Börse startet durch
Ungarn nimmt wichtige Hürde für Euro-Einführung
Innerhalb von nur gut drei Jahren will Ungarn die Euro-Kriterien erfüllen. Die Märkte setzen bereits auf die Wende: Forint, Anleihen und Aktien profitieren von der Hoffnung auf eine Annäherung an die Eurozone.
- Ungarn will bis 2030 die Euro-Kriterien erfüllen
- Hohe Defizite bremsen den Weg in die Eurozone
- Märkte setzen auf Forint, Aktien und Anleihen
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Anfang dieses Jahres ist die Eurozone um Bulgarien auf 21 Mitgliedsländer gewachsen, schon in wenigen Jahren könnte zumindest ein weiteres hinzukommen: Ungarn. Während lange vor allem Rumänien als aussichtsreichster Anwärter galt, rückt nun überraschend sein westlicher Nachbar in den Fokus. Dahinter steckt nicht zuletzt ein starker politischer Wille. Die Regierung in Budapest hat einen ambitionierten Zeitplan vorgelegt und internationale Investoren beginnen, sich für eine Annäherung an den Euro zu positionieren.
Ungarn will nach den Plänen der neuen Regierung die Voraussetzungen für einen Euro-Beitritt bis 2030 erfüllen. Ein entscheidender Schritt ist die Stabilisierung der Inflation. Die ungarische Notenbank kündigte am Dienstag an, ihr Inflationsziel von derzeit drei Prozent ab 2028 auf 2,5 Prozent zu senken. Damit macht Budapest klar, sich an den Stabilitätszielen der Eurozone orientieren zu wollen.
Noch ist der Weg allerdings weit. Besonders die Staatsfinanzen bleiben die größte Herausforderung. Das Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr laut Bloomberg bei rund 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Für einen Euro-Beitritt müsste Ungarn den Wert auf maximal drei Prozent senken. Dabei ist es gar nicht so, dass alle aktuellen Euro-Länder diese Quote selbst noch erfüllen würden. Mit Frankreich, Italien und mittlerweile auch Deutschland liegen die größten Mitgliedsländer darüber, während Portugal, die Niederlande und sogar Griechenland darunter liegen.
Trotz der offenen Baustellen haben internationale Investoren bereits begonnen, eine mögliche Annäherung Ungarns an die Eurozone einzupreisen. Experten sprechen von einem sogenannten Konvergenz-Trade: Anleger kaufen ungarische Vermögenswerte in der Erwartung, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines künftigen Euro-Mitglieds verbessern.

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Besonders sichtbar ist die Entwicklung am Aktienmarkt. Der ungarische Leitindex BUX der Börse Budapest hat innerhalb eines Jahres um 55 Prozent zugelegt. Dabei ging es für Schwergewicht OTP Bank um knapp 62 Prozent aufwärts, während der Ölkonzern MOL sogar mehr als 90 Prozent zulegen konnte. Der Aktienmarkt könnte weiter profitieren, wenn internationale Investoren das Land stärker als europäischen Wachstumsmarkt wahrnehmen. Eine mögliche Euro-Perspektive würde die Attraktivität des ungarischen Kapitalmarkts insgesamt erhöhen, wie das bereits in den vergangenen Monaten bei Bulgarien sichtbar war. Für ausländische Anleger entfiele langfristig ein Währungsrisiko, was besonders für den Bankensektor relevant ist. Banken gehören traditionell zu den Profiteuren einer wirtschaftlichen Integration, weil grenzüberschreitende Geschäfte und Kapitalflüsse erleichtert werden können.
Auch der ungarische Forint hat zuletzt deutlich aufgewertet. Der stärkere Wechselkurs hilft der Notenbank, die Inflation zu drücken, weil importierte Waren, etwa Energie und Rohstoffe, günstiger werden. Die Inflation ist dadurch stark zurückgegangen. Im August lag die jährliche Teuerungsrate nur noch bei 1,3 Prozent und damit deutlich unter dem bisherigen Zielkorridor der Notenbank. Die niedrige Inflation verschafft der Zentralbank zusätzlichen Spielraum bei ihrer Geldpolitik.
Am Anleihemarkt zeigt sich das wachsende Interesse ausländischer Anleger. Ungarische Staatsanleihen bieten im Vergleich zu vielen europäischen Papieren hohe Renditen. Die Rendite der zehnjährigen ungarischen Bonds lag zuletzt bei rund 5,75 Prozent. Gleichzeitig spekulieren Investoren darauf, dass eine erfolgreiche Annäherung an die Eurozone langfristig die Risikoprämie des Landes senken könnte. Der Mechanismus dahinter ist vergleichbar mit früheren Euro-Konvergenzphasen in Osteuropa: Sinkt das wahrgenommene Währungs- und Länderrisiko, können Anleiherenditen fallen und Kurse steigen.
Noch liegt der ungarische Leitzins mit 5,5 Prozent allerdings deutlich über dem Niveau vieler Nachbarländer. In Tschechien und Polen liegt er beispielsweise bei rund 3,75 Prozent. Der hohe Zins ist einerseits ein Zeichen für die noch bestehenden Inflations- und Währungsrisiken, andererseits macht er ungarische Anleihen für internationale Anleger attraktiv.
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Der Kurs in Richtung Euro-Einführung ist eng mit der politischen Entwicklung Ungarns verbunden. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Peter Magyar hat angekündigt, Ungarn wieder stärker an die europäischen Institutionen heranzuführen. Ein Euro-Beitritt wäre dabei ein wirtschaftlicher und politischer Meilenstein. Ob der ambitionierte Zeitplan realistisch ist, hängt jedoch vor allem von der Haushaltskonsolidierung ab. Ein Defizitabbau von 7,5 Prozent auf drei Prozent des BIP wäre eine erhebliche Anpassung. Dafür müsste die Regierung Ausgaben begrenzen oder Einnahmen erhöhen.
Ungarn ist damit nicht automatisch der nächste Euro-Kandidat. Rumänien verfolgt ebenfalls seit Jahren einen Euro-Beitritt und wäre aufgrund seiner Größe wirtschaftlich ein bedeutender Neuzugang. Der Unterschied: Ungarn sendet aktuell ein stärkeres politisches Signal und die Märkte reagieren bereits darauf. Der Forint, ungarische Anleihen und Aktien profitieren von der Erwartung, dass Budapest den Weg Richtung Euro tatsächlich einschlagen könnte.
Noch ist der Beitritt kein Selbstläufer. Aber der Euro-Beitritt Bulgariens hat gezeigt, wie lukrativ dieser Schritt für ein Land sein kann. Aber nicht nur für das Land selbst, auch Anleger suchen bereits nach den nächsten Gewinnern einer möglichen Erweiterung der Eurozone.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

