Milliarden-Investition
Afrikas Zukunft: Nigeria plant ein Energienetz für den ganzen Kontinent
Der Milliardär Aliko Dangote baut eine neue Raffinerie, aber sein Plan reicht weit über Nigeria hinaus: Ein Netz aus Fabriken, Pipelines und Energieinfrastruktur könnte Afrika wirtschaftlich verändern.
- Dangote plant Afrikas Industrie- und Energienetz
- Raffinerien sollen Afrikas Wertschöpfung steigern
- Kritik betrifft Machtkonzentration und Umweltrisiken
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Afrika besitzt riesige Rohstoffvorkommen, doch ein großer Teil der Wertschöpfung entsteht bis heute außerhalb des Kontinents. Rohöl, Metalle und Agrarrohstoffe werden exportiert, in den großen Industrienationen weiterverarbeitet und dann wieder teuer importiert. Der nigerianische Milliardär Aliko Dangote ist dabei, dieses Modell zu verändern. Er startete mit der ersten Raffinerie des Landes, seine Pläne gehen aber weit darüber hinaus: Er will ein Industrie- und Energienetzwerk aufbauen, das sich über große Teile Afrikas erstrecken könnte.
Der nächste große Schritt ist eine weitere Raffinerie, diesmal auf der anderen Seite des Kontinents, im kenianischen Lamu. Gemeinsam mit dem indischen Ingenieursunternehmen Engineers India will Dangote dort eine Anlage mit einer Kapazität von 700.000 Barrel pro Tag errichten. Die Kosten werden auf rund 16 Milliarden US-Dollar geschätzt. Sie soll nicht nur Kenia versorgen, sondern auch die Versorgung ostafrikanischer Länder verbessern.
Doch die Raffinerie ist nur ein Baustein eines deutlich größeren Plans. Dangote arbeitet an einem Netzwerk aus Pipelines, Häfen und Industrieanlagen, das verschiedene Regionen Afrikas verbinden könnte. Eine geplante Pipeline soll Lamu mit Äthiopien verbinden. Weitere Projekte könnten sogar ein mehrere tausend Kilometer langes Energie-Netz schaffen, das vom Osten bis in den Süden des Kontinents reicht.
Der Gedanke dahinter ist, dass Länder ohne direkten Zugang zu Ölraffinerien, Häfen oder Energieinfrastruktur künftig besser versorgt werden sollen. Gerade viele Binnenstaaten Afrikas sind heute stark von Importen abhängig, weil Transportwege teuer und bestehende Infrastrukturen unzureichend sind.

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Das Vorbild für Dangotes Expansion ist seine Raffinerie in Nigeria. Das Projekt nahe Lagos war eines der größten Industrievorhaben Afrikas. Rund 19 Milliarden US-Dollar investierte der Konzern in die Anlage, die mittlerweile eine Verarbeitungskapazität von 700.000 Barrel Rohöl pro Tag erreicht hat. Die Bedeutung für Nigeria ist enorm. Das Land ist einer der größten Ölproduzenten Afrikas, musste aber jahrzehntelang große Mengen Benzin und Diesel importieren, weil die eigenen Raffinerien kaum funktionierten. Nigeria verkaufte also Rohöl und kaufte anschließend verarbeitete Produkte teuer wieder ein.
Mit Dangotes Raffinerie soll sich dieses Muster ändern. Nigeria wurde erstmals seit langer Zeit zum Nettoexporteur von raffinierten Ölprodukten. Gleichzeitig entstehen neue Einnahmequellen: durch Verarbeitung, Logistik, Handel und petrochemische Produkte. Diese Strategie will Dangote nun auf weitere Regionen übertragen.
Der Mann hinter dem Milliardenprojekt
Aliko Dangote gehört seit Jahren zu den reichsten Menschen Afrikas. Sein Vermögen wird von Bloomberg auf mehr als 35 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der heute 69-Jährige begann in den 1970er-Jahren im Handel mit Rohstoffen wie Baumwolle, Kakao und Sesam. Aus einem kleinen Handelsunternehmen entwickelte er die Dangote Group, die später unter anderem in Zement (Dangote Cement), Zucker (Dangote Sugar Refinery), Lebensmittel (NASCON Allied Industries, alle drei notiert an der Nigerian Exchange) und schließlich Energie expandierte. Besonders erfolgreich war das Zementgeschäft. Dangote Cement wurde zum größten Zementproduzenten Afrikas. Sein Geschäftsmodell war dabei stets ähnlich: Produkte, die Afrika teuer importieren musste, sollten lokal produziert werden. Dieses Prinzip überträgt er nun auf die Energiebranche.
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Befürworter sehen in Dangotes Projekten einen möglichen Wendepunkt für die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents. Denn dadurch bleibt ein größerer Teil der Wertschöpfung in Afrika. Wenn Rohstoffe vor Ort verarbeitet werden, entstehen zusätzliche Arbeitsplätze, Unternehmen und Steuerzahlungen. Statt nur Rohöl zu exportieren, können Länder stärker an der gesamten Lieferkette verdienen. Hinzu kommt die Frage der Energieversorgung. Viele afrikanische Volkswirtschaften leiden unter instabiler Stromversorgung und hohen Energiekosten. Moderne Raffinerien, Pipelines und Industrieanlagen könnten langfristig die Grundlage für weitere Investitionen schaffen. Auch die regionale Zusammenarbeit könnte profitieren. Ein Energie-Netzwerk würde Länder wirtschaftlich stärker miteinander verbinden und könnte den Handel innerhalb Afrikas fördern.
Doch Dangotes Aufstieg bringt auch Kritik mit sich. Der Konzern kontrolliert bereits wichtige Bereiche der nigerianischen Wirtschaft. Kritiker warnen davor, dass aus einem notwendigen Aufbau von Industrie langfristig eine zu starke Konzentration wirtschaftlicher Macht entstehen könnte. Die Frage ist, ob Dangote wirklich eine neue afrikanische Industrieinfrastruktur aufbaut, von der auch andere profitieren können, oder ob lediglich ein gewaltiges privates Machtimperium entsteht.
Auch Umweltfragen spielen eine Rolle. Besonders das geplante Projekt in Kenia steht wegen der sensiblen Küstenregion von Lamu in der Kritik. Umweltorganisationen verweisen auf mögliche Risiken für Mangroven, Korallenriffe und die lokale Tierwelt und fordern zusätzliche Prüfungen. Zudem hängt der Erfolg des Projekts davon ab, ob andere Länder tatsächlich eingebunden werden. Dangote hat Regierungen Beteiligungen an der Raffinerie angeboten, doch nicht alle Staaten verfolgen dieselbe Strategie. Einige Länder prüfen eigene Energieprojekte oder alternative Standorte.
Aliko Dangote setzt mit seinen Investitionen auf eine langfristige Entwicklung: Afrika soll nicht länger nur Lieferant von Rohstoffen sein, sondern stärker selbst produzieren, verarbeiten und handeln. Ob diese Vision Realität wird, hängt von vielen Faktoren ab. Infrastruktur, politische Stabilität, Wettbewerb und Umweltauflagen werden entscheidend sein. In den nächsten vier Jahren will Dagote bis zu 50 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seines Geschäftsimperiums auf dem afrikanischen Kontinent investieren. Ob er damit den Beginn eines neuen afrikanischen Infrastrukturzeitalters einläutet, von der ganze Kontinent profitieren kann, oder sein Vermögen einfach verdoppelt und verdreifacht, werden die nächsten Jahre und Jahrzehnte zeigen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

