Starke Earnings-Season
Wall-Street-Rallye? Goldman ruft S&P-500-Ziel von 8.700 aus
Der Gewinn je Aktie im S&P 500 sprang im zweiten Quartal um 51 Prozent. Goldman Sachs sieht dennoch keine Blase, warnt jedoch vor Sondereffekten bei KI, Chips und Beteiligungen und peilt in zwölf Monaten 8.700 Punkte an.
- S&P-500-Gewinne steigen um 51 Prozent im Quartal
- Goldman sieht keine Blase, warnt vor Sondereffekten
- S&P 500 soll in zwölf Monaten 8.700 Punkte sehen
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Die Gewinne der US-Konzerne sind zuletzt regelrecht explodiert. Im zweiten Quartal legte der Gewinn je Aktie im S&P 500 um 51 Prozent zu, über die vergangenen vier Quartale waren es 26 Prozent. Im Schnitt der letzten 30 Jahre liegt dieser Wert bei 7 Prozent. Das zeigt eine Analyse der Investmentbank Goldman Sachs.
Schneller wuchsen die Ergebnisse nur in den Erholungsphasen 2010 und 2021. Entsprechend groß ist die Sorge vor einer Gewinnblase. Die Strategen von Goldman halten dagegen: Die Unternehmen verdienen zwar außergewöhnlich viel, eine Blase sehen sie aber nicht.
Ihr Basisszenario ist eine Abkühlung statt eines Absturzes. Für 2027 rechnen sie mit einem Gewinnplus von 11 Prozent auf 415 US-Dollar je Aktie, 2028 sollen es weitere 11 Prozent auf 460 Dollar sein.
Das KGV auf Basis der erwarteten Gewinne liegt bei 19 und damit exakt auf dem Zehnjahresschnitt, vor einem Jahr waren es noch 23. Das konjunkturbereinigte KGV von 39 zählt dagegen zu den höchsten Werten überhaupt, bleibt aber unter den Extremen der Jahre 1999 und 2000.
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Drei Sondereffekte treiben die Zahlen derzeit. Erstens die KI-Investitionen: Sie erklären fast die Hälfte des Gewinnwachstums in diesem Jahr. Die großen Hyperscaler geben rund 800 Milliarden US-Dollar für Anlagen aus, 94 Prozent mehr als 2025. Der Rückenwind von elf Prozentpunkten schwächt sich jedoch ab, weil wachsende Abschreibungen bremsen. 2028 dürfte aus dem Schub sogar ein kleiner Dämpfer werden.
Zweitens die Chipbranche: Die Bruttomargen liegen bei rund 70 Prozent. Fielen sie auf den 15-Jahres-Schnitt von 55 Prozent, würden die Index-Gewinne um etwa zehn Prozent sinken.
Drittens Buchgewinne aus Beteiligungen: Die Tech-Schwergewichte verbuchten im zweiten Quartal mehr als 150 Milliarden US-Dollar sonstige Erträge, das entsprach zwölf Prozent der Index-Gewinne. 2027 dürfte dieser Effekt weitgehend verschwinden. Ohne ihn läge das Wachstum im kommenden Jahr bei 18 Prozent.
Für den Index bleiben die Analysten zuversichtlich. In zwölf Monaten erwarten sie 8.700 Punkte, ein Plus von 14 Prozent. Nach drei Monaten sehen sie 8.000, nach sechs Monaten 8.300 Zähler. Den Anstieg sollen die Gewinne tragen, nicht höhere Bewertungen.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

