SAP mit KI vor dem Durchbruch? Warum Anleger jetzt Geduld brauchen
**SAP setzt auf KI, während Anleger Geduld beweisen müssen**
Die SAP-Aktie hinkt dem Gesamtmarkt 2026 bislang hinterher und liegt rund neun Prozent im Minus. Dennoch sieht die Bank of America (BofA) in dem Walldorfer Softwarekonzern den bevorzugten Titel unter den großen Softwarewerten für das laufende Jahr. Vor der Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal am 21. Oktober richtet sich der Blick der Analysten vor allem auf die Frage, wie schnell SAP seine Künstliche Intelligenz kommerzialisieren kann.
Im Zentrum der KI-Strategie steht Joule Work. Die Plattform soll erkennen, welches Ziel ein Nutzer verfolgt, relevante Informationen bereitstellen und die dafür notwendigen KI-Agenten aktivieren – teilweise auch über ausgewählte Anwendungen anderer Anbieter hinweg. Ergänzt wird das Angebot durch spezialisierte Joule Assistants für Bereiche wie Finanzen, Einkauf, Lieferketten, Personalwesen und Kundenservice. Diese können Aufgaben an weitere Agenten delegieren, Handlungsempfehlungen geben oder einzelne Prozessschritte automatisieren.
Mit Joule Studio sollen Kunden eigene Agenten entwickeln können. Weitere Bausteine bilden der SAP Knowledge Graph, der Unternehmensdaten in ihren geschäftlichen Zusammenhang stellt, sowie Document AI zur automatischen Verarbeitung von Rechnungen und Bestellungen. Hinzu kommen eigene Modelle für Prognosen und die Programmiersprache ABAP.
Der entscheidende Unsicherheitsfaktor bleibt die Monetarisierung. Nach einer BofA-Umfrage unter 325 IT-Verantwortlichen nimmt das Interesse an KI zwar zu, viele Unternehmen befinden sich jedoch noch in der Testphase. Der wirtschaftliche Nutzen wird zunächst geprüft, bevor größere Budgets freigegeben werden. Rückenwind erhält SAP durch die Cloud-Migration: Rund 60 Prozent der ERP-Kunden arbeiten weiterhin mit lokalen Systemen. Der Höhepunkt der Umstellung auf S/4HANA wird für 2027 erwartet.
Für das dritte Quartal prognostiziert die BofA einen Anstieg des Cloud-Auftragsbestands um 24,7 Prozent. Das operative Ergebnis soll um 14 Prozent zulegen. Im zweiten Quartal hatte SAP mit einem Plus von neun Prozent noch hinter den Erwartungen zurückgelegen. Das Kursziel der US-Bank liegt bei 226 Euro und damit etwa 24 Prozent über dem aktuellen Niveau, aber weiterhin unter dem 12-Monats-Hoch von 244 Euro aus dem Oktober 2025.
Der begleitende Investmentbeitrag stellt SAP in einen breiteren Kontext: Langfristig orientierte Anleger könnten mit wenigen, qualitativ starken Unternehmen den Markt schlagen, sofern Geschäftsmodell, Bilanz, Wettbewerbsvorteile und Bewertung überzeugen. Buy-and-Hold sei jedoch kein Börsentrick, sondern erfordere Analyse, Disziplin und Geduld. Insbesondere der Zinseszinseffekt könne bei dauerhaft wachsenden Umsätzen, Gewinnen und Cashflows zum entscheidenden Renditetreiber werden.
Die SAP Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,79 % und einem Kurs von 185,5EUR auf Tradegate (25. September 2026, 22:25 Uhr) gehandelt.
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