Unfassbarer Absturz
Aktie einstellig – dass es so schlimm kommen würde, konnte niemand vorhersehen!
Solar-Aktien befinden sich wieder einmal im freien Fall. Besonders dramatisch ist die Lage jetzt beim chinesischen Solarmodulhersteller JinkoSolar
- Solarbranche leidet unter Zinsen und Überangebot
- JinkoSolar fällt nach hohen Verlusten einstellig
- Solar-Anleger setzen besser auf First Solar
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Eigentlich spricht jetzt alle für die Solarbranche ...
Explodierende Öl-, Benzin- und Dieselpreise, eine weltweite Versorgungskrise und ein Krieg, für den sich nach wie vor keine Lösung abzeichnet – eigentlich sollte das genau jenes Marktumfeld sein, in dem die Erzeuger Erneuerbarer Energien und ihre Zulieferer brillieren können.
Doch insbesondere in der Solarbranche wird gegenwärtig ein anderes Szenario gespielt. Die stark gestiegenen Anleiherenditen verteuern neue Projekte und sorgen für sinkende Kapitalrenditen von Solarparks. Gleichzeitig herrschen insbesondere in der Modulherstellung Überkapazitäten und wachsende Handelshemmnisse, wie die US-Importzölle. Vor allem chinesische Hersteller liefern sich inzwischen einen ruinösen Verdrängungswettbewerb.
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... doch die befindet sich in einer tiefen Krise
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr notiert der Branchen-ETF Invesco Solar zwar noch mit einem Plus von 6,3 Prozent, doch mit Verlusten von 8,3 Prozent seit dem Jahresauftakt und von 40,4 Prozent gegenüber dem Jahreshoch steht der ETF stellvertretend für die Krise der Branche.
Doch mit dem chinesischen Solarmodulhersteller JinkoSolar hat es einen bei Anlegerinnen und Anlegern lange Zeit beliebt Wert besonders hart getroffen. Nach haarsträubenden Verlusten von fast 60 Prozent in den zurückliegenden 12 Monaten ist die Aktie am Mittwoch in der Einstelligkeit angekommen. Zum ersten Mal seit Dezember 2018 notierten die Anteile unter 10 US-Dollar.
Vor allem JinkoSolar leidet – Kurs jetzt einstellig
Die schwache Performance ist durchaus überraschend, denn JinkoSolar ist nach ausgelieferter Leistung einer der größten Solarmodulhersteller der Welt und zählt mit seinen Technologien und einem besonders hohen Wirkungsgrad seiner Zellen zu den Innovationsführern in der Branche.
Allerdings hat sich die Ertragslage in den zurückliegenden Quartalen gravierend verschlechtert. Im zurückliegenden Vierteljahr verfehlte JinkoSolar die Umsatzerwartungen mit 1,82 Milliarden US-Dollar um 260 Millionen US-Dollar, während der Verlust pro Aktie 1,94 US-Dollar betrug. Insgesamt erlitt das Unternehmen einen Nettoverlust in Höhe von 102,7 Millionen US-Dollar. Der operative Verlust lag sogar mehr als doppelt so hoch.
Dadurch wiegt die inzwischen auf deutlich mehr als 3 Milliarden US-Dollar angewachsene Nettoverschuldung umso schwerer. Rasche Verbesserung versprach das Unternehmen nicht. Stattdessen wurde ohne jede Erklärung der CEO ausgetauscht. JinkoSolar steht jetzt der frühere Manager für strategische Investments Wei Du vor.
Analystinnen und Analysten haben ihre Erwartungen für eine Erholung der Ertragslage inzwischen weit nach hinten verschoben. Wurde ursprünglich damit gerechnet, dass JinkoSolar, 2026 mit einem Gewinn abschließen könnte, sieht der neue Fahrplan der Wall Street Gewinne erst ab dem Geschäftsjahr 2028 wieder vor. Für 2027 wird ein geringfügiges Minus von 0,06 US-Dollar je Aktie erwartet, dementsprechend stark sind auch die Kursziele gesunken.
Kaum Aussichten auf Besserung
Der Chart liefert ein Bild des Grauens – ein Minus von 60 Prozent in einem Jahr lässt kaum ein Stein auf dem anderen. Nach dem Unterschreiten der gleitenden Durchschnitte fielen die wenigen noch verbliebenen Unterstützungen bei 20 und 15 US-Dollar. Seither ging es ungebremst in Richtung 10 US-Dollar, welche am Mittwoch unterschritten wurden. Damit liegen erneut Mehrjahrestiefs und entsprechend starke Verkaufssignale vor.
Indizien für eine Trendwende gibt es unterdessen nur wenige. Zwar liegt im Relative-Stärke-Index (RSI) eine klar erkennbare Bodenbildung im Bereich überverkaufter Zustände vor, doch es fehlt sowohl im RSI als auch im Trendstärkeindikator MACD an echten bullishen Divergenzen. Selbst ein Anstieg über die Signallinie wollte dem MACD noch nicht gelingen. Ein solcher würde zumindest ein Nachlassen der Verkaufsdynamik anzeigen. Damit bleiben der Ausblick trist und die Weichen gestellt für weitere Kursverluste – erst recht, wenn die Anleiherenditen anhaltend hoch bleiben sollten.

wallstreetONLINE RedaktionProfiteur der Energiekrise
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Fazit: Wer Solar will, sollte auf die Alternativen setzen
Obwohl Solarstrom bei guten Standortbedingungen eine der günstigsten Stromerzeugungsarten ist, kann die Solarbranche und insbesondere Modulhersteller von den gegenwärtig hohen Energiepreisen nicht profitieren. Vor allem chinesische Fertiger wie JinkoSolar leiden unter Überkapazitäten, Handelshemmnissen und hohe Anleiherenditen – günstige Stromerzeugungskosten nutzen nichts, wenn die Finanzierung von Solarparks keine ausreichend hohen Kapitalrenditen verspricht.
Ein schnelles Ende der Krise ist nicht abzusehen, daher sollten Anlegerinnen und Anleger die Aktie meiden, auch wenn inzwischen einstellige Kursniveaus locken. Wer auf günstigen Solarstrom setzen möchte, sollte das entweder mit der Aktie des spanischen Spezialisten Solaria Energía oder dem US-Solarmodulhersteller First Solar tun. Dessen Geschäft wird durch Importzölle auf im Ausland gefertigte Module sowie Steuervergünstigungen geschützt.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


