Kartoffelpreise explodieren: Ernteausfall trifft auf leeren Terminmarkt
### Kartoffelmarkt ohne Terminbörse: Ernteausfall treibt Preise
Der europäische Kartoffelmarkt steht vor einer ungewöhnlichen Belastungsprobe: Eine voraussichtlich deutlich schwächere Ernte trifft auf einen Terminmarkt, der als Absicherungsinstrument weggefallen ist. Damit fehlt Produzenten und Verarbeitern ein wichtiges Werkzeug, um Preisrisiken frühzeitig zu begrenzen. Die Folge ist eine stärkere Abhängigkeit vom Kassamarkt – und damit von den Preisen, die sich unmittelbar aus Angebot und Nachfrage ergeben.
Ursache der erwarteten Ernteausfälle sind vor allem die sommerlichen Hitzewellen. Kartoffelpflanzen reagieren empfindlich auf Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius. In diesem Jahr wurden im Durchschnitt rund 22 solcher Sommertage registriert, hinzu kamen etwa fünf Tage mit mindestens 35 Grad. Zum Vergleich: 2025 gab es durchschnittlich nur 11,1 heiße Tage.
Nach der außergewöhnlich guten Vorjahresernte fällt der Kontrast besonders deutlich aus. Deutschland produzierte 2025 rund 13,9 Millionen Tonnen Kartoffeln – gut neun Prozent mehr als 2024 und rund 21 Prozent mehr als im Mittel der Jahre 2019 bis 2024. Für das laufende Jahr schätzt die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft die deutsche Ernte dagegen nur noch auf etwa 10,6 Millionen Tonnen. Auch in Frankreich, Belgien und den Niederlanden zeichnet sich ein Defizit ab. Für diese vier wichtigen Anbauländer wird eine Produktion von 19,5 bis 20,5 Millionen Tonnen erwartet, nach 27,3 Millionen Tonnen im Vorjahr.
Der Markt reagiert mit kräftigen Preisaufschlägen. In Hessen kosteten festkochende konventionelle Kartoffeln Anfang September durchschnittlich 37 Euro je 100 Kilogramm, gegenüber 17,25 Euro ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Anstieg von rund 114 Prozent. Besonders drastisch ist die Entwicklung bei Verarbeitungskartoffeln für Pommes, Chips und Tiefkühlprodukte. In Teilen Europas werden neue Kartoffeln inzwischen mit bis zu 250 Euro je Tonne gehandelt – nach etwa 30 Euro im Vorjahr.
Normalerweise könnten Verarbeiter und Landwirte solche Risiken über Futures steuern. Ein Pommeshersteller, der in sechs Monaten 10.000 Tonnen benötigt, könnte sich den Einkaufspreis sichern. Ein Landwirt könnte umgekehrt einen erwarteten Verkaufspreis festschreiben. Doch der europäische Future für Verarbeitungskartoffeln wurde mangels Liquidität geschlossen. Der letzte Juni-Kontrakt lag bei lediglich 14 Euro je Tonne.
Damit verschwindet nicht nur ein Handelsplatz, sondern auch ein wichtiges Preissignal. Unternehmen müssen stärker auf bilaterale Verträge, Lagerbestände und kurzfristige Kassageschäfte zurückgreifen. Die hohe Vorjahresernte dürfte die Versorgung zwar bis Weihnachten stützen. Danach könnten die Preise jedoch weiter steigen – mit Folgen für die gesamte Lebensmittelindustrie und letztlich für die Verbraucher.
Weizen wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,71 % und einem Kurs von 699,1PKT auf Ariva Indikation (23. September 2026, 21:59 Uhr) gehandelt.
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