Daimler Truck: EU-Klimaziele könnten den Jahresgewinn vernichten
**Daimler Truck drohen Milliardenkosten durch EU-Klimaziele**
Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström warnt vor erheblichen finanziellen Folgen der europäischen Klimapolitik. Sollte der Nutzfahrzeughersteller die geltenden CO₂-Ziele verfehlen, könnten Strafzahlungen den Jahresgewinn der Sparte Mercedes-Benz Trucks vollständig aufzehren. Nach Rådströms Angaben würden pro Prozentpunkt Abweichung rund 120 Millionen Euro fällig. Bei einer Zielverfehlung von zehn Prozentpunkten summierte sich die Belastung damit auf etwa 1,2 Milliarden Euro – ungefähr so viel wie der weltweite Jahresgewinn der Lkw-Sparte.
Zwischen dem politischen Anspruch und der Marktrealität klafft derzeit eine große Lücke. Im ersten Halbjahr verfügten lediglich 1,4 Prozent der verkauften Daimler-Trucks über einen Elektroantrieb. Europaweit liegt der Anteil elektrischer Lastwagen unter fünf Prozent. Bis 2030 soll er jedoch auf 35 Prozent steigen. Rådström hält dieses Ziel unter den aktuellen Rahmenbedingungen für nicht erreichbar und fordert deshalb eine Verlängerung der Frist bis 2033. Eine Abschwächung der CO₂-Vorgaben lehnt sie nach eigener Aussage nicht ab – die Ziele selbst sollen bestehen bleiben.
Als größtes Hindernis gilt die fehlende Ladeinfrastruktur. Bis 2030 werden nach Einschätzung der Daimler-Truck-Chefin europaweit rund 35.000 öffentliche Schnellladepunkte für schwere Lkw benötigt. Derzeit gibt es weniger als 2.000. Zudem warten Kunden in einigen Regionen jahrelang auf Netzanschlüsse. Die Hersteller haben zwar bereits mehr als 60 Elektrolastwagen-Modelle auf dem Markt, doch Diesel-Lkw sind laut Handelsblatt in rund 70 Prozent der Fälle bei den Gesamtkosten weiterhin günstiger.
Auch die politischen Anreize fallen in Europa uneinheitlich aus. Nur 13 EU-Staaten unterscheiden bei der Maut zwischen Elektro- und Diesel-Lkw. In lediglich etwa der Hälfte dieser Länder sind die Vergünstigungen groß genug, um für Speditionen einen wirtschaftlichen Anreiz zu schaffen. Deutschland nimmt mit der vollständigen Mautbefreiung für E-Lkw eine vergleichsweise fortschrittliche Position ein.
Daimler Truck hat bereits Milliarden in elektrische Antriebe und den Umbau der Produktion investiert. Ergänzend setzt der Konzern auf Wasserstoff und plant nach Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro noch in diesem Jahr eine erste Kleinserie. Wasserstoff-Lkw sollen Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern ermöglichen.
An der Börse überwogen zuletzt die Sorgen: Die Aktie lag bei 43,92 Euro 0,75 Prozent im Minus. Zugleich bestätigte JPMorgan die Einstufung „Overweight“ und erwartet dank eines stärkeren Nordamerika-Geschäfts zweistellige Margen im dritten Quartal. Daimler Truck setzt zudem sein Aktienrückkaufprogramm fort: Bis Mitte September wurden Aktien im Wert von rund 300 Millionen Euro erworben; eine zweite Tranche über bis zu 1,1 Milliarden Euro soll folgen.
Die Daimler Truck Holding Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,47 % und einem Kurs von 43,48EUR auf Tradegate (18. September 2026, 22:25 Uhr) gehandelt.
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