Earnings Preview KW40
Micron, Nike & ein KI-Verlierer auf dem Prüfstand: Wer gewinnt, wer verliert?!
Diese in den kommenden Tagen (KW40) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Mittwoch, 30. September: Micron
Nach einer mehrwöchigen Kurspause in den Sommermonaten nimmt die Halbleiterbranche vor allem dank AMD und Intel wieder an Fahrt auf. Gegenüber seinen Juli-Tiefs hat der Branchenindex Philadelphia Semiconductor fast 20 Prozent an Wert gewonnen. Das kommt auch den Hersteller von Speicherchips zugute, deren Anteile in diesem Jahr besonders stark gefragt waren.
Micron, SanDisk, SK Hynix und Co. profitieren davon, dass der Markt die Nachfrage nach Arbeits- und Massenspeicher lange unterschätzt hat und die Hersteller jetzt Preissetzungsmacht genießen. Angesichts des KI-Booms wurden die Kräfteverhältnisse neu geordnet von den Kunden hin zu den Anbietern. Mit den Erlösen sind auch die Margen explodiert, was zu einem besonders hohen Gewinnwachstum geführt hat. Vor allem Micron präsentierte sich zuletzt so stark wie nie.
Doch die Zweifel an Dauerhaftigkeit des Nachfragebooms wächst. Einerseits mit Blick auf die Finanzierung des Ausbaus von Rechenzentren für KI-Anwendungen und andererseits auch mit Blick auf die Margen, denn inzwischen ist absehbar, dass neue Produktionskapazitäten den Speicherchip-Markt erreichen werden, womit der enorme Preisanstieg ein Ende finden und sich sogar zulasten der Ertragsspannen umkehren könnte. Im Mittelpunkt des Geschäftsberichtes von Micron wird am Mittwoch daher vor allem die Margen- und Angebotsprognose stehen.
Mit Blick auf das abgelaufene Quartal dürfte Micron erneut ein gewaltiger Erfolg gelungen sein. Analystinnen und Analysten rechnen nahezu mit einer Verfünffachung der Erlöse von 11,32 auf 51,24 Milliarden US-Dollar. Für den bereinigten Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) wird mit einem Anstieg von 3,03 auf 31,59 US-Dollar und damit um 952,6 Prozent gerechnet. Dem steht aktuell ein Kursanstieg von 590,1 Prozent in den zurückliegenden 12 Monaten gegenüber.
Bei Micron setzen Anlegerinnen und Anleger am Optionsmarkt überwiegend auf steigende Kurse. 56,8 Prozent der am kommenden Freitag verfallenden Kontrakte liegen auf der Call-Seite, ihnen steht ein Put-Anteil von 34,6 Prozent gegenüber. Nach einem Plus von 15,7 Prozent im vorangegangenen Quartal ist jetzt eine Kursbewegung von bis zu 8,6 Prozent eingepreist.
Mittwoch, 30. September: Cal-Maine Foods
Die in den USA besonders stark grassierende Lebenshaltungskostenkrise dürfte die Trump-Regierung am 03. November ihre Mehrheiten im US-Repräsentantenhaus sowie im Senat kosten. Aus dem Versprechen von US-Präsident Donald Trump, die Krise zu lösen, ist nichts geworden, im Gegenteil hat der Iran-Krieg die Belastungen für untere Einkommensgruppen noch verschärft, während gleichzeitig Budgets für Unterstützungsmaßnahmen, wie Lebensmittelmarken, gestrichen wurden.
Während aktuell vor allem stark gestiegene Lebensmittel- und Treibstoffpreise im Mittelpunkt der Diskussion stehen, waren lange Eier ein Symbol der Unerschwinglichkeitskrise. Ein besonders schwerwiegender Ausbruch der Vogelgrippe hatte Legehennenbestände dezimiert und den Preis im vergangenen Jahr auf Großhandelspreise von knapp 6,30 US-Dollar pro Dutzend getrieben. Hier hat inzwischen Entspannung eingesetzt, aktuell kosten 12 Eier rund 2,30 US-Dollar.
Diese Entwicklung ist auch am Aktienkurs von Cal-Maine Foods, dem größten Eiererzeuger der USA, abzulesen. Die Anteile notieren mit einem Minus von 30,8 Prozent gegenüber dem Stand vor einem Jahr. Tendenz weiter fallend, obwohl die Eierpreise zuletzt geringfügig wieder zugelegt haben.
