ARD und ZDF: Wie aus Berichterstattung Meinungsmache wird
Eine Befragung der TU Dortmund bei mehr als 500 Journalisten hat vor zwei Jahren ergeben, dass 41 Prozent mit den GRÜNEN sympathisieren, 16 Prozent mit der SPD und sechs Prozent mit der LINKEN.
Die CDU kam auf acht Prozent, die FDP auf drei Prozent, die AfD tauchte gar nicht auf. Bei einer Befragung von Volontären der ARD im Jahr 2020 kamen Union, FDP und AfD zusammen nicht einmal auf fünf Prozent, dagegen bekundeten 57 Prozent Sympathien mit den Grünen, 23,4 Prozent mit der LINKEN und 11,7 Prozent mit der SPD.
55 Prozent finden ARD/ZDF nicht ausgewogen
Eine andere Umfrage ergab, dass 55 Prozent der Zuschauer die Berichterstattung von ARD und ZDF nicht ausgewogen finden. Bei Anhängern der Grünen und der SPD überwiegt die Ansicht, dass ihre Sichtweise in den Medien oft vertreten wird, bei AfD-Anhängern sagt das kaum jemand.
Diese Zahlen finden sich in dem soeben erschienenen Buch des Journalisten Michael Clasen, „Die Medienkrieger. Wie uns die Vierte Gewalt manipuliert.“ Das Erschreckende: Diese Entwicklung ist nicht neu. Viele Fakten und Argumente in Clasens Buch erinnern mich an ein Buch, das ich 1994 (!) als Cheflektor des Ullstein-Verlages verlegte, und zwar „Die Vierte Gewalt“ von dem inzwischen verstorbenen Journalisten Reginald Rudorf.
Fratzscher, Kemfert, Herrmann
Anhand zahlreicher Fakten zeigt Clasen, wie insbesondere ARD und ZDF manipulieren. Die Auswahl der Talkshow-Gäste spricht Bände: Geht es um Wirtschaft, sehen wir selten Professor Hans-Werner Sinn oder Professor Stefan Kooths, dafür sind die linken Professoren Marcel Fratzscher und Claudia Kemfert sowie die Antikapitalistin Ulrike Herrmann von der taz Dauergäste.
Manipulation durch Weglassen
Das Buch enthält mehrere Fallstudien, die zeigen, wie durch Weglassen relevanter Fakten manipuliert wird. So saß der Querdenker-Chef Michael Ballweg neun Monate im Hochsicherheitstrakt Stammheim in Untersuchungshaft und wurde nach 40 Prozesstagen schuldig gesprochen – wegen Steuerhinterziehung. Soweit der Bericht im ZDF-heute-journal. Was die Zuschauer nicht erfuhren: Laut Urteil hatte er knapp 20 Euro Steuern hinterzogen. Clasen fragt: „Wie hätten ARD und ZDF wohl berichtet, wenn ein Klimakleber festgenommen wäre und monatelang eingesessen hätte, um dann nach mehr als 40 Tagen vor Gericht wegen einer Bagatelle verurteilt zu werden? Es wäre dann sicherlich nicht falsch, von einem möglichen Justizskandal zu sprechen, der aufgeklärt werden müsste. Nach dem Ballweg-Urteil stellte aber ein ARD-Reporter gleich klar, dass dies keineswegs ein politisch motiviertes Verfahren gewesen sei.“
Verzerrtes zu Israel und Klima
Ein Beispiel für die Einseitigkeit von ARD und ZDF ist deren Nahost-Berichterstattung, die einseitig und verzerrt ist. Die Journalistin Sarah Maria Sander wirft den Sendern sogar vor, sich seit dem 7. Oktober 2023 zu einer Propagandamaschinerie der Hamas entwickelt zu haben: „Die Nachrichten in Deutschland informieren nicht, sie manipulieren, sie klären nicht auf, sie vernebeln und schüren Hass“, so zitiert Clasen die Journalistin, die die Berichterstattung von ARD und ZDF zu Israel kritisch analysiert hat.
