US-Schulden spitzen sich zu
Milliardenschwere Fed-Maßnahmen laufen ins Leere
Die Renditen für US-Staatsanleihen steigen trotz Eingriffen der Fed immer weiter. Über alle Laufzeiten hinweg senden die Treasuries gerade ein Warnsignal. Der Markt stellt die Finanzierung der US-Schulden infrage.
- US-Anleiherenditen steigen trotz Eingriffen weiter
- 30-jährige Rendite erreicht neues Rekordhoch
- Markt hinterfragt zunehmend US-Schuldenfinanzierung
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Die US-Notenbank und das Finanzministerium versuchen seit Monaten, den Druck am Anleihemarkt zu begrenzen. Doch die Maßnahmen zeigen bislang kaum nachhaltige Wirkung. Während die Federal Reserve über die Geldpolitik Einfluss auf die kurzfristigen Zinsen nimmt, steigen die Renditen am langen Ende auf immer neue Rekorde.
Ein besonders deutliches Warnsignal kommt von den 30-jährigen US-Staatsanleihen. Ihre Rendite stieg am Donnerstag auf rund 5,44 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten. Zuletzt lagen die langfristigen US-Renditen in den Jahren vor der Finanzkrise auf einem vergleichbaren Niveau. Der Anstieg zeigt, dass Anleger für die langfristige Finanzierung der Vereinigten Staaten eine deutlich höhere Entschädigung verlangen. Faktoren wie Inflation, Staatsverschuldung und die wachsende Menge neuer Anleihen, die der US-Staat finanzieren muss, bestimmen zunehmend den Markt.
Das US-Finanzministerium hat zuletzt sein Programm zum Rückkauf eigener Staatsanleihen von 2 Milliarden US-Dollar auf bis zu 6 Milliarden US-Dollar je Operation verdreifacht. Dabei sollen vor allem langlaufende Anleihen mit Laufzeiten von 20 bis 30 Jahren zurückgekauft werden. Die Idee dahinter ist, dass durch die Käufe die Liquidität am Markt verbessert und der Druck auf die langfristigen Renditen reduziert werden sollen. Doch bislang gelingt dies nicht, im Gegenteil, wie die Rekordrenditen zeigen. Denn der Markt wird von wesentlich größeren Kräften bewegt. Die Nachfrage nach langfristigen US-Anleihen wird durch mehrere Faktoren belastet. Dazu gehören die hohen Haushaltsdefizite, die steigende Staatsverschuldung und die Sorge, dass die USA dauerhaft mehr Kapital am Markt aufnehmen müssen.
Auch die Inflation spielt eine zentrale Rolle. Steigende Energiepreise haben zuletzt die Erwartungen an die Geldpolitik verändert. Anleger rechnen eher mit weiteren Zinserhöhungen als -senkungen und verlangen bei langfristigen Anleihen eine höhere Risikoprämie.
Besonders problematisch ist dabei die Entwicklung der Zinsstrukturkurve. Normalerweise liegen die Renditen langfristiger Anleihen deutlich über denen kurzfristiger Papiere. Anleger erhalten einen Aufschlag dafür, dass sie ihr Geld über Jahrzehnte verleihen. Um davon zu profitieren und sich günstiger zu finanzieren, hat die US-Regierung zuletzt hauptsächlich kürzer laufende Bonds ausgegeben und die Emission von Langläufern zurückgefahren.
Doch der Renditeabstand zwischen den Laufzeiten schrumpft immer weiter. Der Unterschied zwischen der Rendite zweijähriger und zehnjähriger US-Staatsanleihen ist von rund 73 Basispunkten im Februar auf etwa 22 Basispunkte gefallen. Noch stärker zeigt sich die Bewegung beim Vergleich zwischen zwei- und 30-jährigen Anleihen: Der Abstand sank von rund 140 Basispunkten zu Jahresbeginn auf nur noch etwa 50 Basispunkte.
Das ist ein Warnsignal für die Finanzierungskosten der USA. Denn der Staat kann sich kurzfristig kaum noch günstiger refinanzieren als langfristig. Egal zu welcher Laufzeit gegriffen wird, der Versuch, die Kosten zu senken, verpufft.
Während die USA also versuchen, über Rückkäufe und Kurzläufer ihre Schulden-Kosten zu reduzieren, entscheidet der Markt zunehmend selbst über die Höhe der Renditen und richtet sich dabei stärker nach den Erwartungen zu Wachstum, Inflation, Staatsfinanzen und der globalen Nachfrage nach US-Anleihen.
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Das ist für die weltgrößte Volkswirtschaft besonders problematisch, weil ihre Schuldenlast inzwischen enorm ist. Jede Erhöhung der durchschnittlichen Finanzierungskosten hat direkte Auswirkungen auf den Staatshaushalt. Bereits heute gehören die Zinsausgaben zu den größten Ausgabenposten des Bundes.
Der Anstieg der langfristigen Renditen bedeutet nicht, dass Investoren grundsätzlich das Vertrauen in US-Staatsanleihen verlieren. US-Treasuries bleiben einer der wichtigsten Märkte der Welt. Doch für Washington sollten die immer höheren Zinskosten ein Warnsignal sein. Sie zeigen, dass bislang alle Maßnahmen, die die Regierung und die Notenbank unternommen haben, um die Renditen niedrig zu halten, ins Leere gelaufen sind. Sie können die Entwicklung höchstens bremsen, aber nicht aufhalten oder gar umkehren. Weder die Fed noch die US-Regierung können dauerhaft gegen Marktkräfte ankämpfen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


