Kartoffelpreise heben ab
Kartoffel-Schock: Preise explodieren – aber die Börse hat den Future abgeschafft
Wie funktioniert Preisbildung bei einem Rohstoff, wenn Ernteausfälle die Preise treiben, aber der Terminmarkt als Absicherungsinstrument verschwindet?
- Hitzespitzen führen europaweit zu kleineren Ernten
- Schwache Ernten lassen Kartoffelpreise stark steigen
- Das Ende des Terminmarkts erschwert die Absicherung
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Besorgte Bauern und nicht nur in deutschen Landen. Die laufende Kartoffelernte droht in diesem Jahr europaweit mager auszufallen. Darauf wies jüngst die Vereinigung der nordwesteuropäischen Kartoffelanbauern NEPG hin.
Der Grund: die Hitzespitzen während des Sommers. Wenn auch die wärmste Jahreszeit nicht beständig für gutes Wetter sorgte, so waren es vor allen Dingen die Hitzespitzen in diesem Jahr, die der Kartoffelpflanze zugesetzt haben. Diese reagiert empfindlich bereits ab Temperaturen von über 30 °C. Im Schnitt gab es rund 22 Sommertage mit über 30 °C und rund fünf sehr heiße Tage mit mindestens 35 °C. Das war 2025 noch anders gewesen, mit durchschnittlich 11,1 heißen Tagen.
Magere Kartoffelernte erwartet
Entsprechend gut fiel auch die Kartoffelernte 2025 aus: Deutschland hatte mit 13,9 Millionen Tonnen eine sehr ertragreiche Kartoffelernte; im Vergleich zum Vorjahr 2024 schloss die Ernte mit einem Plus von gut 9 Prozent ab. Und gegenüber dem Mittel der Jahre 2019 bis 2024 lag die 2025er-Ernte sogar mit einem Plus von gut 21 Prozent vorne, wie aus Erhebungen des Bundesministerium für Landwirtschaft hervorgeht. Nur zwei Jahre toppten diese Ernte, 2014 und 2017.
Nun verweisen die Bauern auf ein unterdurchschnittliches Erntejahr. Die AMI (Agrarmarkt Informations-Gesellschaft) schätzt die deutsche Kartoffelernte bereits Ende August auf nur rund 10,6 Mllionen Tonnen. Das ist besser, als letztlich die Ernte 2018 mit 8,9 Millionen Tonnen.
Auch auf europäischer Ebene sieht es ähnlich aus: Die ECIU (Energy and Climate Intelligence Unit) kommt für Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden zu dem Schluss, dass rund 3,1 Milionen Tonnen weniger Kartoffeln als im Fünfjahresdurchschnitt geerntet werden. Die vier Länder hatten 2025 zusammen rund 27,3 Millionen Tonnen produziert; für 2026 wird nur noch eine Größenordnung von 19,5 bis 20,5 Mliionen Tonnen erwartet.
Kartoffelpreise steigen
Die schwache Ernete zieht nicht spurlos an den Kartoffelpreisen vorüber. In Hessen beispielsweise lag der Erzeugerpreis für festkochende konventionelle Kartoffeln am 8. September bei durchschnittlich 37 Euro je 100 kg, wie der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen ermittelt hat. Ein Jahr zuvor waren es gerade einmal 17,25 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund 114 Prozent.
Auch in Rheinland-Pfalz lagen die Erzeugerpreise Mitte September bei 32 bis 35 Euro je 100 kg und damit auf hohem Niveau stabil, wie die Landwitschaftskammer Rheinland-Pfalz feststellt.
Die Preise bei Verarbeitungskartoffeln, also beispielsweise für Pommes, sind in Europa geradezu explodiert: Laut Recherchen der Financial Times werden neue Verarbeitungskartoffeln in Teilen Europas inzwischen mit bis zu 250 Euro je Tonne gehandelt, vor einem Jahr waren es etwa 30 Euro. Das entspricht einem Preisanstieg von rund 730 Prozent.
Kein europäischer Terminmarkt mehr für Kartoffelpreise
Hinzu kommt, dass am 04. Juni 2026 der Terminhandel für Verarbeitungskartoffeln eingestellt wurde, ausgerechnet vor einem Jahr mit schwacher Kartoffelernte. Der letzte Preis des Juni-Kontrakts lag bei lediglich bei 1,40 Euro je 100 kg beziehungsweise 14 Euro je Tonne. Der Kartoffel-Future wurde mangels Liquidität an EEX in Leipzig geschlossen, weil niemand oder zu wenige mit ihm handelten. Jetzt fehlt ein Future, mit denen sich Unternehmen gegen die hohen Preise hätten absichern können.
Ein Beipsiel: Der Pommes-Hersteller weiß heute: Ich brauche in sechs Monaten 10.000 Tonnen Kartoffeln. Wenn er einen liquiden Future hätte, könnte er sich einen Preis sichern. Genauso gut könnte ein Landwirt sagen: Ich werde in sechs Monaten 1.000 Tonnen Kartoffeln haben und könnte versuchen, sich den Verkaufspreis abzusichern.
Die Teuerung bei der Verarbeitungskartoffel hat Folgen für die gesamte Verarbeitungskette der Lebensmittelindustrie, als da wären Pommes, Chips, Tiefkühlprodukte, Stärke und Convenience Food.
Ein Hoffnungsschimmer besteht dennoch: durch die gute Ernte 2025 sind die Lagerbestände verhältnismäßig hoch. Experten denken, dass diese Bestände noch bis Weihnachten dieses Jahr ausreichen, um den Markt zu versorgen. Verbraucher hingegen, sollten sich jetzt schon auf höhere Preis einstellen.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion


