Märkte am Morgen
Zinsen steigen weiter: "Die Angst ist zurück" – DAX weitet Korrektur aus
Zinsängste und hohe Ölpreise belasten die Börsen. Der DAX dürfte zu Handelsbeginn sinken. Im Fokus steht heute außerdem der Gipfel zwischen Trump und Xi.
US-Anleiherenditen auf dem höchsten Stand seit 2007
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen waren am Mittwoch um mehr als 13 Basispunkte auf 5,104 Prozent gesprungen. Damit erreichte sie laut CNBC den höchsten Stand seit Juli 2007. Auch andere Laufzeiten zogen an: Zweijährige Anleihen rentierten mit 4,889 Prozent, 30-jährige mit 5,398 Prozent.
Am Donnerstagmorgen notiert die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sogar bei 5,114 Prozent (Stand: 07:25 Uhr MESZ).
Zu den Auslösern zählten überraschend starke US-Konjunkturdaten. Der Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen stieg im September auf 58,7 Punkte, der für die Industrie erreichte 56,7 Punkte. Fed-Direktor Michael Barr hielt zudem weitere geldpolitische Schritte zur Eindämmung der Inflation für wahrscheinlich. Laut dem FedWatch-Tool stieg die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinserhöhung im Oktober auf 70,9 Prozent, nach 66 Prozent am Vortag.
Zusätzlichen Druck brachte eine Auktion fünfjähriger US-Staatsanleihen, bei der die Nachfrage schwach ausfiel.
"Die Zinsen steigen wieder. Der Ausverkauf bei Renten geht weiter. Die Angst ist zurück", schreibt Thomas Altmann von QC Partners. Neue Wirtschaftsdaten zeigten, dass die Volkswirtschaften das höhere Zinsniveau bislang gut verkraften. Hinzu kommen Inflationssorgen aufgrund der Überlegungen der USA, Dieselausfuhren zu stoppen.
Laut Altmann preisen die Märkte inzwischen drei bis vier weitere Zinserhöhungen in den USA bis Ende 2027 ein. Für die EZB seien es sogar fünf Anhebungen binnen zwölf Monaten. Ob diese Schritte tatsächlich kommen, sei offen. Die Rendite fünfjähriger Bundesanleihen erreichte am Mittwoch bereits ein neues 18-Jahres-Hoch.
Japans Anleiherendite steigt auf den höchsten Stand seit 1996
Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen stieg am Donnerstag um zehn Basispunkte auf 3,075 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 1996, wie Bloomberg berichtet. Nach einer dreitägigen Feiertagspause erfasste der weltweite Ausverkauf am Anleihemarkt nun auch Japan. Die Rendite fünfjähriger Papiere legte um 9,5 Basispunkte auf 2,37 Prozent zu.
Druck kam aus den USA: Robuste Konjunkturdaten und eine schwach nachgefragte Anleiheauktion trieben die Renditen dort nach oben. Steigende Ölpreise verstärkten die Inflationssorgen. In Japan hatte die Notenbank am vergangenen Freitag ihren Leitzins erhöht und weitere Zinsschritte offengelassen.
Hinzu kommt die Sorge, dass die Bank of Japan bei der Inflationsbekämpfung zu zögerlich vorgehen könnte. Auch mögliche zusätzliche Staatsausgaben beschäftigen die Anleger: Laut Bloomberg erwägt die Regierung ein mittelfristiges Verteidigungsausgabenziel von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Offen ist jedoch, wie diese höheren Ausgaben finanziert werden sollen.
Ölpreise geben am Donnerstagmorgen etwas nach
Die Ölpreise sind am Donnerstagmorgen leicht gesunken. Brent zur Lieferung im November fällt um 0,81 Prozent auf 102,25 US-Dollar je Barrel. US-Öl der Sorte WTI kostet mit 91,45 US-Dollar je Barrel 0,77 Prozent weniger.
Im Fokus steht ein Bericht über steigende Rohölimporte in Asien. Demnach dürfte die Region im September täglich 23,96 Millionen Barrel einführen, nach 23,38 Millionen Barrel im August. Das wäre laut Reuters und Daten des Analysehauses Kpler der höchste Wert seit Februar. Trotz dieser Erholung liegen die Importe noch rund 13 Prozent unter dem Niveau vor dem Iran-Krieg.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran halten unterdessen an. Vor der UN-Vollversammlung warf Irans Präsident Masud Pezeshkian den USA und Israel vor, die weltweite Instabilität zu verschärfen, und kündigte weiteren Widerstand an. Das Risiko neuer Störungen der Ölversorgung bleibt damit bestehen.
Nach einer ruhigeren Phase waren die Ölpreise am Mittwoch wieder deutlich gestiegen. Zuvor war in der Straße von Hormus erneut ein Frachtschiff unter Beschuss geraten. Der Iran machte eine mögliche Öffnung der Meerenge in Gesprächen mit den USA von Bedingungen abhängig.
DAX weitet Korrektur aus
Der DAX dürfte am Donnerstag mit Verlusten in den Handel starten. "Rund zweieinhalb Stunden vor Xetra-Start taxierte der Broker IG den Leitindex auf 25.330 Punkte – ein Minus von 0,3 Prozent. Damit würde sich die Korrektur vom Vortag zunächst fortsetzen.
Die vorbörsliche Indikation liegt mit 25.330 Punkten nur knapp über der 100-Tage-Linie bei 25.319 Punkten. In der vergangenen Woche war der DAX zeitweise unter diese Marke gefallen, hatte sich anschließend jedoch wieder erholt.
Wall Street unter Druck
Die US-Börsen schlossen am Mittwoch ebenfalls mit Verlusten. Der Dow Jones gab um 0,7 Prozent nach, der S&P 500 um 0,8 Prozent. Der Nasdaq 100 verlor 1,1 Prozent, obwohl er am Dienstag noch ein Rekordhoch erreicht hatte.
Trump und Xi im Fokus
Am Donnerstag richtet sich der Blick der Anleger nach Washington. Dort treffen US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping aufeinander. Noch vor dem Gipfel verkündete US-Finanzminister Steven Mnuchin eine Verlängerung der Zollpause: Das bislang bis zum 10. November befristete Abkommen im Handelsstreit soll nun bis zum 10. Januar gelten.
Bessent hatte zuvor mit Chinas Vizeregierungschef He Lifeng gesprochen. Beide Seiten loten nach seinen Worten aus, ob ein größeres Abkommen möglich ist. Für Anleger stehen neben den Zöllen auch künstliche Intelligenz, Technologieexporte und geopolitische Fragen im Fokus.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

