Das Angstbarometer schläft
So tief könnten US-Aktien kurzfristig fallen
Morgan-Stanley-Stratege Michael Wilson warnt vor einem deutlichen Rücksetzer beim S&P 500. Er nennt ein klares Abwärtsziel – und sieht danach wieder Chancen.
- Wilson warnt vor bis zu sieben Prozent Rückgang
- S&P 500 könnte zunächst auf 7.100 Punkte fallen
- Wilson erwartet danach eine Erholung bis 8.000
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Morgan-Stanley-Stratege Michael Wilson warnt vor einem kurzfristigen Rückschlag beim S&P 500 von bis zu 7 Prozent. Sollten Energiepreise und Anleiherenditen weiter steigen, könnte der Index seiner Einschätzung nach zunächst bis auf 7.100 Punkte fallen. "Sollte sich die Bewertungskorrektur aufgrund einer weiteren Straffung der finanziellen Rahmenbedingungen und/oder deutlich höherer Energiepreise kurzfristig verschärfen, könnte der S&P 500 unserer Einschätzung nach bis auf 7.100 Punkte fallen, bevor sich der Bullenmarkt bis zum Jahresende wieder erholt", schrieb Wilson am Montag in einer Mitteilung.
Der Gegenwind ist deutlich größer geworden. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt rund um die Marke von 5 Prozent, während Öl trotz des jüngsten Rückgangs deutlich über dem Juli-Tief notiert. Gleichzeitig hat die US-Notenbank erstmals seit drei Jahren wieder die Zinsen angehoben. Höhere Renditen verteuern Kredite und drücken auf Aktienbewertungen – besonders bei hoch bewerteten Wachstumswerten.
Bemerkenswert ist, wie gelassen der Markt bislang reagiert. Der S&P 500 liegt nur rund 2 Prozent unter seinem Rekordhoch und hat seit Anfang Juni keinen Handelstag mehr mit einer Bewegung von mindestens 2 Prozent erlebt. Auch der VIX, das sogenannte Angstbarometer der Wall Street, lag zuletzt mit 14,81 nur knapp über seinem Jahrestief.
Die Erklärung liegt vor allem in den Unternehmensgewinnen. Eine der stärksten Berichtssaisons seit Beginn der Aufzeichnungen hat bislang verhindert, dass höhere Zinsen und Ölpreise stärkeren Schaden anrichten. Genau deshalb bleibt Wilson trotz seiner kurzfristigen Warnung grundsätzlich bullish. Nach einem möglichen Rückgang auf 7.100 Punkte erwartet er bis zum Jahresende eine Erholung auf 8.000 Punkte – knapp 5 Prozent über dem aktuellen Niveau.
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Nicht alle Strategen teilen Wilsons kurzfristige Skepsis. JPMorgan und Goldman Sachs setzen weiter auf solide Unternehmensgewinne, während die Bank of America vor einer zu bullishen Positionierung
der Anleger warnt.
Die ungewöhnliche Ruhe könnte damit trügerisch sein: Öl, Renditen und Zinsen drücken gleichzeitig, während die Kurse weiterhin nahe an Rekorden stehen. Wilson rechnet deshalb zunächst mit mehr Schwankungen – hält einen stärkeren Rücksetzer aber eher für eine Zwischenstation als für das Ende des Bullenmarkts.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

