Preise explodieren
Kein Ende der Kupfer-Rallye in Sicht – in Europa wird es jetzt knapp
Der Kupferpreis jagt von Rekord zu Rekord. Die Angst vor US-Zöllen hat den Weltmarkt verzerrt. In den USA sind die Lager voll, während es in China und Europa knapp wird.
- US-Zollängste treiben Kupfer auf Rekordniveau
- In China und Europa wird Kupfer zunehmend knapp
- Elektromobilität und KI erhöhen den Kupferbedarf
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Kupfer erlebt einen außergewöhnlichen Höhenflug. Seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump ist der Preis für Terminkontrakte des Industriemetalls an der COMEX um etwa 60 Prozent von rund 4,30 US-Dollar je Pfund auf aktuell rund 6,85 US-Dollar gestiegen. Seit Jahresbeginn ging es um mehr als 20 Prozent aufwärts. Doch hinter der Rallye steckt nicht nur die langfristige Hoffnung auf mehr Nachfrage durch Elektromobilität, Stromnetze und Künstliche Intelligenz. Der aktuelle Preissprung hat vor allem einen kurzfristigen Auslöser: Trumps Zollpolitik hat den globalen Kupfermarkt aus dem Gleichgewicht gebracht.
Die Geschichte beginnt mit der Angst vor möglichen US-Zöllen auf Kupferimporte. Händler und Produzenten wollten einem möglichen Preissprung durch neue Abgaben zuvorzukommen und begannen, große Mengen Kupfer in die Vereinigten Staaten zu verschiffen. Als Folge davon wurden die USA regelrecht mit dem Metall geflutet. Gleichzeitig wurden die frei verfügbaren Mengen an anderen Handelsplätzen knapper. Allein die Erwartung möglicher Zölle hat diese massive Bewegung ausgelöst. Es gibt weltweit nicht zwingend zu wenig Kupfer, aber das verfügbare Metall befindet sich zunehmend am falschen Ort.
Denn an der London Metal Exchange (LME), die für den weltweiten Handel besonders wichtig ist, weil sie eine Art letzte Reserve für physisches Kupfer darstellen, gingen die Bestände deutlich zurück. Seit Mitte Mai sanken sie zeitweise um fast die Hälfte. Das sorgt für einen weltweiten Engpass und hat zur Folge, dass die Preise für kurzfristige Lieferungen deutlich steigen. Im August lag der Spotpreis zeitweise mehr als 500 US-Dollar je Tonne über dem Preis für Lieferungen in drei Monaten, was zeigt, dass Käufer dringend sofort verfügbares Metall suchten.
Vor allem in China verschärft sich die Situation. Das Land ist der mit Abstand größte Kupferverbraucher der Welt und benötigt das Metall für Infrastruktur, Stromnetze, Maschinenbau und die Energiewende. In Shanghai fielen die Kupferkathoden-Bestände zuletzt auf nur noch 43.900 Tonnen, den niedrigsten Stand seit 2023. Gleichzeitig blieb die Nachfrage nach physischem Kupfer hoch. Zwar kommt weiterhin importiertes Kupfer nach China, doch ein großer Teil davon landet nicht in Lagern, sondern wird direkt weiterverarbeitet. Die Lieferkette ist so angespannt, dass neues Kupfer gar nicht erst eingelagert werden kann.
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Saisonale Faktoren sorgen für weiteren Kaufdruck. Vor den Feiertagen zum chinesischen Herbst-Festival und dem Nationalfeiertag wollen viele Unternehmen ihre Bestände aufstocken und treiben die Nachfrage an. Gleichzeitig stehen mehrere chinesische Kupferhütten im Herbst vor geplanten Wartungen, wodurch kurzfristig weniger raffiniertes Kupfer verfügbar sein könnte.
Und zu guter Letzt profitiert Kupfer auch von einem langfristigen strukturellen Trend. Kaum ein Rohstoff ist so eng mit dem Umbau der Weltwirtschaft verbunden. Für Rechenzentren, Stromnetze, erneuerbare Energien und Elektroautos wird das Metall dringend benötigt. Besonders der Boom rund um Künstliche Intelligenz sorgt für zusätzlichen Bedarf. Denn hinter jedem großen Rechenzentrum stehen riesige Investitionen in Stromversorgung, Transformatoren und Leitungsnetze, für die jede Menge Kupfer benötigt wird.
Das Angebot kann allerdings nur schwer ausgeweitet werden. Neue Kupferminen benötigen oft mehr als ein Jahrzehnt von der Entdeckung bis zur Produktion. Viele große Förderstätten kämpfen zudem mit sinkenden Erzgehalten, steigenden Kosten und politischen Risiken.
Die Konsequenz der Entwicklung der letzten Monate ist, dass Amerika nun einen größeren Kupferpuffer der Welt besitzt, während China, Europa und andere große Verbraucher mit höheren Preisen und weniger frei verfügbarem Metall umgehen müssen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

