Armut auf Tiefststand
USA werden unterschätzt: Haushalte so reich wie nie zuvor
Während Inflation, Schuldenprobleme und immer neue Krisen die Medien dominieren, erreichen US-Haushalte ein Rekordeinkommen. Auch andere Daten sprechen für eine überraschende Stärke der weltgrößten Volkswirtschaft.
- US-Haushalte erreichen 2025 ein Rekordeinkommen
- Armutsquote und Kinderarmut sinken auf Tiefstände
- Einkommen steigen, doch Kosten belasten viele
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Seit Jahren dominieren negative Schlagzeilen das Bild der USA. Die weltgrößte Volkswirtschaft leidet unter Rekordschulden, hohen Zinsen, steigenden Lebenshaltungskosten und wachsenden Belastungen für die Mittelschicht, heißt es darin. Doch die neuesten Daten des US Census Bureau zeigen, dass wir es uns mit diesem einseitigen Bild vielleicht etwas zu einfach machen. Denn die amerikanischen Haushalte verdienen so viel wie nie zuvor, und auch die Armut ist auf einen historischen Tiefststand gefallen. Wie passt das in das Gesamtbild?
Das inflationsbereinigte Median-Haushaltseinkommen stieg 2025 auf 87.460 US-Dollar. Damit wurde der höchste Wert seit Beginn der Messung im Jahr 1967 erreicht. Gleichzeitig sank die offizielle Armutsquote um 0,5 Prozentpunkte auf 10,2 Prozent. Besonders bemerkenswert ist daran, dass auch die Kinderarmut auf 13,4 Prozent fiel, und damit ebenfalls auf einen historischen Tiefststand. Die Zahlen liefern damit einen überraschenden Kontrapunkt zu der weit verbreiteten Wahrnehmung, dass sich die finanzielle Lage der Amerikaner immer weiter verschlechtert.
Allerdings fällt der Fortschritt beim Einkommen der amerikanischen Haushalte im historischen Vergleich erstaunlich gering aus. Im Jahr 2019 lag das inflationsbereinigte Median-Haushaltseinkommen bei 85.320 US-Dollar und 2025 lediglich rund 2,5 Prozent höher. Zum Vergleich: In den sechs Jahren von 2013 bis 2019 legte das Median-Einkommen um 19 Prozent zu. Die amerikanischen Haushalte haben ihren Wohlstand vor der Pandemie also gerade erst wieder erreicht. Der große Wachstumsschub früherer Jahre blieb bislang aus.
Das ist auch einer der Gründe für die schlechte Stimmung vieler Verbraucher. Die Menschen vergleichen ihre finanzielle Situation nicht nur mit den offiziellen Einkommensdaten, sondern mit ihrem Alltag: Lebensmittel, Mieten, Versicherungen, Energie und Kredite kosten deutlich mehr als vor der Inflationswelle. Ein Haushalt kann heute also etwas mehr verdienen als 2019, sich aber trotzdem weniger wohlhabend fühlen, weil die monatlichen Ausgaben viel stärker gestiegen sind.

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Die Census-Zahlen zeigen allerdings nur einen Teil des amerikanischen Wohlstands. Nicht enthalten sind beispielsweise Gewinne aus Aktienanlagen, und dieser Bereich hat in den vergangenen Jahren für viele vermögende Amerikaner einen erheblichen Unterschied gemacht. Der S&P 500 verzeichnete 2025 bereits das dritte Jahr in Folge einen zweistelligen Kursanstieg. Wer über Aktien, Fonds oder andere Vermögenswerte verfügte, konnte deutlich stärker profitieren als reine Arbeitnehmerhaushalte.
Damit entsteht eine Trennlinie innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Während Einkommen aus Arbeit nur moderat gestiegen sind, konnten Besitzer von Vermögenswerten ihren Wohlstand teilweise deutlich ausbauen. Wer investiert ist, profitiert stärker vom Wachstum der Wirtschaft.
Noch deutlicher wird dieses Bild, wenn wir uns die Details genauer ansehen. Denn auch wenn die meisten Einkommensgruppen 2025 zulegen konnten, bildeten die unteren zehn Prozent eine Ausnahme und verzeichneten einen leichten Rückgang auf durchschnittlich 20.000 US-Dollar. Gleichzeitig wuchs das Einkommen der obersten zehn Prozent auf 261.300 US-Dollar. Die Erholung erreicht nicht alle Amerikaner gleichermaßen.
Auch politische Maßnahmen spielen dabei eine Rolle. Die im Jahr 2025 verabschiedeten Änderungen bei Sozialprogrammen wie Medicaid und Lebensmittelhilfen im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ von US-Präsident Donald Trump dürften sich in den aktuellen Daten noch nicht vollständig widerspiegeln. Einige Auswirkungen könnten erst in den kommenden Jahren sichtbar werden. Befürworter der Reformen argumentieren, dass weniger staatliche Ausgaben langfristig die Wirtschaft stärken können. Kritiker warnen hingegen vor einer steigenden Belastung für einkommensschwächere Haushalte.
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Eine positive Entwicklung zeigt sich beim Einkommen von Frauen. Frauen in Vollzeitjobs verdienten 2025 im Median 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Dadurch verringerte sich der Abstand zu Männern deutlich: Frauen erreichten 83,9 Prozent des Einkommens vergleichbarer männlicher Vollzeitbeschäftigter. Das war der erste statistisch signifikante Anstieg dieser Quote seit 2016, auch wenn weiterhin eine Lücke besteht.
Der private Konsum ist der wichtigste Motor der US-Wirtschaft. Solange Einkommen und Beschäftigung stabil bleiben, können Unternehmen weiterhin auf eine robuste Nachfrage hoffen. Die neuen Daten liefern daher ein Gegenargument zu der These, dass die USA zwangsläufig vor einer Konsumkrise stehen.
Das bedeutet nicht, dass alle Probleme gelöst sind. Hohe Zinsen, teure Immobilien, Staatsverschuldung und soziale Spannungen bleiben zentrale Herausforderungen. Doch die Zahlen zeigen auch, dass die Widerstandskraft der amerikanischen Wirtschaft häufig unterschätzt wird. Die USA sind nicht frei von Problemen, aber der amerikanische Verbraucher steht finanziell besser da, als viele Schlagzeilen vermuten lassen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

