Oktoberfest – Eine ganze besondere (Heimat-)Bindung
Die »Range« – um es neubajuwarisch zu nennen – reicht dabei von knappen Billigdirndln, deren eingewebte Giftstoffe wahrscheinlich ausreichen, eine mittlere Ungezieferpopulation auszurotten, über Plastiklederhosen bis zur echten »Hirschledernen« oder dem bodenlangen Samtdirndl aus hippen Designer-Läden. Solchermaßen kostümiert zeigen sich Hanseaten, Rheinländer, die die “Tracht” praktischerweise noch im Karneval tragen können, sowie ausländische Gäste aus aller Herren Länder. Natürlich kommen auch Bayern zur Wiesn und sogar der eine oder andere echte Münchner. Da stellt sich die Frage: Was bedeutet das Tragen der Tracht eigentlich? Soll damit eine besondere Heimatverbundenheit gezeigt werden, ist sie ein Zeichen funktionierender Integration oder steckt doch eher die reine Lust an der lustigen Verkleidung dahinter?
Ein eher neuer Trend
Ein kurzer Blick in ältere Reiseführer über München genügt, um festzustellen, dass noch in den 1970er-Jahren das Tragen einer Lederhose auf der Wiesn – abgesehen von Kindern im Vorschulalter und der professionellen Trachtenvereine – die absolute Ausnahme darstellte. Man könnte also annehmen, dass die damals kindlichen Lederhosenträger in Reminiszenz an ihre eigene Vergangenheit auch heute wieder in eine »Kurze« steigen. Das würde auch ihr oftmals zu beobachtendes Verhalten auf der Wiesn erklären, das man als durchaus »kindlich«, besser noch »kindisch« bezeichnen könnte. Aber es sind ja vor allem junge Leute aus vielerlei Nationen (und vor allem den deutschen Bundesländern jenseits von Bayern), die sich in Trachtenschale werfen.

Dass in München wieder »Wiesn« ist, die fünfte Jahreszeit, das zeigt sich schon einige Tage vor dem eigentlichen Start. Im Weichbild der Stadt tauchen
mehr und mehr Trachten auf, kurze und lange Lederhosen und kurze und lange Dirndl in bunten Farben. Und während am ersten Wiesnsonntag die professionellen Trachtenträger, organisiert in Vereinen
und Musikgruppen, feierlich Einzug halten, tummeln sich rund um und auf der Wiesn die meisten Menschen in Dirndl und Lederhosen – »Zivilisten« werden zur Ausnahme. Wir stellen die Kolumne von
Ulrich Kirstein vor, Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der