Schnelle Lieferungen
Amazon greift an: Diese Milliarden-Wette soll den Rückstand aufholen
Amazon will bis 2030 rund 3 Milliarden US-Dollar in den indischen Schnellliefermarkt stecken. Damit soll der Konzern zu den Marktführern aufschließen.
- Amazon investiert bis 2030 drei Milliarden Dollar
- Amazon plant bis April 1.300 eigene Standorte
- Amazon hält 6,2 Prozent und liegt weit zurück
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Amazon will im indischen Schnellliefergeschäft deutlich zulegen und dafür Milliarden investieren. Nach Informationen von Reuters plant der US-Konzern, bis 2030 insgesamt 3 Milliarden US-Dollar in den sogenannten Quick-Commerce-Markt zu stecken. Damit will Amazon gegenüber den bereits etablierten Konkurrenten aufholen.
Amazon nimmt Milliarden in die Hand
Zwei mit den Plänen vertraute Personen sagten Reuters, dass zunächst bis Ende 2027 rund 1 Milliarde US-Dollar fließen soll. Weitere 2 Milliarden US-Dollar sind bis 2030 vorgesehen. Amazon selbst wollte sich Reuters gegenüber zu den konkreten Investitionsplänen nicht äußern.
Der Konzern betonte jedoch, dass sein Schnellliefergeschäft zuletzt stark gewachsen sei. Amazon Now habe in den vergangenen drei Monaten einen annualisierten Bruttoumsatz von mehr als 1 Milliarde US-Dollar erzielt. Damit sei es das am schnellsten wachsende E-Commerce-Geschäft in der Geschichte von Amazon Indien.
Ein großer Teil des Kapitals soll in zusätzliche kleine Lagerhäuser in Wohnvierteln fließen. Von diesen sogenannten Dark Stores aus kann Amazon Bestellungen besonders schnell ausliefern. "Expansion braucht Geld", sagte eine der Quellen.
Amazon liegt deutlich hinter der Konkurrenz
Der indische Quick-Commerce-Markt soll laut Datum Intelligence derzeit rund 19 Milliarden US-Dollar groß sein. Bis 2030 könnte er auf 41 Milliarden US-Dollar wachsen.
Amazon kommt bislang allerdings nur auf einen Marktanteil von 6,2 Prozent. Marktführer sind Blinkit, Swiggy und Zepto. Gemeinsam kontrollieren die 3 Anbieter laut Datum Intelligence rund 77 Prozent des Marktes und betreiben mehr als 4.500 Standorte. Walmart-Tochter Flipkart kommt auf mehr als 1.000 Standorte und einen Marktanteil von 11 Prozent.
Amazon will die Zahl seiner eigenen Standorte dennoch schnell erhöhen. Laut einer der Quellen soll das Netzwerk bis April kommenden Jahres von derzeit rund 750 auf etwa 1.300 Standorte wachsen.
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Fokus auf Alltagsprodukte und künstliche Intelligenz
Amazon will neben neuen Lagern auch in die Bestandsverwaltung, künstliche Intelligenz zur Nachfrageprognose und ein größeres Produktsortiment investieren. Im Mittelpunkt sollen vor allem regelmäßig gekaufte Dinge des täglichen Bedarfs stehen.
"Wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Bestellung wiederholt wird, plant Amazon derzeit nicht, den Artikel im Quick-Commerce-Angebot vorrätig zu halten", erklärte eine der Quellen. Deshalb verkauft Amazon Now beispielsweise keine iPhones, obwohl Wettbewerber solche Produkte anbieten.
Satish Meena, Gründer von Datum Intelligence, sieht für Amazon dennoch Chancen. "Es hat einige Zeit gedauert, bis Amazon sich dazu entschlossen hat. Man scheint erkannt zu haben, dass dies ein Modell ist, in das man investieren muss", sagte er Reuters.
Gleichzeitig bleibt der Markt herausfordernd. Bernstein warnte im Juli, dass Lebensmittel allein wegen der niedrigen durchschnittlichen Bestellwerte die hohen Kosten des Schnellliefergeschäfts kaum decken dürften. Höherpreisige Produkte außerhalb des Lebensmittelbereichs bieten demnach attraktivere Margen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

