VDA schwenkt um!
PKW-Absätze: BYD und Chery legen kräftig zu – der Ruf nach Schutz wird lauter!
Chinas Autobauer gewinnen in Europa weiter Marktanteile. Der politische und industrielle Gegenwind steigt: Der VDA hält zusätzliche Zölle inzwischen für möglich und fordert bei Wettbewerbsverzerrungen Schutzinstrumente.
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Die chinesische Konkurrenz setzt ihren Vormarsch auf dem europäischen Automarkt fort. Im August konnten Hersteller wie BYD, SAIC und Chery ihre Marktanteile erneut ausbauen. Gleichzeitig gerät die deutsche Autoindustrie stärker unter Druck. Nun zeichnet sich auch beim mächtigen Branchenverband VDA ein Kurswechsel ab: Nach Informationen des Handelsblatts hält der Verband zusätzliche Handelsschutzmaßnahmen gegen China inzwischen für gerechtfertigt.
Die Zahlen des europäischen Herstellerverbands Acea zeigen den Trend deutlich. Chinesische Marken steigerten ihren Marktanteil in der EU in den ersten acht Monaten weiter. Besonders stark legte BYD zu: Der Anteil an den Neuzulassungen stieg von 0,9 auf 2,4 Prozent. Auch SAIC Motor mit der Marke MG und Chery mit Omoda und Jaecoo konnten zulegen. Zusammen mit weiteren chinesischen Herstellern wie Leapmotor kommen die Anbieter inzwischen auf knapp zehn Prozent Marktanteil in Europa.
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Während chinesische Marken wachsen, bleibt die Entwicklung bei einigen deutschen Herstellern schwieriger. Der Volkswagen-Konzern verzeichnete im Juli und August jeweils rückläufige Verkäufe in der EU. BMW konnte leicht zulegen, Mercedes-Benz zeigte im August eine stärkere Entwicklung.
VDA öffnet erstmals die Tür für neue Zölle
Der zunehmende Druck aus China führt nun offenbar zu einem Umdenken in der deutschen Autoindustrie. Der Verband der Automobilindustrie (VDA), der lange als Befürworter offener Märkte und als skeptisch gegenüber Handelsbarrieren galt, bewertet zusätzliche Zölle inzwischen anders.
Wie das Handelsblatt berichtet, bezeichnet der Verband in einem internen Papier sogenannte WTO-konforme Handelsschutzinstrumente bei nachgewiesenen Wettbewerbsverzerrungen nicht nur als legitim, sondern als notwendig.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärte, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Handel mit China verändert hätten. China bleibe zwar ein wichtiger Absatzmarkt und Innovationsstandort, gleichzeitig seien jedoch Ungleichgewichte entstanden. Handelsschutzmaßnahmen könnten daher unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden.
Damit rückt der VDA erstmals näher an eine Position heran, die zusätzliche Ausgleichszölle gegen chinesische Fahrzeuge ermöglicht. Besonders im Fokus stehen Plug-in-Hybride aus China, für die die EU bislang keine vergleichbaren Abgaben erhebt wie für reine Elektroautos.
Europa zwischen Schutz und Handelsrisiko
Die Diskussion um neue Zölle ist allerdings nicht ohne Risiko. China ist für viele deutsche Hersteller weiterhin ein zentraler Markt. BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen erzielen einen erheblichen Teil ihres Geschäfts in China und müssen mögliche Gegenmaßnahmen aus Peking einkalkulieren.
Chinas Regierung warnt entsprechend vor einer Eskalation der Handelsbeziehungen und fordert Europa zu offenen Märkten auf. Gleichzeitig bereitet die EU weitere Gespräche mit Peking vor, während Brüssel mögliche zusätzliche Schutzmaßnahmen prüft.
Die Argumentation der Befürworter: Europäische Hersteller müssten vor staatlich unterstützten Wettbewerbern geschützt werden. Kritiker warnen dagegen, dass Zölle allein die strukturellen Probleme der europäischen Autoindustrie nicht lösen.
Mein Tipp: Der Gegenwind für BYD & Co. nimmt wieder zu
Der Erfolg chinesischer Autobauer in Europa bleibt bislang ungebrochen. Doch die politische Unterstützung für zusätzliche Schutzmaßnahmen wächst. Nachdem die deutsche Autoindustrie lange vor einer Verschärfung des Handelskonflikts gewarnt hatte, verändert sich der Ton.
Der VDA-Kurswechsel zeigt: Der Wettbewerb mit China wird härter. Für Anleger bleibt die Lage jedoch schwierig. Zwar steigen die Absatzzahlen chinesischer Hersteller weiter, doch mögliche Zölle, politische Eingriffe und ein intensiver Preiskampf erhöhen die Unsicherheit.
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Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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