Es ist mal wieder soweit
Sind Gold & Bitcoin die richtige Absicherung gegen einen "Jahrhundertcrash"?
Robert Kiyosaki warnt erneut vor dem "größten Crash der Geschichte" und empfiehlt Gold, Silber und Bitcoin. Doch ein Blick auf die Historie zeigt: Wer dauerhaft auf den Crash wartet, verpasst die stärksten Börsenphasen.
- Kiyosaki warnt erneut vor dem großen Börsencrash
- Crash-Warten kostete Anleger starke Börsenphasen
- Dividendenaktien schlugen Gold langfristig oft
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Robert Kiyosaki sorgt erneut für Schlagzeilen. Der Autor des Bestsellers "Rich Dad Poor Dad" erklärt, der von ihm seit 2002 erwartete Jahrhundertcrash habe nun begonnen. Auslöser seien aus seiner Sicht die hohe Verschuldung, der KI-Hype, geopolitische Konflikte und die Alterung der Bevölkerung.
Auf der Plattform X schrieb Kiyosaki, der Absturz habe in Europa und Japan begonnen und breite sich nun weltweit aus. Anleger hätten jedoch noch Zeit, sich vorzubereiten. Sein Schutzprogramm bleibt dabei seit Jahren unverändert: Sachwerte statt Papiergeld – insbesondere Gold, Silber, Bitcoin, Immobilien und Beteiligungen an Unternehmen.
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Kiyosaki argumentiert, dass die hohe Staatsverschuldung und eine mögliche Geldentwertung langfristig das Vertrauen in klassische Finanzanlagen schwächen könnten. Besonders kritisch sieht er US-Staatsanleihen und warnt regelmäßig vor einem Verlust der Kaufkraft des US-Dollar.
Kiyosakis Crash-Uhr läuft seit mehr als 20 Jahren
Das Problem: Kiyosaki warnt tatsächlich schon seit Jahrzehnten vor einem historischen Zusammenbruch der Finanzmärkte. Bereits 2002 veröffentlichte er "Rich Dad’s Prophecy" und kündigte einen gewaltigen Börsencrash an.
Auch 2008, 2011, 2020 sowie in den Jahren 2023 bis 2025 warnte er wiederholt vor einem bevorstehenden Kollaps. Die Finanzkrise 2008 verlieh seinen Aussagen rückblickend zusätzliche Aufmerksamkeit. Allerdings lagen viele seiner konkreten Zeitprognosen daneben.
Das Muster ist bekannt: Die Warnung vor hohen Schulden und Risiken trifft regelmäßig einen wunden Punkt. Der genaue Zeitpunkt eines Crashs lässt sich jedoch kaum vorhersagen. Denn zwischen einer Überbewertung von Märkten und einem tatsächlichen Zusammenbruch können Jahre liegen.
Gold gegen Dividendenaktien: Wer gewinnt langfristig?
Kiyosaki setzt stark auf Gold. Der Edelmetall-Befürworter sieht darin einen Schutz gegen Inflation und Vertrauensverlust in Währungen. Historisch zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild.
Seit dem Ende der Goldbindung des US-Dollar im Jahr 1971 erzielte Gold langfristig ungefähr 7 bis 8 Prozent Rendite pro Jahr. Damit war das Edelmetall durchaus erfolgreich – allerdings ohne laufende Erträge.
Dividendenaktien konnten langfristig höhere Renditen erzielen. Globale Dividendenstrategien kamen historisch häufig auf etwa 8 bis 10 Prozent pro Jahr, US-Dividendenaristokraten teilweise darüber. Der Unterschied: Aktionäre profitieren nicht nur von Kurssteigerungen, sondern zusätzlich von regelmäßigen Ausschüttungen und steigenden Unternehmensgewinnen.
Die historische Entwicklung zeigt: Gold war vor allem in Krisenzeiten stark. In den 1970er Jahren profitierte das Edelmetall von Inflation und Ölkrisen. Nach der Finanzkrise 2008 folgte ebenfalls eine starke Phase.
Aktien dominierten dagegen viele lange Wirtschaftszyklen. Besonders zwischen 1980 und 2000 oder nach der Finanzkrise bis 2020 profitierten Anleger von steigenden Unternehmensgewinnen und einer wachsenden Weltwirtschaft.
Selbst in den jüngsten Börsenrückschlägen zeigte sich zudem: Gold ist kein perfekter Schutzschild. In Phasen extremer Marktpanik werden häufig zunächst nahezu alle Anlageklassen verkauft, weil Anleger Liquidität benötigen.
Mein Tipp: Kiyosaki hat ein Problem mit dem Timing
Mit Kiyosaki ist es ähnlich wie mit vielen Crash-Propheten: Irgendwann liegen sie richtig. Wer lange genug vor einem Crash warnt, wird irgendwann einen Treffer landen. Die entscheidende Frage für Anleger lautet jedoch nicht nur "Kommt ein Crash?", sondern "Was mache ich bis dahin?"
Ein Anleger, der seit 2002 auf den großen Zusammenbruch wartet, hätte einige der stärksten Börsenjahre der Geschichte verpasst.
Gold kann ein sinnvoller Baustein zur Absicherung sein. Bitcoin, Immobilien und andere Sachwerte können ebenfalls eine Rolle spielen. Für langfristigen Vermögensaufbau waren produktive Vermögenswerte wie Unternehmen mit steigenden Gewinnen und Dividenden historisch jedoch die stärkere Maschine.
Vielleicht braucht Kiyosakis Crash-Schallplatte tatsächlich einmal eine neue Seite: Nicht der Crash allein entscheidet über Vermögen – sondern die Aufstellung vor dem Crash. Dividenden-Aktien könnten eine durchaus bessere Absicherung darstellen als Gold und Bitcoin.
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Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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