Dividenden-Radar
Old Republic: Hohe Sonderdividenden – bald Dividendenaristokrat?
Old Republic International kennt kaum jemand. Doch der US-Versicherer zahlt seit 85 Jahren Dividenden und schüttet überschüssiges Kapital regelmäßig über Sonderdividenden an Aktionäre aus.
- Old Republic zahlt seit 1942 regelmäßig Dividenden
- Sonderzahlungen heben Rendite fast auf zehn Prozent
- Nischenversicherer überzeugt mit stabilen Erträgen
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Nach der Bank of Montreal in der vergangenen Woche geht der Dividenden-Radar erneut auf die Suche nach Unternehmen mit außergewöhnlicher Ausschüttungstradition. Während BMO mit fast zwei Jahrhunderten Dividendenhistorie beeindruckt, setzt der nächste Kandidat auf eine andere Stärke: Old Republic International gehört zu den unbekannteren Versicherern der USA, belohnt seine Aktionäre aber seit Jahrzehnten mit regelmäßigen Dividenden und zusätzlichen Sonderzahlungen.
Die aktuelle hohe Dividendenrendite von 10 Prozent wirkt auf den ersten Blick spektakulär. Der Grund dafür sind allerdings nicht nur die regulären Ausschüttungen, sondern vor allem zusätzliche Kapitalrückgaben. Der Spezial-Versicherer zeigt damit, wie ein unscheinbares Geschäftsmodell über Jahrzehnte stabile Erträge liefern kann.
Old Republic International wurde 1923 gegründet und hat sich zu einem spezialisierten Versicherungskonzern entwickelt. Das Unternehmen gehört heute zu den ältesten börsennotierten Versicherern der USA. Die Dividendenhistorie reicht bis ins Jahr 1942 zurück. Seitdem beteiligt Old Republic seine Aktionäre regelmäßig am Gewinn. Die reguläre Quartalsdividende wurde über die Jahre kontinuierlich ausgebaut und liegt inzwischen bei 0,315 US-Dollar je Aktie. Inklusive Sonderdividende werden 2026 somit 3,76 US-Dollar je Aktie ausgeschüttet, was einer Dividendenrendite von knapp 10 Prozent entspricht. Ohne Sonderausschüttung beläuft sich die Rendite auf 3,34 Prozent.
Eine Besonderheit sind die zusätzlichen Sonderdividenden, die relativ häufig erfolgen. Old Republic zahlt diese nicht nach einem festen Zeitplan, sondern dann, wenn überschüssiges Kapital vorhanden ist. In sechs der vergangenen zehn Geschäftsjahre erfolgten umfangreiche Sonderausschüttungen, zuletzt gab es Sonderzahlungen von 2,00 US-Dollar je Aktie im Jahr 2025 und 2,50 US-Dollar je Aktie im Jahr 2026. Beide wurden im Dezember angekündigt und im Januar ausgezahlt.
Versicherung mal anders
Old Republic ist kein typischer Versicherungskonzern wie Allianz oder Aegon. Das Unternehmen konzentriert sich auf spezialisierte Bereiche. Das größte Standbein ist die General Insurance. Dazu gehören unter anderem gewerbliche Sach- und Haftpflichtversicherungen. Old Republic versichert Unternehmen, Transportfirmen und andere gewerbliche Kunden gegen verschiedene Risiken.
Der zweite wichtige Bereich ist die Title Insurance. Dabei handelt es sich um eine in den USA wichtige Form der Immobilienversicherung. Sie schützt Käufer und Kreditgeber vor Problemen mit Eigentumsrechten bei Immobiliengeschäften. Diese Mischung unterscheidet Old Republic von vielen europäischen Versicherern. Während Konzerne wie Allianz stark im Lebens-, Kranken- und Sachversicherungsgeschäft vertreten sind, konzentriert sich Old Republic stärker auf Nischen, in denen das Unternehmen über Jahrzehnte Expertise aufgebaut hat.
Warum kann Old Republic so viel Kapital ausschütten?
Die Antwort liegt im Geschäftsmodell eines Versicherers. Versicherungen sammeln zunächst Prämien ein und zahlen Schäden oft erst später. Das Unternehmen kann dieses Kapital zwischenzeitlich investieren. Besonders in Zeiten höherer Zinsen steigen dadurch die Erträge aus den Kapitalanlagen. Und die Zinsaussichten in den USA sehen dafür aktuell sehr positiv aus.
