"Nur eine halbe Tasse Reis"
Leere Waffenlager: Droht den USA das Schicksal Roms?
Die Iran-Blockade bindet mehr als 30 Prozent der US-Kriegsschiffe, die Raketenbestände schwinden. Berichte enthüllen katastrophale Zustände an Bord von Flugzeugträgern und Behörden räumen erstmals Munitionsknappheit ein.
Donald Trump will den Iran mit einer Seeblockade in die Knie zwingen. Doch die Operation entwickelt sich für die USA zu einem militärischen Verschleißtest und schwächt sie dort, wo ihr größter Rivale China wartet.
Seit dem Flottenaufmarsch im Januar belaufen sich die Betriebskosten für Schiffe und Trägergeschwader laut Bloomberg Economics auf mehr als 7,1 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 2,0 Milliarden US-Dollar auf die zweite Blockade vom 14. Juli bis zum 15. September. Aktuell sind rund 22 Schiffe und mehr als 30 Prozent der Kriegsschiffe der US Navy gebunden. Pro Tag fallen etwa 32,5 Millionen US-Dollar an Kosten an.
Für einen medialen Aufschrei hatten zudem Berichte über schwere Missstände auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln gesorgt. Demnach hätten Matrosen Monate lang kein Landgang gehabt, die
Lebensmittel seien zu knapp gewesen und zudem habe es Probleme mit Duschen, Wäscherei und Toilettenanlagen gegeben. Die Moral sei am Boden gewesen.
Nicole Conrads, deren Sohn auf der "USS Abraham Lincoln" dient, schilderte der Tagesschau beispielsweise: "Lebensmittel waren offenbar knapp. Er hat mir erzählt, dass er zeitweise nur eine
halbe Tasse Reis und zwei Tortillas bekommen hat."
Der Iran-Krieg ist für die USA teuer. Sehr teuer: Das Congressional Budget Office (CBO) bezifferte die Kosten bis zum 1. August auf rund 38 Milliarden US-Dollar. Selbst bei geringer
Intensität könnten monatlich zwei bis drei weitere Milliarden US-Dollar hinzukommen. Zum Vergleich: Der gesamte zweite Golfkrieg (1990-1991) hatte "nur" 60 Milliarden US-Dollar gekostet, von denen
die USA sechs Milliarden gezahlt hatten. Der Rest war durch Verbündete gezahlt worden.
Alarm im Raketenlager: US-Behörde räumt Munitionsknappheit ein
Besonders heikel ist der Munitionsverbrauch. Laut Schätzungen des CBO haben die USA seit Juni 2025 womöglich bis zu zwei Drittel ihrer Abfangraketen für die Raketenabwehr eingesetzt.
"Dieser Mangel würde sich besonders problematisch erweisen, sollte es zu einem Konflikt mit einem Gegner kommen, dessen Arsenal eine große Anzahl ballistischer Raketen und Marschflugkörper umfasst", zitiert der US-Nachrichtensender Bloomberg das CBO.
Während US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social unverdrossen von "praktisch unbegrenzten" Munitionsvorräten der Streitkräfte spricht, offenbart ein offizieller Pflichtbericht an den Kongress die ungeschminkte Realität des Iran-Kriegs. Ausgerechnet die interne und unabhängige Kontrollinstanz des US-Verteidigungsministeriums, die Generalinspektion des Pentagons, widerlegt die präsidiale Rhetorik nun.
Der am Dienstag veröffentlichte Bericht räumt erstmals gravierende "strategische Bestandslücken und Engpässe" in der Munitionsversorgung ein. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein in den ersten vier Monaten des Konflikts verschlang der Einsatz 33,4 Milliarden US-Dollar, davon flossen zwei Drittel direkt in die Beschaffung von Munition. Diese fehlt der US-Armee nun angesichts der intensiven Gefechte an allen Ecken und Enden.
Zugleich wurden Kriegsschiffe aus Japan und Guam in die Golfregion verlegt. Mindestens eine Übung in Asien fiel bereits aus. Die Marine könnte in diesem Jahr vor einem Finanzloch von acht Milliarden US-Dollar stehen.
Auch der Iran zahlt einen hohen Preis: Die Inflation liegt bereits bei über 80 Prozent und die Rohölexporte sind nahezu zum Erliegen gekommen. Vor dem Krieg lieferte das Land täglich rund zwei Millionen Barrel an den Weltmarkt. Damals liefen etwa 20 Prozent des weltweiten Ölangebots durch die Straße von Hormus.
Doch je länger Teheran standhält, desto höher wird der Preis für Washington: sinkende Einsatzbereitschaft, erschöpfte Besatzungen und weniger Reserven zur Abschreckung Chinas. Für die Märkte bleibt die Meerenge der neuralgische Punkt. Die Öl- und Kraftstoffpreise sind bereits massiv gestiegen. Aus Trumps Druckmittel wird ein Wettlauf gegen Zeit, Geld und Material.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

