Commerzbank-Konkurrent
Für diese Bank-Aktie sind die fetten Jahre jetzt vorbei!
Auch Finanzwerte profitierten in den vergangenen Jahren stark vom KI- und Börsenboom. Doch diese Sonderkonjunktur dürfte jetzt zu Ende gehen.
Willkommen zum wallstreetONLINE-TrendFinder – JP Morgan
Unbemerkt von vielen Anlegerinnen und Anlegern haben sich Aktien aus der Finanzbranche in den vergangenen Jahren im Windschatten des KI-Booms zu einer der am besten performenden Anlageklassen gemausert. Für die Anteile von US-Großbanken ging es in den vergangenen 3 Jahren zwischen 100 (Bank of America) und 220 Prozent (Citigroup) bergauf. Deutsche und europäische Einzelwerte, wie die Deutsche Bank (+225 Prozent) oder die Commerzbank (+330 Prozent), boten zum Teil sogar noch höhere Anlagegewinne.
Die Gründe hierfür sind durchaus unterschiedlich. Europäische Bankwerte waren im internationalen Vergleich lange unterbewertet. Diese Bewertungslücke konnte mithilfe der Zinswende der EZB geschlossen werden – dank höherer Leitzinsen sind die Zinserträge von Banken in der Euro-Zone und damit auch ihre Gewinne deutlich gestiegen. In den USA profitierte die Branche ebenfalls von stetig steigenden Leit- und Marktzinsen. Gleichzeitig boomten dank Künstlicher Intelligenz die Konjunktur, der Arbeits- und Aktienmarkt sowie die Kreditvergabe und die IPO-Tätigkeit, deren vorläufiger Höhepunkt mit dem Börsengang von SpaceX erreicht wurde.
US-Banken: Die besten Zeit sind bereits vorbei!
Diese Faktoren sorgten im unmittelbaren Zusammenspiel für eine Sonderkonjunktur, die jetzt allerdings wachsenden Risiken ausgesetzt ist. Die Zweifel gegenüber der finanziellen Nachhaltigkeit billionenschwerer KI-Investitionen wachsen, im Private-Equity-Bereich und bei Schuldnern mit niedriger Bonität steigen die Delinquenz- aus Ausfallraten, während neue Börsengänge auf unbestimmte Zeit verschoben werden, wie zum Beispiel diejenigen von Anthropic und OpenAI.
Das deutet daraufhin, dass aus dem Rückenwind der vergangenen Jahre jetzt Gegenwind für die Branche werden könnte. Short-Positionen auf Banken wie JP Morgan, wo die Fallhöhe aktuell besonders hoch ist, können nicht nur das Depot gegen Gesamtmarktkorrekturen absichern, sondern auch dreistellige Renditen erwirtschaften – zum Beispiel mithilfe des Put-Optionsscheines MR4JAG.
JP Morgan Chartsignale
- Übergeordneter Aufwärtstrend: JP Morgan befindet sich unterstützt von einer starken Geschäftsentwicklung in einem Aufwärtstrend, doch das könnte sich jetzt ändern.
- Top-Bildung in Gange: Im Chart zeichnet sich im Bereich von 350 bis 360 US-Dollar ein Top sowie eine Flaggenbildung, was zu einer Trendwende führen könnten.
- Erste Verkaufssignale: Das Unterschreiten der 50-Tage-Linie sowie ein sich abzeichnender Vorzeichenwechsel im MACD sorgen für Verkaufssignale.
- Ernstzunehmende Verlustgefahr: Die steile Rallye in den vergangenen Jahren sorgt dafür, dass die Bewertung und mit ihr Abwärtsrisiken jetzt besonders hoch sind.
JP Morgan: Auch ohne Finanzkrise viel Abwärtspotenzial
Die US-Großbank JP Morgan ist mit einem Marktwert von 930,7 Milliarden US-Dollar das mit Abstand wertvollste börsennotierte Finanzinstitut der Welt. Die Größe ist vor allem dem anhaltenden Unternehmenserfolg zu verdanken. Unter der langjährigen Führung von CEO Jamie Dimon, der den Finanzmarkt regelmäßig mit seinen Einschätzungen in Atem hält, ist JP Morgan zur finanziell erfolgreichsten Bank des Planeten geworden.
In den zurückliegenden 12 Monaten erwirtschaftete der Konzern einen gigantischen Nettogewinn von 65,1 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie noch vor 10 Jahren. Selbst die Corona-Pandemie sorgte nur im Geschäftsjahr 2022 für einen zwischenzeitlichen Gewinneinbruch, der schon ein Jahr später wieder wettgemacht war. Das zeigt die hohe Qualität und Resilienz von JP Morgan.
Jahrelange Outperformance nähert sich ihrem Ende
Die hohe Erfolgskontinuität wissen Anlegerinnen und Anleger zu schätzen. Sie belohnten das Papier mit überdurchschnittlich hohen Kursgewinnen. Mit einer Gesamtrendite von +146,4 Prozent in 3 und +574,2 Prozent in 10 Jahren konnte JP Morgan den US-Gesamtmarktindex S&P 500 (+75,1 / +321,2 Prozent) deutlich outperformen. Auch gegenüber dem Rest der Branche hat die Bank deutlich die Nase vorne. Der vielbeachtete Branchen-ETF Financial Select Sector von State Street konnte in 3 Jahren nur 69,4 Prozent zulegen, womit der S&P 500 underperformt wurde.
Ungeachtet der in diesem Jahr zahlreichen Widrigkeiten sind der Aktie weitere Kursgewinne gelungen. Noch vor wenigen Wochen konnte JP Morgan so auf neue Rekordnotierungen klettern. Doch seit Anfang August geht es kontinuierlich bergab – die Gewinnmitnahmen könnten sowohl aus technischer wie auch aus fundamentaler Perspektive jedoch erst der Anfang viel größerer Verluste gewesen sein.
Chart trübt sich ein, Top-Bildung und Verkaufssignale
Aus technischer Perspektive waren die Anfang August erzielten Rekordnotierungen technisch unvollständig und damit nicht bestätigt. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist gegen den Trend der Aktie bereits seit Anfang Juni gesunken, während der Trendstärkeindikator MACD ein Plateau bildete. Damit konnte sich das Allzeithoch nicht als Kaufsignal durchsetzen, es kam stattdessen zu einem Abwärtstrend. Der verläuft aktuell in einem Trendkanal mit einer Breite von etwa 10 US-Dollar und hat aus Verkäufersicht erste Erfolge erzielt.
Erstens wurde die zuletzt steile Aufwärtstrendlinie unterschritten, gefolgt von der 50-Tage-Linie am Montag. Damit liegen erste Trendbrüche vor. Darüber hinaus steht der Trendstärkeindikator MACD kurz davor, nach der Signallinie auch unter die Nulllinie zu fallen, was den Abwärtstrend der Aktie als neuen, dauerhaften Trend bestätigen würde. Der Relative-Stärke-Index (RSI) zeigt die wachsende Schwäche der Anteile bereits an. Außerdem liegt eine Flaggenformation vor, die häufig am Ende von übergeordneten Aufwärtstrends steht. Damit wird eine Verstetigung des jüngsten Abwärtstrends jetzt immer wahrscheinlicher. Vor allem ein Bruch der Unterstützungen bei 340 und 320 US-Dollar würde erhebliches Abwärtspotenzial freisetzen, während nur ein technisch bestätigter Ausbruch auf neue Allzeithochs das bearishe Setup neutralisieren könnte.
Von hier aus kann es eigentlich nur noch bergab gehen
Die sich verschlechternden technischen Aussichten könnten schon bald von einer Eintrübung der Geschäftslage begleitet werden. Am Montag äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Bank of America, Brian Moynian, kritisch gegenüber der Umsatz- und Trading-Volumen-Entwicklung. Das führte zu einem branchenweiten Abverkauf und deutet darauf hin, dass die vorersten besten Zeit hier vorbei sind. Das könnte auch für die übrigen Geschäftsfelder innerhalb der Branche gelten.
Die immer höheren Realzinsen führen zu wachsender Vorsicht bei der Kreditvergabe, da die Ausfallrisiken steigen. Gerade im Zusammenhang mit der KI-Finanzierung, woran JP Morgan zuletzt sehr gut verdient hat, könnten die Erlöse stagnieren oder bei wachsenden Zweifeln an der Branche sogar fallen. Die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten sowie die Energiekrise könnten außerdem zu höheren Ausfallraten bei privaten Kundinnen und Kunden führen, denen gleichzeitig weniger Geld zum Sparen zur Verfügung steht, was auch das Wachstum im Vermögensverwaltungsgeschäft ausbremsen könnte. Damit wachsen die Risiken für die Geschäftsentwicklung, während das Chance-Risiko-Profil durch eine bereits hohe Unternehmensbewertung immer ungünstiger wird.
Unternehmensbewertung sorgt für große Fallhöhe
Mit Blick auf diese zeigt sich nach der in den vergangenen Jahren starken Kursentwicklung, die der Geschäftsentwicklung jedoch weit vorausgeeilt ist, erhebliches Abwärtspotenzial. Für 2026 steht ein KGVe von 14,5 zu Buche, das liegt nicht nur um 27,2 Prozent über dem Branchendurchschnitt von 11,4, sondern auch um 18,2 Prozent über dem 5-Jahres-Mittel von 12,3. Dazu kommt ein nicht länger attraktives Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG). Das liegt mit 1,43 sogar um 33,7 Prozent über dem Mittel der Konkurrenz.
