Zuckerbergs "Tamagotchi"
Meta greift Apple an: Dieses Mini-Gerät soll das Smartphone umgehen
Mark Zuckerberg zieht ein Gerät im Taschenuhrformat aus der Tasche. Es soll Apple und Google umgehen. Die Meta-Aktie steuert auf ihren besten Monat seit 2013 zu. Doch ein gescheiterter Vorgänger lässt Fachleute zweifeln.
- Meta präsentiert den taschenuhrgroßen Muse Charm
- Meta will Apple und Google mit Muse umgehen
- Gescheiterte Vorgänger bremsen die Erwartungen
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Mark Zuckerberg hob sich die größte Überraschung bis zum Schluss auf. Auf der Konferenz Meta Connect teilte der Konzernchef am Mittwoch zunächst mehrfach gegen Apple aus. Dann bediente er sich im Drehbuch von Steve Jobs und zog den "Muse Charm" aus der Tasche. Das Gerät ist kaum größer als eine Taschenuhr.
Es genügt ein Tippen, um direkt mit dem Assistenten Muse zu sprechen. Apps auf dem iPhone oder einem Android-Handy bleiben außen vor. Meta will den Charm zur Weihnachtssaison ausliefern. Einen Preis nannte das Unternehmen noch nicht.
Superintelligenz statt Metaversum
Seit Jahren will Meta sich mit einer eigenen Plattform von Apple und Google lösen. Der erste Anlauf ging schief: 2021 rief Zuckerberg das Metaversum als nächste Computerplattform aus und benannte den Konzern danach um. Die Wette verschlang Milliarden.
Heute setzt er auf "persönliche Superintelligenz". Sie werde nicht nur zuerst kommen, sondern auch "viel größer und wichtiger sein", sagte Zuckerberg. Deshalb konzentriere sich Meta nun darauf, die besten Geräte dafür zu bauen. Muse soll bald auch auf allen smarten Brillen des Konzerns laufen.
Gewinner und Verlierer an der Börse
Der Auftritt folgt auf zwei turbulente Wochen. Seit dem Start Anfang September luden Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten und Kanada die App herunter. Einige Analysten sprechen vom größten App-Start in den Vereinigten Staaten seit ChatGPT im November 2022.
Muse soll Flüge reservieren, Einkäufe erledigen und die Steuererklärung übernehmen. Anlegerinnen und Anleger sortieren deshalb Gewinner und Verlierer neu. Shopify bindet seinen Bezahldienst an Muse an. Die Aktie sprang um 7,3 Prozent. Booking verlor am Mittwoch dagegen mehr als fünf Prozent. Auch Intuit, der Entwickler der Steuersoftware TurboTax, geriet unter Druck.
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Meta selbst gewann am Montag 11,3 Prozent und gewann im Laufe der Woche weiter zu. Das Papier steuert auf den stärksten Monat seit Juli 2013 zu. Nach der Präsentation bröckelte der Kurs nachbörslich leicht ab, denn Gene Munster von Deepwater Asset Management vermisste handfeste Nutzerzahlen.
Ein Tamagotchi für die Generation Z
Analysten trauen dem Charm vor allem bei den 14- bis 29-Jährigen etwas zu. Digitalkameras und Klapphandys erleben bei ihnen ein nostalgisches Comeback. Zudem sieht die Generation Z in digitalen Assistenten eher Begleiter als Suchmaschinen.
Das Gerät besitzt einen rund fünf Zentimeter großen Bildschirm mit einer anpassbaren Muse-Figur. Telefonieren lässt sich damit nicht. Jitesh Ubrani vom Marktforscher International Data Corporation fühlt sich Reuters zufolge an das Tamagotchi der späten 1990er Jahre erinnert. Der Charm spreche Menschen an, die keine Brille tragen wollten.
Die Vorbilder machen wenig Mut
Ähnliche Geräte floppten bislang. Das Rabbit R1 sorgte Anfang 2024 für Furore und enttäuschte dann mit unzuverlässiger Technik. Linda Sui, Gründerin des Marktforschers Smart Analytics Global, tritt deshalb auf die Bremse. "Ich wäre vorsichtig, was das Potenzial für den Massenmarkt angeht", zitiert sie Reuters. Ohne einzigartige Funktionen bleibe der Charm ein nettes Extra für Technikpioniere. Gegenwind kommt zudem von Amazon. Der Onlineriese sperrte Muse vor wenigen Tagen aus seinem Shop aus.
Teure Wette auf künstliche Intelligenz
Muse soll zeigen, wofür Meta Rekordsummen ausgibt. Für 2026 plant der Konzern Investitionen von bis zu 145 Milliarden US-Dollar. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn fiel wegen der hohen Kosten jedoch um 14 Prozent. Mit knapp dem 28-Fachen des Gewinns ist die Aktie nicht mehr günstig.
Fazit
Muse liefert Meta eine greifbare Geschichte für die gewaltigen Investitionen. Der Charm selbst dürfte finanziell kaum ins Gewicht fallen. Entscheidend bleibt, ob Muse die Menschen dauerhaft bindet und Umsatz bringt. Die Börse hat davon bereits viel eingepreist. Wer neu einsteigen will, könnte mit Geduld auf Rücksetzer besser fahren.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
