Wacker Chemie senkt Ziele deutlich – Aktie dreht ins Minus
**Wacker Chemie senkt mittelfristige Ambitionen – Aktie dreht ins Minus**
Wacker Chemie rückt von seinen bisherigen Mittelfristzielen ab. Angesichts der anhaltend schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verabschiedet sich der Spezialchemiekonzern von der im Jahr 2022 formulierten Perspektive, bis 2030 einen Umsatz von rund zehn Milliarden Euro zu erzielen. Auch beim operativen Ergebnis zeigt sich das Unternehmen vorsichtiger: Die operative Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll künftig nicht mehr über 20 Prozent, sondern lediglich etwa 15 Prozent erreichen. Ein konkretes Zieljahr nannte Vorstandschef Christian Hartel dafür nicht mehr.
Anlässlich des Kapitalmarkttags in London erklärte Wacker, das Geschäft solle künftig stärker wachsen als die globale Wirtschaft. Damit ersetzt der Konzern konkrete Finanzziele durch eine allgemeinere Wachstumsambition. Die frühere Zielsetzung war bereits vor zwei Jahren angepasst worden. Im Geschäftsbericht für 2025 hatte der Vorstand angesichts der veränderten weltwirtschaftlichen Lage eine erneute Überprüfung angekündigt.
Zusätzliche Unterstützung soll ein vor knapp einem Jahr gestartetes Sparprogramm liefern. Bis 2028 will Wacker die jährlichen Kosten um mehr als 300 Millionen Euro reduzieren. Gleichzeitig soll die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) künftig über zehn Prozent liegen. Der Konzern setzt damit stärker auf Effizienzsteigerungen und eine Verbesserung der Kapitalrendite, während konkrete Vorgaben für Umsatz und Profitabilität in den Hintergrund treten.
Die Reaktion der Börse fiel zunächst uneinheitlich aus. Vorbörslich legten die Aktien auf Tradegate zeitweise um 2,1 Prozent auf 90,55 Euro zu. Anleger spekulierten offenbar darauf, dass die Aussagen zum laufenden Geschäft die gesenkten Langfristziele ausgleichen könnten. Im weiteren Handelsverlauf drehten die Papiere jedoch ins Minus und verloren zuletzt 3,1 Prozent auf 85,95 Euro. Damit setzte sich die seit Anfang September bestehende Kursschwäche fort. Für das Jahr 2026 steht trotz des Rückgangs weiterhin ein überdurchschnittliches Kursplus von rund 24 Prozent zu Buche.
Analysten bewerteten insbesondere die kurzfristige Geschäftsentwicklung positiv. Marcus Dunford-Castro vom Analysehaus Jefferies erwartet, dass Wackers operatives Ergebnis im dritten Quartal über den Markterwartungen liegen könnte. Jefferies beließ die Einstufung dennoch auf „Hold“ und das Kursziel bei 93 Euro. JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi bezeichnete die neuen Pläne als weitgehend erwartungsgemäß. Enttäuschend sei allerdings, dass es beim Solar-Polysilizium keine wesentlichen strukturellen Neuerungen gebe. Auf längere Sicht fehlten nun klare Zeitpläne und überprüfbare Meilensteine.
Die Wacker Chemie Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,16 % und einem Kurs von 85,55EUR auf Tradegate (18. September 2026, 22:25 Uhr) gehandelt.
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