Gleichzeitig arbeitet Old Republic traditionell mit einer konservativen Bilanz. Wenn die Schadenentwicklung positiv ist und mehr Kapital vorhanden ist, als für das laufende Geschäft benötigt wird, kann das Unternehmen dieses Geld an Aktionäre zurückgeben. Daraus entstehen die Sonderdividenden. Die Ausschüttungen sind ein Zeichen dafür, dass Old Republic regelmäßig mehr Kapital erwirtschaftet, als für das operative Wachstum benötigt wird.
Die operative Entwicklung bei Old Republic bleibt solide. Im zweiten Quartal 2026 steigerte der Versicherer den Umsatz auf 2,50 Milliarden US-Dollar nach 2,21 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn legte deutlich von 204,4 Millionen auf 322,3 Millionen US-Dollar zu. Der Gewinn je Aktie aus fortgeführten Geschäftsbereichen stieg von 0,81 auf 1,31 US-Dollar. Besonders das klassische Versicherungsgeschäft außerhalb der Immobilienversicherung entwickelte sich robust und trug zur positiven Ergebnisentwicklung bei. Gleichzeitig bleibt der Bereich Title Insurance ein wichtiger Faktor: Da dieses Geschäft eng mit dem US-Immobilienmarkt verbunden ist, können hohe Zinsen und eine geringere Zahl an Immobilientransaktionen die Entwicklung bremsen. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass Old Republic weiterhin über ein stabiles Geschäftsmodell und ausreichend Ertragskraft verfügt, um neben der regulären Dividende auch langfristig Kapital an die Aktionäre zurückzugeben.
Im Vergleich zu großen Versicherern wie Allianz oder Legal & General, die wir bereits im Radar hatten, wirkt Old Republic deutlich kleiner und spezialisierter. Während die Allianz über ein globales Geschäftsmodell mit Versicherungen, Vermögensverwaltung und Industriegeschäft verfügt, ist Legal & General vor allem in den Bereich Lebensversicherung und Altersvorsorge stark. Old Republic hingegen verfolgt einen anderen Ansatz: weniger Größe, dafür Spezialisierung auf gewerbliche Schadenversicherung und Title Insurance (Eigentumsrechtsschutz bei Immobiliengeschäften).
Analysten betrachten Old Republic überwiegend als konservativen Versicherungswert. Positiv bewertet werden die stabile Bilanz, die lange Historie und die Fähigkeit, Kapital an Aktionäre zurückzugeben. Im Schnitt raten sie zum Übergewichten der Aktie. Ihr mittleres Kursziel von 43,50 US-Dollar entspricht einem Aufwärtspotenzial von 15,3 Prozent.
Beispielrechnung: 12.000 Euro Brutto-Dividende pro Jahr
Die reguläre Dividendenrendite von Old Republic liegt bei etwa 3,34 Prozent. Um damit jährlich 12.000 Euro Brutto-Dividende zu erhalten, wäre ein Investment von rund 355.000 Euro erforderlich. Inklusive der Sonderdividende wären es lediglich 119.000 Euro. Die in einzelnen Jahren zusätzlich gezahlten Sonderdividenden können die Ausschüttung deutlich erhöhen, sollten aber nicht als feste Einnahmequelle eingeplant werden.
Zum Vergleich: Bei BMO im Radar der vergangenen Woche betrug der Kapitaleinsatz noch 425.000 Euro und bei dem Logistiker UPS in der Woche davor rund 183.000 Euro.
Steuerliche Behandlung
Für deutsche Anleger ist die steuerliche Behandlung vergleichbar mit deutschen Aktien. Die USA behalten aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens 15 Prozent Quellensteuer ein, die auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet wird. Die Gesamtbelastung liegt damit in etwa bei den üblichen 26,375 Prozent für Kapitalerträge.
Fazit
Old Republic glänzt mit einer Kombination aus Stabilität, jahrzehntelanger Ausschüttungstradition und häufigen Sonderdividenden. Während viele Anleger bei Versicherern vor allem auf große Namen wie Allianz oder Aegon schauen, zeigt Old Republic, dass auch ein kleinerer Spezialversicherer langfristig attraktive Aktionärsrenditen liefern kann. Seit über 80 Jahren zahlt das Unternehmen Dividenden – und wenn die Kapitaldecke es erlaubt, gibt es für Aktionäre immer wieder einen Extra-Bonus.
