Aktie startet wieder durch
ams-Osram Aktie explodiert zum Wochenstart: Wird KI jetzt zum Wachstumsmotor?
ams-Osram startet mit einem zweistelligen Kurssprung in die Woche. Eine neue KI-Technologie begeistert UBS, Jefferies und die Anleger. Bietet die Aktei noch Luft nach oben?
- ams-Osram meldet KI-Fortschritte mit microVCSELs
- UBS und Jefferies sehen großes Kurspotenzial
- Serienaufträge fehlen trotz starkem Kurssprung noch
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Die KI-Fantasie bei ams-Osram bekommt neue Nahrung. Der Halbleiterhersteller hat zum Wochenstart eine neue Dünnschicht-microVCSEL-Plattform für optische Datenverbindungen in KI-Rechenzentren vorgestellt. Anleger reagierten euphorisch: Die Aktie gewann am Montag zeitweise rund 20 Prozent auf mehr als 20 Franken. Seit Ende 2025 hat sich ihr Wert damit ungefähr verzweieinhalbfacht.
Hinter dem Kurssprung steckt ein Problem, das mit immer größeren KI-Clustern zunehmend wichtiger wird: Nicht nur die Prozessoren benötigen enorme Rechenleistung. Auch zwischen GPUs, Speichern und Server-Racks müssen immer größere Datenmengen möglichst schnell und stromsparend bewegt werden.
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Der nächste KI-Baustein ist da
ams-Osram setzt dafür auf sogenannte "Wide-and-Slow"-Architekturen. Statt wenige optische Verbindungen mit extrem hohen Geschwindigkeiten zu betreiben, werden die Daten auf zahlreiche parallele Kanäle verteilt.
Die neue Plattform arbeitet mit Dünnschicht-microVCSELs im 850-Nanometer-Bereich. Der Konzern hat nach eigenen Angaben einen fehlerfreien Betrieb mit 32 Gbit/s bei einer Energieeffizienz von rund 0,25 Picojoule pro Bit erreicht. Die microVCSEL-Arrays besitzen einen Pitch von nur 25 Mikrometern und werden mit Silizium-TSV-Substraten kombiniert.
Auch bei der Zuverlässigkeit meldet der Konzern Fortschritte: In Belastungstests liefen die Bauteile mehr als 2.000 Stunden unter erhöhter Temperatur und Strombelastung ohne Ausfall.
Aus der Technologie muss jetzt Geschäft werden
Mindestens ebenso wichtig wie die reinen Leistungsdaten ist deshalb die Zusammenarbeit mit BizLink. Auf der derzeit laufenden Fachmesse ECOC 2026 in Málaga präsentieren beide Unternehmen einen Demonstrator, der die microVCSEL-Arrays mit einer Multicore-Faserlösung verbindet.
Genau hier sieht auch die UBS einen wichtigen Fortschritt. Nach Einschätzung der Analysten zeigt der Ausbau des Ökosystems für Micro-Array-Verbindungen, dass ams-Osram auf dem Weg zur Kommerzialisierung vorankommt. Gerade die Glasfaseranbindung gilt als eine der zentralen Herausforderungen. Der neue VCSEL-Ansatz eröffnet gleichzeitig eine zweite technologische Route neben MicroLED.
Das ist für Anleger entscheidend. Denn der österreichische Halbleiterkonzern setzt nicht alles auf eine Karte. Er entwickelt sowohl MicroLEDs als auch microVCSELs für optische Verbindungen innerhalb immer leistungsfähigerer KI-Systeme.
Jefferies sieht enormes Potenzial
Besonders optimistisch äußert sich Jefferies. Nach Einschätzung der Analysten bietet ams-Osram derzeit das größte Aufwärtspotenzial im von ihnen beobachteten globalen Halbleitersektor.
Der Hintergrund: Die Branche sucht nach stromsparenden Alternativen zu den derzeit eingesetzten Indiumphosphid-Lasern. Welche Technologie sich langfristig durchsetzen wird, ist allerdings noch offen.
Genau darin könnte die Stärke von ams-Osram liegen.
Durch das parallele Angebot von MicroLED und microVCSEL sieht Jefferies das Unternehmen gut positioniert, um von neuen Scale-in-, Scale-up- und Scale-out-Anwendungen zu profitieren – unabhängig davon, welcher Ansatz letztlich den größeren Marktanteil erreicht.
Auch personell unterstreich die Österreicher ihre Ambitionen. Auf der ECOC ist neben CEO Aldo Kamper nach Angaben von Jefferies auch ein neuer Mitarbeiter vertreten, den das Unternehmen von Nvidia abgeworben hat.
Der entscheidende Beweis fehlt noch
So überzeugend die technische Entwicklung klingt: Der kräftige Kursanstieg vom Montag sollte nicht mit einem kommerziellen Durchbruch verwechselt werden. ams-Osram hat bislang keinen konkreten Serienstart, keine Kundenaufträge und keine Umsatz- oder Ergebnisprognose für die neue microVCSEL-Plattform genannt.
Der Fortschritt besteht zunächst aus technischen Leistungsdaten, Zuverlässigkeitstests, Partnerkooperationen und einem funktionierenden Demonstrator.
Damit steigen die Chancen, dass die Technologie künftig kommerziell eingesetzt werden kann. Ob daraus allerdings ein bedeutendes neues Geschäft entsteht, hängt von Kundenqualifizierung, Produktionsskalierung und konkreten Aufträgen ab.
Gerade nach dem starken Wochenauftakt ist diese Unterscheidung wichtig. Die Aktie hat bereits einen erheblichen Teil der künftigen Hoffnung eingepreist und nähert sich wieder ihrem bisherigen Jahreshoch von 23,85 Franken vom 26. Mai 2026.
Mein Tipp: Rücksetzer könnte neue Chance bieten
Der Kurssprung zum Wochenstart zeigt, wie groß die Erwartungen der Anleger an das neue KI-Geschäft inzwischen sind. Und die Story bekommt tatsächlich mehr Substanz: Nach MicroLED, einem Entwicklungsprojekt mit einem großen Partner aus dem AI-Photonics-Ökosystem und nun microVCSEL plus BizLink entsteht Schritt für Schritt eine breitere Technologieplattform für KI-Rechenzentren.
Besonders interessant ist die technologische Doppelstrategie. Sollte sich MicroLED durchsetzen, ist ams Osram dabei. Gewinnen microVCSELs an Bedeutung, besitzt der Konzern ebenfalls eine eigene Lösung. Noch fehlt allerdings der wichtigste Beweis: Serienaufträge und daraus resultierende Umsätze.
Nach dem zweistelligen Kurssprung vom Montag müssen Anleger deshalb nicht jedem Kurs hinterherlaufen. Ein Rücksetzer in Richtung 20 Euro könnte eine neue Einstiegsgelegenheit eröffnen, sofern sich die KI-Photonics-Story weiter bestätigt. Neue Aussagen von Kunden und Partnern rund um die ECOC könnten nun zum nächsten wichtigen Kurstreiber werden.
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Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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