Oder doch Griechenland?
Norwegen bietet den sichersten Ruhestand der Welt
Gigantische Rücklagen, stabile Finanzen und hohe Lebensqualität machen das Land attraktiv. Doch es gibt einen entscheidenden Haken. Aber es gibt einige interessante Alternativen.
- Norwegen punktet mit Staatsvermögen und Sicherheit
- Hohe Preise schmälern Norwegens Reiz für Rentner
- Bulgarien und Griechenland bieten mehr Kaufkraft
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Während viele Industrieländer vor einer wachsenden Rentenkrise stehen, geht Norwegen einen anderen Weg. Das skandinavische Land hat seinen Rohstoffreichtum genutzt, um ein riesiges Finanzpolster für kommende Generationen aufzubauen. Die Kombination aus Wohlstand, stabilen Staatsfinanzen und hoher Lebensqualität macht das Land für Ruheständler besonders attraktiv.
Im aktuellen Global Retirement Index von Natixis Investment Managers belegt Norwegen erneut den ersten Platz. Die Studie vergleicht 44 Länder anhand von Faktoren wie finanzielle Sicherheit im Alter, Gesundheit, Lebensqualität und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Norwegen und Irland waren dabei die einzigen Länder, die in allen vier Bereichen konstant stark abschnitten. Deutschland kam immerhin auf einen respektablen siebten Platz. Die USA landeten auf Rang 24 und Schlusslicht war Indien – sogar noch nach Russland.
Der wichtigste Vorteil Norwegens liegt in seinem außergewöhnlichen Staatsvermögen. Norwegen ist einer der größten Öl- und Gasexporteure Europas. Anders als viele andere rohstoffreiche Länder hat Oslo die Einnahmen aus den fossilen Energieträgern aber nicht vollständig für laufende Ausgaben genutzt. Bereits in den 1990er-Jahren gründete die Regierung den staatlichen Pensionsfonds Global. Die Einnahmen aus Öl und Gas werden überwiegend investiert – in Aktien, Anleihen und Immobilien weltweit. Heute gehört der Fonds mit einem Vermögen von mehr als 1,5 Billionen US-Dollar zu den größten Investoren der Welt.
Die Erträge aus diesen Anlagen helfen dabei, den norwegischen Staat langfristig zu finanzieren. Dadurch ist das Land weniger abhängig von steigenden Sozialbeiträgen oder drastischen Kürzungen im Rentensystem. Während Deutschland und viele andere europäische Länder vor der Herausforderung stehen, dass immer weniger Arbeitnehmer für immer mehr Rentner aufkommen müssen, verfügt Norwegen über ein gewaltiges finanzielles Fundament.

wallstreetONLINE RedaktionVierfaches Wachstum
Dieses Euro-Land ist halb so hoch verschuldet wie Deutschland
Das norwegische Rentensystem besteht aus mehreren Bausteinen: einer staatliche Grundabsicherung, einer einkommensabhängigen gesetzlichen Rente, einer betrieblichen Altersvorsorge und einer privaten Vermögensbildung. Diese Mischung reduziert die Abhängigkeit von einer einzigen Rentenquelle. Hinzu kommt eine hohe wirtschaftliche Stabilität. Norwegen weist im internationalen Vergleich eine geringe Staatsverschuldung auf und verfügt über erhebliche finanzielle Reserven. Für ältere Menschen bedeutet das vor allem Planungssicherheit. Norwegen punktet aber nicht nur mit Geld. Das Land gehört seit Jahren zu den Staaten mit besonders hoher Lebensqualität.
Von großer Bedeutung sind auch die sehr gute medizinische Versorgung, die hohe persönliche Sicherheit, geringe Kriminalität, intakte Umwelt mit viel unberührter Natur und Ruhe. Von den Fjorden im Westen bis zu den Städten Oslo, Bergen oder Trondheim bietet Norwegen einen Lebensstil, der für viele ältere Menschen attraktiv ist. Wandern, Angeln oder andere Aktivitäten im Freien gehören für viele Norweger auch im Alter zum Alltag. Der hohe Lebensstandard hat allerdings seinen Preis. Norwegen gehört zu den teuersten Ländern der Welt. Besonders teuer sind Lebensmittel, Restaurants, Dienstleistungen, Handwerker und Immobilien in beliebten Regionen.
Für einen deutschen Rentner mit einer kleinen gesetzlichen Rente ist Norwegen trotz der Natixis-Studie nicht wirklich die beste Wahl. Eine deutsche Rente wird zwar grundsätzlich auch ins Ausland gezahlt, doch die Kaufkraft kann durch die hohen Preise deutlich geringer ausfallen. Auch der lange Winter, wenig Tageslicht und niedrige Temperaturen können insbesondere in nördlichen Regionen eine Herausforderung sein.
Bulgarien: Günstige Alternative für kleine Renten
Wer weniger Wert auf maximale staatliche Sicherheit legt und vor allem auf niedrige Lebenshaltungskosten achtet, findet andere Möglichkeiten innerhalb Europas. Bulgarien gehört zu den günstigsten EU-Ländern und kann für Rentner mit begrenztem Einkommen interessant sein. Mieten, Lebensmittel und Dienstleistungen sind deutlich günstiger als in Deutschland. Gleichzeitig profitieren deutsche Staatsbürger von den Vorteilen des EU-Binnenmarktes und davon, dass Bulgarien Anfang des Jahres in die Eurozone aufgenommen wurde.
Besonders Regionen außerhalb der Hauptstadt Sofia oder touristischer Zentren am Schwarzen Meer bieten vergleichsweise niedrige Kosten. Nachteile sind allerdings eine teilweise schwächere Infrastruktur außerhalb größerer Städte sowie Unterschiede bei der medizinischen Versorgung.
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Griechenland: Sonne und niedrigere Kosten
Auch Griechenland bleibt ein beliebtes Ziel für deutsche Ruheständler. Das Land bietet ein mediterranes Klima, eine große deutsche Community und in vielen Regionen niedrigere Lebenshaltungskosten als Deutschland. Vor allem auf dem Festland oder in kleineren Städten können Rentner mit ihrer deutschen Rente eine höhere Kaufkraft erreichen. Gleichzeitig verfügt Griechenland über eine gute touristische Infrastruktur und eine hohe Lebensqualität.
Allerdings sind beliebte Inseln und Regionen wie Teile der Ägäis oder stark nachgefragte Küstenorte deutlich teurer geworden. Zudem kann die medizinische Versorgung außerhalb größerer Städte eingeschränkt sein.
Fazit
Norwegen zeigt, wie ein Land durch langfristige Finanzpolitik einen außergewöhnlich sicheren Rahmen für den Ruhestand schaffen kann. Der Schlüssel ist nicht nur die hohe Rente, sondern vor allem das enorme Staatsvermögen im Hintergrund.
Für Rentner mit Vermögen oder einer hohen Altersversorgung bietet Norwegen damit eine Kombination aus Sicherheit, Stabilität und Lebensqualität. Wer dagegen vor allem mit einer kleinen gesetzlichen Rente auskommen muss, findet in Ländern wie Bulgarien oder Griechenland oft eine deutlich höhere Kaufkraft.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

