Anlegervertrauen zerstört
80 Millionen Betroffene: Novo greift nach dem Milliardenmarkt Haarausfall
Novo Nordisk sucht Wachstum jenseits von Wegovy – und nimmt jetzt einen überraschenden Milliardenmarkt mit 80 Millionen Betroffenen allein in den USA ins Visier.
- Novo Nordisk sucht Wachstum jenseits von Wegovy
- Haarausfall wird zum neuen Milliardenmarkt
- Wettbewerb und Vertrauensverlust belasten den Kurs
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Novo Nordisk sucht nach neuen Milliardenmärkten für die Zeit nach Wegovy – und nimmt nun auch Medikamente gegen Haarausfall ins Visier. Der Strategiewechsel kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Der Konzern hat im GLP-1-Markt Boden an Eli Lilly verloren, der Patentschutz für Semaglutid läuft nach 2030 aus und die Aktie reagierte selbst auf neue Langfristziele mit Verlusten. Bis 2035 will Novo mehr als 23 Milliarden US-Dollar (rund 20 Milliarden Euro) risikobereinigten Pipeline-Umsatz erreichen und bis 2030 mehr als fünf Medikamente mit "Multi-Blockbuster"-Potenzial auf den Markt bringen.
"Wir könnten unser wissenschaftliches Wissen nutzen und möglicherweise in diesen Bereich vordringen", sagte Forschungschef Martin Lange über mögliche Therapien gegen Haarausfall gegenüber Bloomberg. "Es ist nicht unbedingt das, was wir zuerst verfolgen werden, aber es wäre eine klare Möglichkeit." Die Aussicht elektrisierte andere Anbieter: Die Aktien der Haarausfall-Entwickler Veradermics und Absci legten nach den Aussagen zu.
Der Markt wäre gewaltig. Schätzungsweise 50 Millionen Männer und 30 Millionen Frauen allein in den USA leiden unter erblich bedingtem Haarausfall. Gleichzeitig gibt es seit den 1990er-Jahren keine neu zugelassene FDA-Therapie für dieses Problem. Noch gehört Haarausfall allerdings nicht zu den acht Erkrankungen, bei denen Novo bis Ende 2026 oder Anfang 2027 Studien der mittleren Entwicklungsphase starten will. Das Unternehmen prüft jedoch verbrauchernahe Programme mit kürzeren Entwicklungszeiten sowie mögliche Deals für bereits weit entwickelte Wirkstoffe.
CEO Mike Doustdar bezog sich mit ungewöhnlich offenen Worten auf die Kursreaktion vom Montag, als die Novo-Aktie trotz neuer Langfristziele nachgab. "Das Vertrauen ist weg, wie die Reaktion gestern gezeigt hat, und es braucht Zeit und harte Arbeit, um es wieder aufzubauen", sagte er laut Bloomberg. "Wir müssen irgendwo anfangen und dann überall suchen." Neben Haarausfall will Novo deshalb auch Herz-, Leber- und Bluterkrankungen stärker angehen sowie ergänzende Übernahmen prüfen.
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Zusätzlichen Druck bringt CFRA. Das Analysehaus stufte die in den USA gehandelten Novo-Papiere von Halten auf Verkaufen ab und setzte das Kursziel auf 38 US-Dollar. CFRA sieht Novo in einer Übergangsphase nach dem Gewinnhöhepunkt der GLP-1-Medikamente und hält das Chancen-Risiko-Verhältnis für ungünstig. Die Wegovy-Tablette gilt zwar als wichtige kurzfristige Chance, doch der verschärfte Wettbewerb und lediglich moderates Gewinnwachstum könnten die Aktie weiter belasten.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

