Preiswende im Norden?
Schweden entlastet Verbraucher – Deutschland hinkt hinterher
Schwedische Verbraucher zahlen wieder etwas weniger für Lebensmittel. Eine Mehrwertsteuersenkung zeigt Wirkung – doch im Vergleich zu 2022 bleibt der Einkauf deutlich teurer.
- Schwedens Lebensmittelpreise sinken um fünf Prozent
- Preisniveau liegt noch 21 Prozent über 2022
- Schwedens Steuersenkung stützt Konsum und Kaufkraft
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Die Lebensmittelpreise in Schweden gehen zurück – zumindest teilweise. Laut der Herbstausgabe des Swedbank-Warenkorb (regelmäßige Analyse der schwedischen Großbank Swedbank, mit der die Entwicklung der Lebensmittelkosten für typische Haushalte gemessen wird) sind die Kosten für typische Lebensmittelkäufe seit Jahresbeginn um rund fünf Prozent gesunken. Ein wesentlicher Faktor ist die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, die direkt bei den Verbrauchern angekommen ist. Trotz der Entlastung liegt das Preisniveau aber weiterhin deutlich über dem Stand vor der großen Inflationswelle. Seit Januar 2022 haben sich Lebensmittel demnach um rund 21 Prozent verteuert. Für viele Haushalte bedeutet der Rückgang daher eher eine Entspannung als eine echte Rückkehr zu früheren Preisen.
Eine Einzelperson mit einem Kleinkind zahlt laut Swedbank aktuell durchschnittlich 5.098 schwedische Kronen, umgerechnet 459 Euro pro Monat für Lebensmittel. Das sind 263 Kronen weniger als zu Jahresbeginn. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Teenagern kommt auf monatliche Kosten von 11.870 Kronen – rund 600 Kronen weniger als noch Anfang des Jahres. Verglichen mit 2022 bleibt der Unterschied allerdings erheblich. Die monatlichen Lebensmittelkosten liegen für die Einzelperson weiterhin etwa 890 Kronen höher, bei der Familie beträgt der Abstand rund 2.000 Kronen. Gleichzeitig sind die Bruttolöhne in Schweden im gleichen Zeitraum um etwa 18 Prozent gestiegen.
Für die Kaufkraft der Verbraucher ist damit entscheidend, ob die Entlastung bei Lebensmitteln dauerhaft bleibt. Die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel wurde in Schweden von 12 auf 6 Prozent reduziert und soll nach aktueller Planung bis Ende 2027 gelten. Die Regierung erklärte, dass die Maßnahme vollständig von den Händlern umgesetzt worden sei und sich in niedrigeren Preisen widerspiegele.
Interessant für Anleger ist dabei vor allem die Wirkung auf den Konsum. Nach den starken Preissteigerungen der vergangenen Jahre hatten viele Haushalte ihre Ausgaben zurückgefahren. Sinkende Lebensmittelkosten könnten den privaten Verbrauch wieder stützen und damit auch den Druck auf Einzelhändler und Konsumkonzerne verändern. Die regionalen Unterschiede innerhalb Schwedens fallen dagegen kaum ins Gewicht. Zwischen der teuersten und günstigsten Region liegen laut Swedbank lediglich 0,7 Prozent beziehungsweise 38 Kronen pro Monat. Der Preisdruck ist damit weniger eine Frage des Standorts als eine Folge des allgemeinen Inflationsniveaus.
Für die schwedische Wirtschaft kommt die Entlastung zu einem wichtigen Zeitpunkt. Nach der Inflationsphase mit hohen Zinsen versucht die Notenbank, die Wirtschaft wieder zu stabilisieren. Eine Erholung des privaten Konsums gilt dabei als wichtiger Faktor für die weitere Entwicklung. Während Schweden mit einer Mehrwertsteuersenkung die Lebensmittelpreise für Verbraucher sichtbar drücken konnte, bleibt Deutschland auf einem hohen Preisniveau. Zwar steigt die Lebensmittelinflation kaum noch, eine breite Rückkehr zu den Preisen vor der Inflationswelle ist aber nicht in Sicht. Während Schweden mit einer gezielten Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel die Preise direkt für Verbraucher gedrückt hat, setzt Deutschland bislang vor allem auf eine allgemeine Entspannung der Inflation. Dadurch sinkt zwar der Preisanstieg, das hohe Preisniveau bleibt aber bestehen. Viele Lebensmittel sind weiterhin deutlich teurer als vor der Inflationswelle. Hinzu kommen höhere Kosten für Energie, Logistik, Personal und Produktion, die von Händlern und Herstellern teilweise an Verbraucher weitergegeben wurden. Eine vergleichbare direkte staatliche Entlastung wie in Schweden gibt es in Deutschland bislang nicht.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
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