleiherenditen und steigenden Abwärtsrisiken über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten.
Über 2026 hinaus bleiben die Aussichten laut Analysten stark
Mit seiner etwas vorsichtigeren Prognose ist Yardeni nicht allein. Auch die US-Großbank Wells Fargo hat ihren Ausblick von zuvor 7.950 Punkten auf jetzt 7.700 Punkte gesenkt. Analyst Ohsung Kwon hat zwar seine Gewinnprognose für S&P-500-notierte Unternehmen für die kommenden zwei Jahre angehoben, kurzfristig sieht er aber Gegenwind und eine mögliche Korrektur von 5 bis 10 Prozent.
Seine angehobene Gewinnprognose unterstützt jedoch über das Jahresende hinaus höhere Kurse. Das entspricht auch der Prognose von Yardeni, der sein ursprünglich für das Jahresende genannte Ziel von 8.400 Punkte auf Mitte 2027 verschoben hat. Beide schätzen die Unternehmensgewinne im kommenden Jahr auf 425 US-Dollar pro S&P-500-Anteil, der damit mit einem KGV von 19,8 bewertet wäre. Das liegt deutlich über dem langfristigen Mittelwert, der zwischen 15 und 17 angegeben wird.
Technisch herrscht kurzfristig Gegenwind
Neben den stark gestiegenen Anleiherenditen und anhaltend hohen Energiepreisen wachsen die kurzfristigen Abwärtsrisiken auch von technischer Seite her. Das im August erzielte Allzeithoch ist durch die technischen Indikatoren RSI und MACD nicht mit eigenen Hochs bestätigt worden. Hier liegen bereits seit Anfang April bearishe Divergenzen vor, was die Gefahr einer Trendwende bedeutet.
Außerdem droht der S&P 500 unter die 50-Tage-Linie zu fallen und damit für ein erstes Verkaufssignal zu sorgen, das bald darauf durch einen Vorzeichenwechsel im Trendstärkeindikator MACD bestätigt werden könnte. In diesem Fall müsste mit einem Pullback bis mindestens 7.500 Punkte, eher jedoch bis 7.300 Punkte gerechnet werden.
Auch saisonal (September, Oktober) sowie mit Blick auf längerfristiger Zyklen, wie dem US-Präsidentschafts- und Wahlzyklus, besteht statistisch eine hohe Wahrscheinlichkeit für Gegenwind in den kommenden Wochen und Monaten. Noch sind aber keine dauerhaften Trendbrüche zu erkennen.

wallstreetONLINE RedaktionNeue Finanzkrise voraus?
Für diese Bank-Aktie dürften die fetten Jahre jetzt vorbei sein!
Fazit: Ohne Trendbruch kein Grund, zu verkaufen!
Der Perma-Bulle für US-Aktien, Ed Yardeni, hat seine Jahresendprognose für den S&P 500 zusammengestrichen. Das ist vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Anleiherenditen eine Vorsichtsmaßname, für Anlegerinnen und Anleger aber noch kein Grund, aus dem Markt auszusteigen. Angesichts anhaltend hoher Unternehmensgewinne wird sich der US-Gesamtmarkt seiner Einschätzung nach auch bis ins nächste Jahr hinein und anschließend darüber hinaus stark entwickeln. So bekräftigte er in seiner neuesten Studie sein Ziel von 10.000 Punkten.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


