Kampf um die KI-Krone
OpenAI legt vor – und Anthropic plant offenbar den nächsten Coup
Anthropic gerät durch OpenAIs neues KI-Modell unter Druck. Nun prüft der Konzern offenbar einen neuen Gegenschlag – ausgerechnet vor dem geplanten Börsengang.
- Anthropic prüft neues KI-Modell gegen OpenAI
- Sicherheitsbedenken bremsen Anthropics Modellstart
- Börsengang und Konkurrenz erhöhen den Finanzdruck
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Anthropic erwägt die Veröffentlichung eines neuen KI-Modells. Damit könnte der ChatGPT-Konkurrent auf den Erfolg von OpenAIs neuestem Modell GPT-6 Astra reagieren. Gleichzeitig steht Anthropic vor einem möglichen Börsengang.
Wie Reuters von drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr, prüft das Unternehmen derzeit einen möglichen Start. Dabei spielt auch die Sicherheit des neuen Modells eine Rolle.
Zwischen Sicherheitskurs und Konkurrenzdruck
Der mögliche Start kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Anthropic-Chef Dario Amodei hatte erst am 12. September für ein langsameres Tempo bei der Entwicklung leistungsfähiger KI geworben. "Wir müssen das Tempo verlangsamen, mit dem wir die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern", schrieb er in einem Essay.
We Must Pace the Frontier: I’ve written a new essay on why the AI industry should slow down, with a three-part plan for doing so.
— Dario Amodei (@DarioAmodei) September 12, 2026
Anthropic is unilaterally committing to the first of these steps. We’ll provide third-party evaluators with permanent, employee-level access to our…
Amodei warnte darin vor einer Zukunft, in der Schwärme von KI-Agenten das Internet übernehmen und die Kontrolle des Menschen überholen könnten. OpenAI-Chef Sam Altman und SpaceX-Chef Elon Musk unterstützten seine Forderung.
Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck. OpenAI veröffentlichte GPT-6 Astra am 3. September. Das Modell soll unter anderem bei Computernutzung, Softwareentwicklung, Cybersicherheit und professionellen Aufgaben Fortschritte bieten.
OpenAI holt bei Unternehmen auf
Die neue KI kommt bei Geschäftskunden offenbar gut an. Nach Daten der Firmenausgaben-Plattform Ramp entfielen zuletzt rund 13 Prozent der erfassten Ausgaben für Enterprise-KI auf Astra. Anthropics Claude Fable kam auf rund 8 Prozent.
Auch auf der Entwicklerplattform OpenRouter lag OpenAI zuletzt erstmals seit mehr als 2,5 Jahren vor Anthropic. Investoren beobachten deshalb genau, ob OpenAI Anthropic Marktanteile bei Unternehmenskunden abnehmen kann.
Anthropic verfügt allerdings weiterhin über einen deutlichen Umsatzvorsprung. Der annualisierte Umsatz lag Ende Juli bei mehr als 65 Milliarden US-Dollar. Ende 2025 waren es noch rund 9 Milliarden US-Dollar. OpenAI kam im Juli auf mehr als 40 Milliarden US-Dollar.
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Börsengang erhöht den Druck
Für Anthropic geht es deshalb nicht nur um den Wettlauf mit OpenAI. Das Unternehmen muss zugleich entscheiden, wie viel Geld es in neue Modelle investiert und wie schnell es profitabler werden kann. Steigende Zinsen erhöhen laut Reuters den Druck auf die KI-Konzerne, früher nachhaltige Cashflows zu erzielen.
Eine weitere Herausforderung sind Open-Source- und Open-Weight-Modelle. Sie könnten die Kosten für KI-Anwendungen senken und Unternehmen unabhängiger von Anbietern wie Anthropic und OpenAI machen.
Auch der geplante Börsengang bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Reuters zufolge könnte Anthropic die Erstnotierung auf einen Zeitpunkt nach den US-Zwischenwahlen im November verschieben. Ursprünglich war eine Vermarktung des Börsengangs frühestens ab Mitte Oktober erwartet worden.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