Übersicht zur Dividende von Old Republic
Marktkapitalisierung: 9,11 Milliarden US-Dollar (8,0 Milliarden Euro)
Dividendenrendite für 2026 mit Sonderdividende: 9,96 % ohne: 3,34 %
Dividende erhöht: 20 Jahre in Folge
Dividende nicht gesenkt: seit 2006
Dividende kontinuierlich ausgeschüttet: seit 1942
Frequenz: viermal jährlich, gewöhnlich März, Juni, September und Dezember
Zeitplan
14.08.2026: Dividendenvorschlag
04.09.2026: Ex-Tag/Record Date
15.09.2026: Auszahlung
| Geschäftsjahr |
Dividendenrendite in %** |
Dividende in USD |
|---|---|---|
| 2028e | 3,71e | 1,40e |
| 2027e | 3,47e | 1,31e |
| 2026 | 3,34 (9,96***) | 1,26 (3,76***) |
| 2025 | 2,54 (6,92***) | 1,16 (3,16***) |
| 2024 | 2,93 | 1,06 |
| 2023 | 3,33 | 0,98 |
| 2022 | 3,81 (7,95***) | 0,92 (1,92***) |
| 2021 | 3,58 (13,75***) | 0,88 (3,38***) |
* Quellen: Old Republic, FactSet, wallstreetONLINE.
** Zur Errechnung der Dividendenrendite wurde der Schlusskurs am 31. Oktober genommen, an dem das Geschäftsjahr bei BMO endet, beziehungsweise ab 2026 der aktuelle Kurs.
*** Inklusive Sonderdividenden
Die optimale Dividendenstrategie
Eine optimale langfristige Dividendenstrategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem individuellen Risikoprofil, den Anlagezielen und der finanziellen Situation. Hier sind jedoch einige allgemeine Prinzipien, die empfohlen werden können:
Diversifikation: Investieren Sie in eine breite Palette von Unternehmen und Sektoren, um das Risiko zu streuen. Diversifikation kann helfen, das Portfoliorisiko zu mindern, da nicht alle Sektoren gleichzeitig von Marktschwankungen betroffen sind.
Qualitätsaktien wählen: Achten Sie auf Unternehmen mit einer starken Bilanz, stabilen Cashflows und einer Geschichte von zuverlässigen und wachsenden Ausschüttungen. Solche Unternehmen sind oft besser positioniert, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Dividenden zu zahlen.
Reinvestition von Dividenden: Das Reinvestieren von Dividenden kann das Wachstum des Portfolios beschleunigen. Durch den Zinseszinseffekt können reinvestierte Dividenden über die Zeit einen signifikanten Beitrag zum Gesamtertrag des Portfolios leisten.
Langfristige Perspektive: Dividendenstrategien sind oft langfristig ausgerichtet. Marktschwankungen sollten daher nicht zu überstürzten Entscheidungen führen. Geduld und Beständigkeit sind Schlüssel zum Erfolg.
Steuereffizienz berücksichtigen: Die steuerliche Behandlung von Dividenden kann je nach Land und individueller Situation variieren. Es ist wichtig, Steuereffekte in die Strategie einzubeziehen.
Überwachung und Anpassung des Portfolios: Portfolios sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden, um sicherzustellen, dass es weiterhin den eigenen Anlagezielen entspricht und gut diversifiziert bleibt.
Bewertung: Achten Sie auf die Bewertung der Aktien. Hohe Dividendenrenditen sind nicht immer ein gutes Zeichen; sie können auch ein Hinweis auf Probleme im Unternehmen sein.
Verwendung von Dividendenfonds, -ETFs: Für Anleger, die nicht direkt einzelne Aktien auswählen möchten, können Dividendenfonds eine praktikable Alternative sein, da sie eine gute Möglichkeit zur Diversifikation bieten.
Fazit:
Dividendeninvestitionen können eine großartige Möglichkeit sein, ein passives Einkommen aufzubauen. Indem Sie sich auf Unternehmen mit stabiler Dividendenhistorie konzentrieren, können Sie Ihr Portfolio schrittweise ausbauen. Dabei ist natürlich immer zu beachten, dass Investitionen in Dividendenaktien – wie alle Investitionen – mit Risiken verbunden sind.
Weitere interessante Dividenden-Aktien befinden sich übrigens auch in der Dividenden-Watchlist unseres Börsenexperten Markus Weingran, dessen Börsenlounge sich täglich mit aktuellen Marktentwicklungen, Investitionstipps und Finanzthemen befasst.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
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