Zieht den ganzen DAX runter
Deutsche-Telekom-Aktie: Die Lage ist schon wieder äußerst kritisch!
Nach einer starken Erholung im Juni und Juli geraten die Anteile der Deutschen Telekom wieder ins Taumeln. Den Käuferinnen und Käufer bleibt jetzt nur noch wenig Zeit.
- Telekom-Aktie verliert weiter und belastet den DAX
- Unterstützung bei 26 Euro gerät erneut unter Druck
- Hohe Zinsen und Konkurrenz trüben die Aussichten
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Deutsche Telekom: Aktie wird zur Belastung für den DAX
Trotz einer moderaten Bewertung, einer überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite und einem sicheren, krisenresistenten Geschäftsmodell entwickelt sich die Aktie der Deutschen Telekom immer mehr zum Ladenhüter. Mit einem Minus von gegenwärtig 3,2 Prozent seit dem Jahresauftakt underperformt das Indexschwergewicht den DAX um 7,1 Prozentpunkte.
Dabei war die Aktie noch durchaus vielversprechend in das Jahr gestartet. Inzwischen haben jedoch Disruptionssorgen, hohe Anleiherenditen und der seit dem Mehrjahreshoch bei 36 Euro, erzielt im März 2025, anhaltende Abwärtstrend das Ruder übergenommen. Auch die kurze Zwischenerholung aus dem Juni und Juli ist bereits wieder dahin.
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Die Zeichen stehen schon wieder auf weitere Verluste
Auch in den vergangenen Tagen standen die Anteile erheblich unter Druck. Ein Downgrade des französischen Mitbewerbers Orange durch die US-Investmentbank Morgan Stanley sorgte am vergangenen Freitag für Verkaufsdruck innerhalb der gesamten Branche. Auch von technischer Seite nimmt der Gegenwind zu, wie der Blick in den Chart zeigt:
Langfristiger Aufwärtstrend zunehmend in Gefahr
Grundsätzlich befindet sich die Telekom-Aktie zwar ein einem übergeordneten, mehrjährigen Aufwärtstrend, doch seit März 2025 herrscht ein korrektiver Abwärtstrend vor, wodurch sich im langfristigen Chartbild eine Flaggenformation ergeben hat. Deren Auflösung entweder nach unten oder nach oben wird den nächsten langfristigen Impuls für die Kursentwicklung setzen.
Noch ist eine Vorentscheidung jedoch nicht in Sicht. In den vergangenen 12 Monaten bestimmte vor allem die Range zwischen 26 und 30 Euro das Kursgeschehen. Zwischenzeitliche Ausbrüche sowohl in Richtung 34 als auch in Richtung 24 Euro blieben folgenlos und bestätigten lediglich den korrektiven Abwärtstrend, der durch Abwärtsbewegungen auch in den technischen Indikatoren angezeigt wird.
Viel Sicherheit nach unten besteht jetzt nicht mehr
Im Juni war die Aktie nach dem Unterschreiten des Unterstützungsbereichs um 26 Euro zeitweise auf ein neues Mehrjahrestief eingebrochen. Die gelten in der technischen Analyse als Verkaufssignale. Ein solches konnte sich jedoch nicht durchsetzen, da im Trendstärkeindikator MACD ein höheres Tief und damit bullishe Divergenzen vorlagen.
Die daraufhin einsetzende Erholungsrallye führte zwar zurück über die gleitenden Durchschnitte, konnte den Widerstandsbereich um 30 Euro aber nicht knacken, der damit als Hürde bestätigt wurde, während gleichzeitig eine weitere Abwärtstrendlinie etabliert wurde. Ein gescheiterter Ausbruchsversuch in der vergangenen Woche hat zum aktuell laufenden Abverkauf geführt.
Der droht sich am Dienstag zu beschleunigen, nachdem das Orange-Downgrade am Freitag für das Unterschreiten der 50-Tage-Linie sowie der Unterstützung bei 28 Euro geführt hat. Auch der Vorzeichenwechsel im MACD deutet auf einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend hin. In Kombination mit der durch den RSI angezeigten Schwäche ist daher ein erneutes Aufsetzen auf der Unterstützung zwischen 26,00 und 26,50 Euro zu erwarten.
Jahrestiefs könnten erneut angelaufen werden
Wird auch dieser Support unterschritten, dürfte es zu einem erneuten Anlaufen der bisherigen Jahrestiefs um 24 Euro kommen. Dort verläuft auch die Unterkante eines sich gegenwärtig abzeichnenden Trendkanals. Hier entsteht dann entweder ein Doppelboden oder das noch im Juni vermiedene Verkaufssignal setzt sich durch, und die Deutsche Telekom fällt auf neue Mehrjahrestiefs.
Sollte im Bereich von 26 Euro ein weiterer Rebound erfolge, bestehen Anstiegschancen wenigstens wieder in Richtung von 28 Euro. Neue, dauerhafte Kaufsignale würden gegenwärtig jedoch erst oberhalb der 200-Tage-Linie bei 28,71 Euro beziehungsweise jenseits der 30-Euro-Marke vorliegen. Für dieses Szenario liegen jedoch keine Indizien vor, daher sollte das Unterschreiten von 26 Euro als Basisszenario betrachtet und entsprechend mit Stopp-Loss-Orders vorgegangen werden.
Fazit: Hohe Anleiherenditen zwingen zu Neubewertung
Mit Blick auf die Fundamentaldaten steht für 2026 ein KGVe von 13,2 zu Buche, für 2027 werden 11,3 erwartet – das läge unter dem 5-Jahres-Mittel von 12,6. Allerdings muss das Gewinnvielfache vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Anleiherenditen neu bewertet werden; angesichts steigender Kapital- und Refinanzierungskosten des hochverschuldeten Unternehmens sollten etwas niedrigere KGVs als neuer Standard betrachtet werden. Damit ist die Aktie allenfalls fair bewertet.
Eine schnelle Lösung für das Problem dauerhaft höherer Marktzinsen ist nicht in Sicht. Im Gegenteil könnten die Belastungen sogar wachsen, da sich die Telekom wachsender Konkurrenz durch Satellitennetzbetreiber ausgesetzt sieht und der Aufbau von Rechenzentren, welche das Umsatzwachstum beschleunigen könnten, viel Geld kostet. Wer hier einsteigen will, sollte das erstens auf deutlich niedrigeren Niveaus und zweitens erst nach einer im Chart deutlich erkennbaren Bodenbildung tun.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion



