Die nächste Eurokrise?
Wahlschlappe, Zinspoker, Frankreich-Angst: Der DAX lacht drüber
Trotz Wahldebakel für die Union klettert der DAX. Gleichzeitig kracht der Ölpreis, Japan zieht die Zinsen kräftig an und Frankreich rutscht tiefer in die Krise. Was das für Anlegerinnen und Anleger bedeutet.
- DAX steigt trotz Wahlschlappe der Union weiter
- Sinkende Ölpreise und Zinsfantasie stützen Aktien
- Japan hebt Zinsen an, Frankreich gerät unter Druck
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Der DAX hat sich am Montag von der Wahlschlappe der Union unbeeindruckt gezeigt und mit 25.433 Punkten ein Plus von 0,80 Prozent verbucht, deutlich mehr als die von IG am Morgen erwartete Marke von 25.418 Punkten. Gleich mehrere Entwicklungen sorgten für die gute Stimmung an den Märkten, von der Zinspolitik in Asien über fallende Ölpreise bis hin zu einer überraschend optimistischen Konjunkturprognose.
Wahlschlappe für die Union
Die jüngsten Landtagswahlen hatten durchaus Sprengkraft für die politische Landschaft: In Mecklenburg-Vorpommern verlor die CDU ihre Regierungsbeteiligung, während die Linke in Berlin deutlich zulegte. Deren wohnungspolitische Positionen belasteten prompt die Aktien von Vonovia und Deutsche Wohnen. Thomas Altmann von QC Partners ordnete die Reaktion an den Börsen folgendermaßen ein: Das internationale Interesse an deutschen Landtagswahlen bleibe zwar noch begrenzt, wachse aber spürbar, so der Marktanalyst.
Konjunktur mit Rückenwind
Für Auftrieb sorgte derweil eine positive Wendung bei den Wachstumsaussichten: Das Institut der deutschen Wirtschaft verdreifachte seine Prognose für das kommende Jahr auf ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Gleichzeitig rechnen die Ökonomen mit einer Inflation von gut 2,5 Prozent, was die Erwartung stützt, dass die Europäische Zentralbank ihren Kurs nicht verschärfen muss.
Asiens Börsen im Aufwind
Auch aus Asien kamen positive Signale. Die Börsen der Region zogen an, getrieben von der anhaltend starken Nachfrage nach Chips für künstliche Intelligenz. Der koreanische Kospi, die taiwanesische Börse, der MSCI Asia-Pacific ex Japan und der chinesische CSI 300 legten allesamt zu. Auch die Nikkei-Futures und die Terminkontrakte an den westlichen Börsen drehten im Zuge dessen ins Plus, was die insgesamt gute Risikostimmung am Montag zusätzlich befeuerte.
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Ölpreise auf Talfahrt
Einen weiteren Schub lieferte der Ölmarkt: Sowohl die Nordsee-Sorte Brent als auch die amerikanische Sorte WTI verbilligten sich spürbar, nachdem sich die geopolitische Lage rund um Iran, die Huthi-Miliz, den saudischen Ölkonzern Saudi Aramco und die Straße von Hormuz zuletzt entspannt hatte, wie es in einer Analyse von JPMorgan hieß. Tim Waterer von KCM Trade und Thomas Altmann verwiesen unabhängig voneinander auf dieselbe Kausalkette hinter der Kursreaktion: Sinkende Ölpreise dämpften die Inflationserwartungen, das wiederum stütze die Aussicht auf niedrigere Zinsen und treibe auf diesem Weg die Aktienkurse an.
Yen, Fed und die globale Zinswende
Zinsfantasie lieferte auch Asien direkt: Die japanische Notenbank hob ihren Leitzins um 1,25 Prozentpunkte auf den höchsten Stand seit 31 Jahren an, was dem Yen laut Fred Neumann von HSBC deutlichen Auftrieb gab. Parallel dazu wird auch bei der amerikanischen Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank mit weiteren Zinsschritten gerechnet.
Das FedWatch-Tool der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange sieht die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Oktober inzwischen bei 55 Prozent, in der Vorwoche waren es noch 42,5 Prozent. Der Dollar-Index gab entsprechend nach. Thomas Simons von Jefferies brachte den Euro zusätzlich mit dem Erstarken der AfD bei den jüngsten Landtagswahlen in Verbindung.
Frankreich gerät unter Druck
Weniger rosig fiel der Blick nach Frankreich aus: Die Ratingagentur DBRS Morningstar senkte ihren Ausblick für die französische Kreditwürdigkeit, woraufhin die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen anzogen. Thomas Altmann erinnerte dabei an die Eurokrise der Jahre 2011 und 2012, auch wenn die aktuelle Lage seiner Einschätzung nach noch nicht mit jener Zeit vergleichbar sei.
Anlegerinnen und Anleger dürften die Gemengelage aus Zinsfantasie, sinkenden Ölpreisen und politischen Risiken in den kommenden Tagen weiter genau verfolgen.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion

