Enapter vor dem Neustart: 190 Prozent Kurspotenzial – doch hohes Risiko
**Enapter setzt auf China und schlankere Strukturen – Aktie bleibt spekulativ**
Der Wasserstoff-Spezialist Enapter treibt seine strategische Neuausrichtung voran. Künftig will das Unternehmen stärker auf ein Asset-light-Modell und Produktionspartner in China setzen. Die Analysten von mwb research bewerten den Kurs grundsätzlich positiv und bestätigen ihre Einstufung „Spekulativ Kaufen“ sowie das Kursziel von 3,00 Euro. Ausgehend von einem Aktienkurs von 1,04 Euro ergibt sich daraus ein theoretisches Potenzial von knapp 190 Prozent. Zugleich bleibt die Visibilität auf die künftige Geschäftsentwicklung begrenzt.
Enapter hatte in den vergangenen Jahren unter dem Einbruch der Wasserstoff-Euphorie, Verzögerungen beim Produktionshochlauf, steigenden Kosten und operativen Problemen gelitten. Die Aktie fiel vom Rekordhoch von mehr als 49 Euro im November 2020 auf weniger als einen Euro Anfang August. Auf der Konferenz „Future of Energy“ erläuterte Vorstandschef Jürgen Laakmann die geplante Neuausrichtung. Im Mittelpunkt stehen eine flexiblere Organisation, eine schlankere Kostenbasis und eine stärkere Fertigungspräsenz in China.
Das Asset-light-Modell begründet Enapter nicht mit einer schwachen Nachfrage, sondern mit der schwer planbaren Umsetzung von Wasserstoffprojekten. Da zwischen Auftragseingang und Umsatzrealisierung erhebliche zeitliche Unsicherheiten bestehen, sollen Teile der Stack-Produktion und der Lieferkette ausgelagert werden. Forschung, elektrochemische Fertigung, Vertrieb und Service verbleiben hingegen im Unternehmen.
Für die Stack-Fertigung kooperiert Enapter mit dem chinesischen Hersteller Runqing. China biete tiefere Lieferketten, niedrigere Kosten und eine schnellere Marktentwicklung als Europa, argumentiert das Management. Die ersten 100 Stacks aus der neuen Fertigung seien bereits produziert worden; bis Jahresende sollen mehrere Tausend Einheiten folgen. Die firmeneigene AEM-Technologie kommt ohne das teure Edelmetall Iridium aus und soll dadurch modular und bis in den Multi-Megawatt-Bereich skalierbar sein.
Die vorläufigen Zahlen für das erste Halbjahr 2026 zeigen zwar Fortschritte beim Umsatz, aber weiterhin hohe Belastungen. Die Erlöse verdoppelten sich nahezu auf 10,8 Millionen Euro, während sich das bereinigte EBIT auf minus 8,7 Millionen Euro verbesserte. Das ausgewiesene EBIT lag wegen einer nicht zahlungswirksamen Wertminderung auf dem Enapter Campus in Saerbeck bei minus 28,5 Millionen Euro. Zusätzlich nimmt das Unternehmen im zweiten Halbjahr eine Wertberichtigung von rund 17 Millionen Euro auf Forderungen gegen den früheren US-Vertriebspartner Clean H2 vor.
Die Prognose für 2026 wurde aufgehoben. Eine aktualisierte Planung soll nach der angekündigten Kapitalerhöhung vorgelegt werden. Der Halbjahresbericht erscheint am 30. September.
Die Enapter Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -3,02 % und einem Kurs von 0,994EUR auf Tradegate (18. September 2026, 22:25 Uhr) gehandelt.
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