VW unter Druck: Drohen 50.000 weitere Stellenstreichungen?
Volkswagen steht vor einer schwierigen strategischen und finanziellen Bewährungsprobe. Das US-Analysehaus Bernstein Research bewertet die Aktie weiterhin mit „Market-Perform“ und belässt das Kursziel bei 100 Euro. Zwar gelten chinesische Automarken in Europa zunehmend als existenzielle Bedrohung für etablierte Hersteller. Bernstein-Analyst Stephen Reitman warnt jedoch vor einer überzogenen Wahrnehmung: Chinesische Wettbewerber seien nicht die erste asiatische Herausforderung für Europas Autobauer. Unter den Volumenherstellern hätten bislang vor allem die Marken des Stellantis-Konzerns Marktanteile an chinesische Anbieter verloren. Volkswagen, Renault, BMW und Mercedes-Benz behaupteten sich bislang besser als von vielen Investoren angenommen.
Gleichzeitig verschärft Volkswagen den Sparkurs. Thomas Schäfer, Chef der Kernmarke Volkswagen, kündigte bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg an, das laufende Performance-Programm deutlich auszuweiten. Das Unternehmen habe „absolut keine Zeit zu verlieren“. Die Ende 2024 vereinbarten Maßnahmen reichten nach Schäfers Einschätzung nicht aus. Im Mittelpunkt stehen der Abbau von Überkapazitäten, niedrigere Arbeitskosten und geringere Entwicklungsausgaben. In Deutschland wurden bereits rund 16.300 Austritte vollzogen; insgesamt sind bis 2030 knapp 28.800 Stellenstreichungen vereinbart. Das Ziel der Kernmarke liegt bei 35.000 weniger Arbeitsplätzen in Deutschland.
Nach Informationen der Arbeitnehmerseite erwägt der Konzernvorstand darüber hinaus den Abbau von weltweit rund 50.000 Stellen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Betriebsratschefin Daniela Cavallo warnt vor einer weiteren Verschärfung und stellt infrage, ob sich ein solcher Stellenabbau allein über Altersteilzeit und Aufhebungsverträge sozialverträglich umsetzen lässt. Die Beschäftigungssicherung bei der Volkswagen AG gilt zwar bis Ende 2030, doch die Arbeitnehmervertretung sieht die industrielle Zukunft mehrerer Standorte gefährdet.
Auch die anstehende Tarifrunde dürfte konfliktträchtig werden. Die IG Metall fordert für rund 130.000 Beschäftigte fünf Prozent mehr Geld sowie eine soziale Komponente für niedrige Entgeltgruppen. Der Haustarifvertrag läuft Ende Dezember aus, ab Januar sind Warnstreiks möglich. Die Gewerkschaft verlangt zudem verbindliche Perspektiven für die deutschen Werke über 2030 hinaus. Sie verweist auf frühere Einschnitte bei Beschäftigten und Belegschaftsleistungen sowie auf hohe Ausschüttungen an Aktionäre.
Operativ belastet Volkswagen die schwache Entwicklung in China, milliardenschwere Abschreibungen – unter anderem auf Porsche – und die geringe Profitabilität von Elektrofahrzeugen. Zugleich steigt die Nachfrage nach E-Autos in Deutschland und Europa. Deshalb werden geplante Sonderschichten für Verbrennermodelle in Wolfsburg gestrichen, während die Produktion in auf Elektromobilität ausgerichteten Werken wie Emden steigen soll. Die DZ Bank senkte derweil den fairen Wert der Aktie von 75 auf 73 Euro und bekräftigte ihre „Halten“-Einstufung.
Die Volkswagen (VW) Vz Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,08 % und einem Kurs von 72,72EUR auf Lang & Schwarz (24. September 2026, 07:44 Uhr) gehandelt.
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