Small-Cap-Moment der Woche
Prost auf 68% Prämie
Der US-Spirituosenkonzern Sazerac (Jahresumsatz >6 Mrd. USD, u.a. Buffalo Trace Bourbon) hat sich mit Vorstand und Aufsichtsrat auf ein Übernahmeangebot geeinigt.
Delisting nach 140 Jahren Eigenständigkeit?
Nach über 140 Jahren als eigenständige AG steht bei Berentzen das Delisting bevor: Der US-Spirituosenkonzern Sazerac (Jahresumsatz >6 Mrd. USD, u.a. Buffalo Trace Bourbon) hat sich mit Vorstand und Aufsichtsrat auf ein Übernahmeangebot geeinigt – 5,55€ je Aktie in bar, eine Prämie von rund 68% auf den Drei-Monats-Durchschnittskurs vor Bekanntgabe. Mindestannahmeschwelle: 50% der Aktien plus eine. Closing wird für Q4 2026 erwartet, Sazerac sichert Fortführung von Standorten und Investitionen zu.
Wie der Preis einzuordnen ist
Der Blick auf die vergangenen Jahre erklärt, warum das Management diesen Preis als "seit über zwei Jahren nicht erreichtes Niveau" bezeichnet: 2023 lag der Umsatz bei 185,6 Mio.€, das Wachstum kam laut CEO Schwegmann "ausschließlich über Preis" zustande, das EBIT sank dennoch auf 7,7 Mio.€. 2024 ging der Umsatz weiter zurück auf 181,9 Mio.€ – das EBIT verbesserte sich um 37% auf 10,6 Mio.€. 2025 rutschte das EBIT wieder auf 8,5 Mio.€. Seit 10 Jahren befinden sich Umsatz und Ergebnis in einer Seitwärtsbewegung.
Dieses Jahr wurde es deutlich schlechter
Die ursprüngliche Prognose (Umsatz 163-173 Mio.€, EBIT 7,0-9,0 Mio.€) musste Mitte Juli massiv gekappt werden – auf nur noch 151-156 Mio.€ Umsatz und 3,5-5,0 Mio.€ EBIT. Grund: eine laut Management "deutlich ausgeprägtere" Konsumzurückhaltung in Deutschland als erwartet. Die H1-Zahlen zeigen das Ausmaß: Umsatz -11% auf 71,0 Mio.€, EBIT von 3,2 auf nur noch 0,6 Mio.€ eingebrochen.
Ein Blick auf den Markt
Der globale Spirituosenkonsum schrumpft strukturell, getrieben von Gesundheitsbewusstsein, Regulierung und einer trinkfaulen jüngeren Generation. Deutschland verzeichnete in den letzten drei Jahren einen Nachfragerückgang von 11%. Gleichzeitig wachsen alkoholfreie und funktionale Getränke als Gegentrend – nicht zufällig hat Berentzen mit der Juma-Übernahme selbst in diese Richtung investiert. Die Folge in der Branche: Konsolidierung, wie zuletzt bei JAB (Kaffee/Tee), CVC (Lipton) oder Coca-Cola (Amatil) zu beobachten.
Mein Fazit:
Sazerac kauft sich mit Berentzen nicht nur Marken wie Puschkin oder Bommerlunder, sondern Zugang zum europäischen Markt – zu einem Preis, den der deutsche Kapitalmarkt dem Unternehmen zuletzt selbst nicht mehr zugestehen wollte. Für Aktionäre ist es nach Jahren operativer Enttäuschungen und der jüngsten Prognosesenkung ein versöhnlicher Ausstieg. Die Frankfurter Small Cap Bühne verliert damit durch eine Übernahme einen weiteren Namen - ein Muster, das in den vergangenen Jahren häufiger zu beobachten ist.
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