Ein anderes Beispiel ist die Klimaberichterstattung. Selbst der Wetterbericht verkommt zur politischen Botschaft. „Wenn die Sonne scheint, dann scheint nicht einfach die Sonne. Nein, dann verwandelt der Klimawandel Deutschland in einen Glutofen. Früher war das anders: Im Juni 1972 jubelte die Bild-Zeitung etwa auf ihrer Titelseite: ‚Hitzewelle kommt aus Afrika. 31 Grad. Erst kurze Abkühlung danach kommen vier Wochen herrliches Sommerwetter.’ Dazu eine lebensbejahende junge Dame im Bikini, die strahlend aus dem Wasser steigt. Heute wäre das in den Augen woker Sittenwächter wohl Sexismus. Im Juni 2025 wütet bei 31 Grad plus X dagegen die Klimakatastrophe. Die ‚Tagesschau’ zeigt eine tiefrot gefärbte Wetterkarte, auf der Deutschland wie der Vorhof zur Hölle ausschaut.“
Hetzjagd gegen eine Kollegin
Die linkslastigen Journalisten in der ARD tolerieren keine Ausnahmen. Selbst eine einzige Journalistin, die eher konservative oder liberale Meinungen vertritt, ist aus ihrer Sicht eine zu viel, wie Clasen ausführlich am Fall von Julia Ruhs erläutert. NDR-Mitarbeiter organisierten einen Protestbrief mit 250 Unterschriften, um die Journalistin aus dem Programm zu mobben – schließlich mit Erfolg. Dahinter verbirgt sich eine totalitäre Gesinnung, die keinerlei Abweichung duldet. Selbst ein konservatives Feigenblatt empfanden sie als Zumutung.
Aber haben ARD und ZDF wirklich noch eine so große Macht? Die Monopolstellung der klassischen Medien, so zitiert Clasen Medienwissenschaftler Norbert Bolz, sei längst von den sozialen Medien unterlaufen. Zwar nutzen immer noch 72 Prozent der Bevölkerung öffentlich-rechtliche Medien, doch bei den unter 30-jährigen sind es nur noch 50 Prozent.
Ich glaube, die Macht von ARD und ZDF beruht primär darauf, dass diese Medien definieren können, was ein politischer Skandal ist und was nicht, und dass insbesondere Politiker von CDU und FDP immer noch nicht realisiert haben, dass der Einfluss der Öffentlich-Rechtlichen und anderer klassischer Medien längst nicht mehr das ist, was er vielleicht noch vor 20 Jahren war.
Einseitigkeit wird bestritten
Zynisch ist es, dass linke Journalisten die linke Einseitigkeit von ARD und ZDF leugnen. So beklagte Mika Beuster, der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, der Vorwurf, ARD und ZDF seien linkslastig, sei „längst durch Studien widerlegt“, und gab den Zuschauern die Schuld, wenn sie das anders wahrnehmen: „Menschen neigen dazu, Medien als ‚einseitig’ wahrzunehmen, wenn deren Inhalte nicht mit der eigenen Meinung übereinstimmen.“
Die einseitige Berichterstattung von ARD und ZDF hat noch einen Effekt, den Clasen nicht thematisiert: Es gibt eine zunehmend große Gruppe von Menschen, die glaubt diesen Medien gar nichts mehr. Da diese Menschen nicht über ausreichend Wissen und Urteilsvermögen verfügen, differenziert zwischen richtigen und falschen Informationen zu unterscheiden, halten sie pauschal alles für falsch, was in den „Mainstream-Medien“ gesagt wird. Verträte im ZDF jemand die Meinung, 2 plus 2 sei 4, dann protestierten sie und meinten, es müsse sicher 5 sein, da die Mainstream-Medien stets unrecht hätten.
Ein Beispiel ist die Berichterstattung über Trump, die Clasen zurecht als sehr einseitig kritisiert. Nur: Heißt dies, dass Trump deshalb ein guter Politiker sei? Ich meine: Nein. Nur weil er in ARD und ZDF von Anfang an zum Teufel gemacht wurde, heißt dies nicht, dass Trump eine gute Politik für die USA betreibt. Anderer Meinung als Clasen bin ich auch, was die Berichterstattung zum Ukraine-Krieg angeht. Abgesehen von diesen beiden Kapiteln zu Trump und zur Ukraine kann ich aber jede Zeile in seinem Buch unterschreiben.
Geradezu genial ist das 14. Kapitel, „Wo die KI lügt“. Auf 17 Seiten veröffentlicht er das Protokoll einer Konversation, die er mit einer KI über die Gefahren der politischen Manipulation durch die KI geführt wird. Allein für dieses hervorragende Kapitel würde es sich schon lohnen, das Buch zu kaufen.
Michael Clasen, Die Medienkrieger. Wie uns die Vierte Gewalt manipuliert, LMV, München 2026.