Noch deutlicher sind die Aufschläge beim Buchwert. Inzwischen wird für die Aktie das 2,54-Fache des Bilanzwertes fällig, das liegt um 90,2 Prozent über dem Branchendurchschnitt. Gegenüber der historischen Norm von 1,82 beträgt der Aufschlag immerhin 39,7 Prozent. Auch nach der sogenannten Dividend-Yield-Theorie ist JP Morgan gegenwärtig deutlich überbewertet. Die Dividendenrendite liegt mit 1,7 Prozent um 27,6 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel. Zuletzt ist sie auf dem niedrigsten Stand seit 8 Jahren und damit am unteren Ende der historischen Range angelangt.
Wall Street wird skeptischer, nur noch begrenztes Potenzial
Entsprechend der fortgeschrittenen Unternehmensbewertung herrscht an der Wall Street Zurückhaltung gegenüber der weiteren Kursentwicklung. Das von Analystinnen und Analysten im Mittel veranschlagte Kursziel von 376,14 US-Dollar erlaubt gegenüber dem Schlusskurs vom Montag noch einen Anstieg von 7,4 Prozent und damit nur knapp über das bisher geltende Rekordhoch. Die zuversichtlichste Analystenstimme sieht den fairen Wert der Aktie zwar bei bis zu 452,00 US-Dollar, dem steht jedoch eine pessimistische Einschätzung mit 305,00 US-Dollar gegenüber.
Insgesamt ist der Konsens noch positiv. Bei 24 zur Aktie vorliegenden Einschätzungen kommt JP Morgan auf insgesamt 13 positive Empfehlung, davon 9 zum "Kaufen" und 4 zum "Übergewichten". Dem stehen 10 Bewertungen mit "Halten" sowie eine Verkaufsempfehlung gegenüber. Daraus ergibt sich insgesamt ein Votum zum "Übergewichten" der Aktie. In den vergangenen Monaten war eine leichte Zunahme neutraler Einschätzungen festzustellen.
JP Morgan auf einen Blick
- ISIN: US46625H1005
- Marktkapitalisierung: 930,7 Milliarden US-Dollar
- Dividendenrendite: 1,7 Prozent
- KGVe 2026: 14,5
- Durchschnittliche Analystenempfehlung: Übergewichten
- Fairer Wert (laut Konsens): 376,14 US-Dollar
- Aufwärtspotenzial: +7,4 Prozent
Die TrendFinder-Hebel-Idee
Die Sonderkonjunktur aus robustem Wirtschaftswachstum, IPO- und KI-Boom sowie sorgloser Kreditvergabe dürfte ihren Höhepunkt erreicht haben, während die Risiken durch steigende Delinquenz- und Ausfallraten sowie hohe Unternehmensschulden in einem ungünstigen Zinsumfeld zunehmen. Da die Aktie nach fundamentalen Kriterien gleichzeitig überbewertet ist, sollten Anlegerinnen und Anleger nicht nur aus JP Morgan aussteigen, es liegt auch eine aussichtsreiche Short-Chance vor, die gleichzeitig zur Depot-Absicherung genutzt werden kann.
Für hohe Ertragschancen zur Unterseite sorgt beispielsweise der Put-Optionsschein MR4JAG (gleichwertiger Ersatz: GU2J5K). Dieser ist mit einem Basispreis von 350,00 US-Dollar und einer Laufzeit bis zum Juni kommenden Jahres ausgestattet. Das sorgt einerseits für ausreichend viel Zeit, die Bärenthese sich entfalten zu lassen, sowie andererseits dafür, dass die Position zügig ins Geld läuft und an Sicherheit gewinnt. Der effektive Hebel (Omega) beträgt tagesaktuell 4,9. Daraus ergibt sich für einige beispielhafte Fälle folgendes Auszahlungsprofil:
Doch Vorsicht: Sollte die Aktie zum Laufzeitende unter 350,00 US-Dollar notieren, verfällt MR4JAG wertlos. Es besteht also Totalverlustgefahr! Daher sollte die Position vorzeitig verkauft und der Restwert gesichert werden, wenn die Aktie technisch überzeugend (und mindestens auf Wochenschlusskursbasis) auf neue Allzeithochs klettern sollte. Dann würden neue Kaufsignale die Bärenthese widerlegen. Auch bei länger seitwärts laufenden Kursen sollte die Position verkauft oder in einen Put-Optionsschein mit längerer Laufzeit gerollt werden.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
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