Der Job-Kampf eskaliert
VW fällt auf 1 % Marge – jetzt gehen Zehntausende auf die Straße
Bei VW brechen die Margen weg, bei Porsche könnten weitere 4.100 Jobs verschwinden – und jetzt tragen Zehntausende Beschäftigte den Konflikt auf die Straße.
- VW senkt Margenziel auf nur bis zu ein Prozent
- Porsche erwägt den Abbau von 4.100 weiteren Stellen
- Zehntausende protestieren gegen Arbeitsplatzabbau
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Volkswagen rutscht tiefer in die Krise. Der Konzern erwartet für 2026 nur noch eine operative Umsatzrendite von bis zu 1 Prozent – zuvor waren 4 bis 5,5 Prozent angepeilt worden. Analysten hatten im Schnitt 4,1 Prozent erwartet. Insgesamt sollen Sondereffekte das operative Ergebnis um rund 10 Milliarden Euro belasten. Die VW-Aktie verlor nach der Gewinnwarnung am späten Freitagnachmittag 5,6 Prozent und war damit der schwächste Wert im DAX.
Der größte Brocken ist eine außerplanmäßige Abschreibung von rund 6 Milliarden Euro auf den Goodwill der Porsche AG. Hinzu kommen etwa 2 Milliarden Euro für Restrukturierungen und Wertberichtigungen, unter anderem in China. Bereits im ersten Halbjahr waren 900 Millionen Euro an Belastungen verbucht worden. Bereinigt um die Sondereffekte läge die operative Umsatzrendite laut Volkswagen bei rund 4 Prozent.
Beim Umsatz erwartet VW für 2026 rund 315 Milliarden Euro nach 321,9 Milliarden Euro im Vorjahr. Der wichtige Netto-Cashflow der Autosparte soll trotz der Gewinnwarnung weiter zwischen 3 und 6 Milliarden Euro liegen, die Netto-Liquidität unverändert bei 32 bis 34 Milliarden Euro. Genau darauf verwies JPMorgan-Analyst Jose M Asumendi und beließ Volkswagen auf "Neutral" mit einem Kursziel von 110 Euro. RBC blieb bei "Outperform" und 120 Euro.
Der Umbau könnte zugleich noch tiefer in die Belegschaft schneiden. Nach einem Bericht des Handelsblatts erwägt Porsche zusätzlich 4.100 Stellen zu streichen. Die Kürzungen kämen zu den bereits vereinbarten 5.000 Stellen hinzu, die bis 2035 wegfallen sollen. Hintergrund sei eine Lücke bei den Gemeinkosten von rund 700 Millionen Euro.
Der Druck wird schon am Montag sichtbar. Zehntausende Beschäftigte von Volkswagen, Porsche, Audi, BMW, Mercedes-Benz und großen Zulieferern wollen sich bundesweit an mehr als 280 Protestveranstaltungen beteiligen. Die IG Metall fordert den Erhalt von Werken und Arbeitsplätzen. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie eine Schlüsselindustrie Schritt für Schritt ausgehöhlt wird", zitiert Bloomberg Thorsten Gröger von der IG Metall.
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Die Dimension reicht weit über VW hinaus. Nach Angaben des Branchenverbands VDA hat die deutsche Autoindustrie seit 2019 rund 100.000 Stellen abgebaut. Allein bei Zulieferern gingen zwischen 2019 und 2025 rund 74.000 Arbeitsplätze verloren. Gleichzeitig gewinnen chinesische Hersteller in Europa Marktanteile, während deutsche Autobauer mit hohen Kosten, Elektromobilität und schwächerem China-Geschäft kämpfen.
VW-Finanzchef Arno Antlitz brachte den Druck nach der Gewinnwarnung laut Bloomberg so auf den Punkt: "Die Marktveränderungen sind tiefgreifend und nachhaltig." Und: "Wir haben keine Zeit zu verlieren."
Für Anleger richten sich die nächsten Blicke nun auf den 5. Oktober bei Volkswagen und den Porsche-Kapitalmarkttag am 7. Oktober. Dort dürfte sich zeigen, wie tief der Umbau noch geht – und ob die Marge nach dem Absturz auf 1 Prozent wieder glaubwürdig nach oben kommen kann.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

