Zwischen Hoffnung und Risiko
Von der Forschung bis zur Diagnose: So verändert KI die Medizin
KI soll Wirkstoffe schneller entwickeln, Diagnosen verbessern und Ärzte unterstützen. Doch eine Studie von Blue Cross zeigt auch die Risiken des Booms.
- KI beschleunigt Wirkstoffentwicklung und Diagnosen
- Pharma investiert Milliarden in KI-Forschung
- KI kann Fehlanreize und zusätzliche Kosten fördern
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Künstliche Intelligenz könnte die Medizin grundlegend verändern. Pharmaunternehmen setzen zunehmend auf die Technologie, um Wirkstoffe schneller zu entwickeln, biologische Zusammenhänge besser zu verstehen und die medizinische Versorgung effizienter zu machen. Für Anleger eröffnet sich damit ein weiterer Milliardenmarkt rund um die KI-Revolution.
Doch der Einsatz der Technologie bringt nicht nur Chancen. Eine aktuelle Studie der Blue Cross Blue Shield Association zeigt, dass KI auch Fehlanreize im Gesundheitssystem verstärken könnte.
Pharma setzt auf KI-Forschung
Wie groß das Potenzial ist, zeigt der Blick auf die Pharmabranche. Eli Lilly will gemeinsam mit NVIDIA über fünf Jahre bis zu 1 Milliarde US-Dollar in ein neues KI-Zentrum in San Francisco investieren. Ziel ist es, mithilfe von KI und großen Datenmengen die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen.
"Indem wir Spitzenkräfte in einem Startup-Umfeld zusammenbringen, schaffen wir die Voraussetzungen für bahnbrechende Durchbrüche, die keines der beiden Unternehmen allein erreichen könnte", sagte Lilly-Chef David A. Ricks.
Auch Novo Nordisk baut seine KI-Strategie aus. Der Konzern arbeitet mit Anthropic zusammen und will deren KI-Modelle unter anderem für Forschung, Entwicklung und die Analyse komplexer biologischer Fragestellungen einsetzen. CEO Mike Doustdar sieht darin die Möglichkeit, die Produktivität in der Forschung zu steigern und den Weg von der Entdeckung eines Wirkstoffs bis zum fertigen Medikament zu verkürzen.
Zu den weiteren Pharmakonzernen, die KI in der Entwicklung neuer Wirkstoffe einsetzen, zählen unter anderem Bayer, Sanofi und AstraZeneca.
Anthropic geht sogar ins Labor
Anthropic treibt die Entwicklung noch weiter. Das KI-Unternehmen hat im Raum San Francisco ein eigenes Labor für biologische Forschung aufgebaut. Dort soll KI nicht mehr nur am Computer eingesetzt werden. Die Technologie soll zunehmend auch reale Experimente unterstützen und teilweise automatisieren.
"Wir sind der Meinung, dass der entscheidende Maßstab für die Biologie nach wie vor – und noch für einige Zeit – die praktische Arbeit im Labor ist", sagte Eric Kauderer-Abrams, Leiter der Life-Sciences-Sparte von Anthropic, gegenüber Reuters.
Das Unternehmen sieht insbesondere bei Krankheiten Potenzial, für die bislang kaum Behandlungsmöglichkeiten existieren. Gleichzeitig betont Anthropic, dass man vorerst nicht mit Pharmaunternehmen um die Entwicklung und Vermarktung konkreter Medikamente konkurrieren wolle.
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KI kann auch Kosten treiben
Dass der KI-Einsatz im Gesundheitswesen nicht automatisch positive Folgen hat, zeigt eine Studie der Blue Cross Blue Shield Association. Demnach trugen intensivere dokumentierte Behandlungen zwischen 2024 und 2025 zu zusätzlichen Kosten von insgesamt 942 Millionen US-Dollar für die angeschlossenen Versicherer bei.
Die Organisation führt einen Teil des Anstiegs darauf zurück, dass medizinische Anbieter mithilfe von KI zusätzliche Begleiterkrankungen in Patientenakten identifizieren. Dadurch können Behandlungen als komplexer eingestuft und höher vergütet werden.
"Die Diskrepanz zwischen Diagnosen und Behandlungen lässt vermuten, dass die KI eher abrechnungsfähige Erkrankungen identifiziert und nicht kränkere Patienten", sagte Luke Chalker von der Blue Cross Blue Shield Association.
Damit wird deutlich: Für Pharma- und Medizintechnikunternehmen kann KI ein wichtiger Wachstumstreiber werden. Gleichzeitig entscheidet ihre konkrete Anwendung darüber, ob die Technologie tatsächlich bessere Medizin ermöglicht – oder vor allem neue Kosten verursacht.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

