Dividendenvorschlag enttäuscht
Klimawandel und Iran-Krieg ruinieren das Geschäft: SDAX-Wert bricht ein!
Der im SDAX notierte Saatguthersteller KWS Saat leidet unter Klimawandelfolgen und dem Iran-Krieg. Die Aktie bricht nach schwachen Geschäftszahlen ein.
- KWS Saat verfehlt beim Umsatz die Erwartungen
- Klimafolgen und Handelshemmnisse drücken KWS Saat
- Schwacher Ausblick lässt die Aktie deutlich fallen
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Agrarkrise setzt Saatguthersteller unter Druck
Der SDAX-Konzern KWS Saat gehört zu den weltweit größten Herstellern und Züchtern von Saatgut. Das 1856 gegründete Unternehmen hat sich vor allem auf Nutz- und Futterpflanzen wie Rüben, Mais, Getreide und Gemüse spezialisiert und beliefert Landwirtinnen und Landwirte in der ganzen Welt.
Trotz einer Führungsposition im Saatgutgeschäft hat sich die Aktie in den vergangenen Jahren unterdurchschnittlich entwickelt. Stark schwankende Geschäftszyklen und ein sich wiederholt veränderndes Wettbewerbsumfeld haben einen konstanten Wachstumspfad fast unmöglich gemacht.
Auch das Geschäftsjahr 2025/26 war, wie die am Mittwochmorgen vorgelegten Zahlen zeigen, ein schwieriges Jahr mit erheblichen Herausforderungen für das Unternehmen.
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Trotz rückläufiger Erlöse höherer Gewinn
Gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr fielen die Erlöse um 3,0 Prozent auf rund 1,63 Milliarden Euro, während die operativen Erträge um 2,1 (EBITDA) beziehungsweise 3,5 (EBIT) Prozent gesunken sind. Unter dem Strich legte das Nachsteuerergebnis jedoch um 13,1 Prozent von 140,0 auf 158,4 Millionen Euro zu – im Jahr zuvor war es zu einmaligen Rückstellungen gekommen. Pro Aktie erzielte KWS Saat einen Gewinn von 4,80 Euro nach 4,24 Euro in 2024/25.
In der Pressemitteilung sprach das Unternehmen von einem "angespannten Umfeld" für die Landwirtschaft. Die derzeit größten Herausforderungen für Landwirtinnen und Landwirte liegen laut KWS Saat in "klimatischen Extremen", "Krankheitsdruck" und "volatilen Agrarmärkten".
Für das volatile Umfeld am Agrarmarkt sind vor allem Handelshemmnisse wie der Soja-Streit zwischen den USA und China, US-Importzölle sowie der Iran-Krieg verantwortlich. Lieferunterbrechungen haben die Düngemittelpreise explodieren lassen, was die finanziellen Spielräume von Agrarwirtinnen -und wirten für hochwertiges Saatgut beschränkt.
Nur Raps stemmt sich gegen den Trend
In den Bereichen Zuckerrüben, Mais, und Gemüse verzeichnete KWS Saat Umsatzeinbußen von bis zu 6,4 Prozent. Im Segment Getreide konnte sich das Unternehmen hingegen um 0,2 Prozent steigern. Trotz deutlich gestiegener Weizenpreise wurde das Segmentergebnis jedoch vor allem von einer hohen Nachfrage nach Rapssaatguten gestützt.
Im Segment Mais ergab sich vor allem durch den Verkauf des Nordamerikageschäfts ein Umsatzrückgang; allerdings fielen die Erlöse auch auf vergleichbarer Basis um 1,6 Prozent. Das Unternehmen behauptete jedoch seine Marktführerschaft im Bereich Silomais.
Enttäuschender Dividendenvorschlag, mauer Ausblick
Mit Blick auf die Kapitalverwendung – der freie Cashflow erreichte mit 122,5 Millionen Euro in etwa das Vorjahresergebnis von 123,2 Millionen Euro – will KWS Saat eine um 5 Cent höhere Dividende ausschütten. Geplant ist ein Dividendenvorschlag von 1,30 Euro je Aktie, was einer Ausschüttung von 42,9 Millionen Euro beziehungsweise 28,9 Prozent des Nachsteuerergebnisses bedeuten würde. Auf Basis eines Aktienkurses von 72 Euro ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von 1,8 Prozent.
Die Prognose für das kommende Geschäftsjahr fiel verhalten aus. Das Management erwartet ein Umsatzwachstum von 3 Prozent auf vergleichbarer Basis sowie eine EBITDA-Marge von 19 bis 20 Prozent. Allerdings enthält die Pressemitteilung den Vorbehalt "eines sich erholenden Agrarumfelds". Ein solches ist mit Blick auf den drohenden Super-El-Nino, anhaltend hohe Treibstoff- und Düngemittelpreise und weiteren Belastungen durch Handelshemmnisse aber keineswegs garantiert.
Empfindliche Kursverluste schon in der Vorbörse
Die Enttäuschung über die zurückhaltende Geschäftsprognose sowie die rückläufigen Erlöse im abgelaufenen Geschäftsjahr ist am Markt groß. Noch in der Vorbörse brach die Aktie zeitweise zweistellig ein, unmittelbar nach Handelseröffnung stand ein Minus von rund 7 Prozent zu Buche – damit geraten in einem Zug nicht nur die 50-, sondern auch die 200-Tage-Linie unter Druck.
Halten die Kursverluste in den kommenden Tagen an, was nach dem Unterschreiten wichtiger Unterstützungen nicht selten der Fall ist, droht die in diesem Jahr bislang zufriedenstellende Bilanz der Aktie vollständig zunichte gemacht zu werden. Vor der Vorlage des Geschäftsberichtes notiert KWS Saat mit einem Plus von 14,6 Prozent. Das wurde auf einen Schlag halbiert.

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Fazit: Rücksetzer bietet (noch) keine Einstiegsgelegenheit
Der Saatguthersteller KWS Saat leidet unter der Mehrfachbelastung aus Klimawandelfolgen und Iran-Krieg. Häufigere Extremwetterereignisse, hohe Treibstoff- und Düngemittelpreise sowie Ernteausfälle auch auf dem wichtigen Kernmarkt Mitteleuropa sorgen für klamme Kassen bei Landwirtinnen und Landwirte, was sich negativ auf die Preissetzungsmacht und die Nachfrage nach Saatgut auswirkt.
Auf Basis des für 2025/26 vorgelegten Geschäftsergebnisses notiert KWS Saat selbst nach dem Kurseinbruch mit einem KGV von 15. Das liegt deutlich über dem Schätzwert von Analystinnen und Analysten, da diese mit einem besseren Gewinnergebnis gerechnet hatten.
Das 5-Jahres-Mittel liegt bei 15,3. Da das Unternehmen für das kommende Geschäftsjahr ein vergleichbares Ergebnis in Aussicht gestellt hat, ist die Aktie erst nach einem weiteren Kursrückgang einen Blick wert. Gegenwärtig verfügt sie über keine ausreichende Sicherheitsmarge.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

