Deutsche Kauflaune stürzt ab
Konsum-Kollaps droht: Deutsche sparen so viel wie seit 2008 nicht mehr
Die Sorgen vor steigenden Energiepreisen belasten die Stimmung der deutschen Verbraucher. Das GfK-Konsumklima fällt deutlich stärker als erwartet und erreicht den tiefsten Stand seit Monaten.
- Konsumklima fällt auf tiefsten Stand seit Mai
- Energiepreise drücken Einkommenserwartungen stark
- Sparneigung steigt, größere Käufe werden verschoben
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Die Erholung der deutschen Verbraucherstimmung erhält einen deutlichen Dämpfer, wie Reuters berichtet. Der vom Nürnberger Institut für Marktentscheidungen (NIM) gemeinsam mit GfK ermittelte Konsumklimaindex fällt für Oktober auf minus 30,6 Punkte. Damit verschlechtert sich die Stimmung der Haushalte gegenüber dem Vormonat um 3,8 Punkte und erreicht den niedrigsten Stand seit Mai. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf etwa minus 27 Punkte gerechnet.
Hauptgrund für den Einbruch sind die Sorgen vor steigenden Energiekosten. Viele Verbraucher rechnen damit, dass höhere Preise für Strom, Gas und Kraftstoffe ihre Kaufkraft schmälern werden. Besonders stark verschlechterten sich deshalb die Einkommenserwartungen. Der entsprechende Indikator fiel um 16,7 Punkte auf minus 15,0 Punkte – den schwächsten Wert seit April. "Die Mehrheit der Haushalte rechnet damit, dass die hohen Energiepreise ihre Kaufkraft verringern werden", sagte Rolf Bürkl, Leiter der Konsumklima-Studie beim NIM. Dadurch seien die Verbraucher skeptischer, was ihre finanzielle Situation in den kommenden zwölf Monaten betrifft.
Neben den Einkommenssorgen steigt auch die Sparneigung der Deutschen deutlich. Der entsprechende Indikator legte um 6,0 Punkte auf 21,5 Punkte zu. Ein ähnlich hohes Niveau wurde zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erreicht. Viele Haushalte reagieren damit auf die gestiegene Unsicherheit und verschieben größere Anschaffungen. Auslöser der neuen Belastung sind unter anderem die steigenden Energiepreise infolge der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten. Die Ölpreise waren nach erneuten US-Angriffen auf den Iran zeitweise deutlich gestiegen. Höhere Energiekosten können wiederum die Inflation antreiben und den privaten Konsum bremsen.
Der schwache Verbraucherindex steht dabei im Kontrast zur Entwicklung der Unternehmen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex hatte zuletzt den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren erreicht. Während Unternehmen offenbar auf eine wirtschaftliche Stabilisierung hoffen, bleiben die privaten Haushalte vorsichtig. Für die deutsche Wirtschaft bleibt der private Konsum damit ein Unsicherheitsfaktor. Die Konsumausgaben der Haushalte gelten als wichtiger Wachstumstreiber – eine steigende Sparquote und sinkende Kaufbereitschaft könnten die Erholung bremsen.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

