Mercedes verschärft Sparkurs: Zwei deutsche Werke droht das Aus
**Mercedes verschärft Spardruck: Zwei deutsche Werke stehen zur Disposition**
Mercedes-Benz erhöht den Druck auf Beschäftigte und Tarifpartner. Produktionsvorstand Michael Schiebe kündigte nach Unternehmensangaben auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen an, dass der Autobauer zwei deutsche Standorte schließen müsse, falls die Kosten am Heimatstandort nicht deutlich sinken. Betroffen wären ein Montagewerk sowie ein Powertrainwerk, also ein Standort für die Herstellung von Antriebskomponenten.
Schiebe betonte zugleich, Mercedes wolle grundsätzlich alle deutschen Werke erhalten. Dafür müsse man sich jedoch auf „für alle verträgliche Maßnahmen“ zur Kostensenkung einigen. Welche konkreten Standorte im Fall eines Scheiterns gefährdet wären, ließ das Unternehmen offen. Mercedes betreibt Montagewerke in Sindelfingen, Rastatt und Bremen. Bei den Powertrainstandorten handelt es sich unter anderem um Stuttgart-Untertürkheim, Affalterbach, Berlin, Hamburg, Kamenz sowie Kölleda und Arnstadt.
Die Ankündigung erfolgte am selben Tag, an dem sich in Sindelfingen rund 20.000 Beschäftigte an einem Aktionstag der IG Metall beteiligten. Sie protestierten gegen drohenden Stellenabbau und weitere Einschnitte. Mercedes hatte seinen Sparkurs zuletzt verschärft und eine „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ angekündigt. In einem Schreiben an die Beschäftigten war unter anderem vorgeschlagen worden, für dasselbe Entgelt länger beziehungsweise mehr zu arbeiten.
Rückendeckung erhält der Konzern teilweise von der Arbeitgeberseite. Peter Sebastian Krause, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, forderte mit Blick auf die kommende Tarifrunde, auch über längere Arbeitszeiten zu verhandeln. Eine pauschale Abschaffung der 35-Stunden-Woche sei nicht notwendig. Die Tarifverträge müssten jedoch größere Spielräume schaffen, damit Unternehmen ihre Kosten senken und Investitionen in Deutschland sichern könnten. Die IG Metall lehnt eine Aufweichung der 35-Stunden-Woche bislang ab.
Parallel setzt Mercedes sein Aktienrückkaufprogramm fort. Zwischen dem 14. und 18. September 2026 erwarb der Konzern 475.000 eigene Aktien zu durchschnittlichen Kursen zwischen 44,93 und 46,62 Euro. Seit Beginn des Programms am 1. September summierten sich die Rückkäufe bis zum 18. September auf 2,08 Millionen Aktien.
In Anlegerforen wird die Entwicklung kontrovers diskutiert. Während einzelne Investoren trotz des niedrigen Aktienkurses umfangreiche Positionen aufgebaut haben, verweisen andere auf strukturelle Risiken: den wachsenden Wettbewerb chinesischer Hersteller, veränderte Marktanteile, die schwache Stellung deutscher Marken in den USA und die Belastungen durch die US-Zollpolitik. Die Debatte macht deutlich, dass Mercedes nicht nur vor einem Kostenproblem steht. Der Konzern muss zugleich seine Wettbewerbsfähigkeit in einem weltweit grundlegend veränderten Automobilmarkt sichern.
Die Mercedes-Benz Group Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,24 % und einem Kurs von 42,04EUR auf Lang & Schwarz (24. September 2026, 07:46 Uhr) gehandelt.
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