Um sich von den stark schwankenden Eierpreisen unabhängiger zu machen, hat das Unternehmen im vergangenen Quartal angekündigt, stärker in das Geschäft mit verarbeiteten Lebensmitteln zu investieren. Hier hoffen Investoren auf erste sichtbare Erfolge. Diese dürften nach Einschätzung von Analystinnen und Analysten aber noch auf sich warten lassen, denn bei den Erträgen wird mit einem Vorzeichenwechsel gerechnet. Nach einem bereinigten Gewinn pro Aktie von 4,12 US-Dollar vor einem Jahr dürfte Cal-Main Foods nun vor einem Verlust von -0,76 US-Dollar je Anteil stehen. Die Erlöse sollen von 922,6 auf 516,6 Millionen US-Dollar gesunken sein (-44,0 Prozent.).
Mit 58,0 Prozent wettet eine Mehrheit der Händlerinnen und Händler auf eine positive Kursreaktion und den Beginn einer Trendwende, die bislang weiter auf sich warten lässt, obwohl die Aktie zuletzt zwei Mal nach Zahlen zulegen konnte. Eingepreist ist eine Kursbewegung von 7,1 Prozent.
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Mittwoch, 30. September: Jabil Circuit
Der Auftragsfertiger für Elektronikprodukte fristete trotz einer langfristig zufriedenstellenden Geschäfts- und Kursentwicklung an der Börse lange ein Schattendasein. Das hat sich mit dem KI-Boom grundlegend verändert, denn dieser hat zu einer erheblichen Beschleunigung des Unternehmenswachstums geführt.
Jabil profitiert vor allem von Fertigungs- und Wartungsdienstleistungen für KI-Server. Die Sparte "Intelligente Infrastruktur" steuerte nach einem Umsatzwachstum von 21,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum im abgelaufenen Quartal bereits 48 Prozent der Unternehmenserlöse bei. Dieses Mal dürfte die Schwelle von 50 Prozent überschritten werden. Auch die lange hauchdünnen Margen – asiatische Fertigungsdienstleister wie Foxconn profitieren vor allem von Kostenvorteilen – profitieren vom KI-Boom. Für das laufende Jahr peilt Jabil 5,8 Prozent an. Dadurch ist das Gewinnwachstum so hoch wie lange nicht. Gegenwärtig ruft der Markt für die Aktie ein Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 0.86 auf. Das liegt um 31,1 unter dem Branchen- sowie um 20,0 Prozent unter dem historischen Durchschnitt und rechtfertigt nach einem Kursanstieg um knapp 51 Prozent in den 12 Monaten das mit 24,8 um 66,1 Prozent über die historische Norm gekletterte KGV.
Am vergangenen Freitag sorgte eine Reihe von Vertragsabschlüssen für Aufmerksamkeit. Einerseits einigten sich der KI-Infrastrukturdienstleister Akamai Technologies und KI-Frontier-Lab Anthropic (Claude) auf eine Vereinbarung, andererseits wird Jabil für Akamai künftig Serverhardware produzieren und warten. Damit wird Jabil zum Anthropic-Profiteur und der Ausblick auf die Geschäftsentwicklung könnte direkt Einblicke in die zu erwartenden Gewinne liefern. Für das abgelaufene Vierteljahr wird unterdessen mit einem Umsatzwachstum von 8,25 auf 9,70 Milliarden US-Dollar gerechnet, der bereinigte Gewinn pro Aktie soll von 3,29 auf 4,07 US-Dollar geklettert sein. Das entspricht Zugewinnen von 17,6 beziehungsweise 23,7 Prozent.
Angesichts des zu erwartenden Rückenwinds durch den KI-Boom wettet mit 60,7 Prozent eine Mehrheit der Optionsmarktteilnehmenden auf steigende Kurse, obwohl es in den beiden vergangenen Quartalen jeweils bergab ging. Gerechnet werden muss mit einer Bewegung um bis zu 9,0 Prozent.
Donnerstag, 01. Oktober: Accenture
Der Unternehmens- und Strategieberater sowie IT-Dienstleister Accenture gehörte in der ersten Jahreshälfte zu den von KI-Disruptionssorgen besonders stark betroffenen Werten, die Anteile brachen gegenüber ihren Jahreshochs bei rund 291 US-Dollar um über 60 Prozent ein. Die These: Künstliche Intelligenz werde Beratungsdienstleistungen überflüssig machen.
Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt, die Accenture-Aktie konnte sich zeitweise um 50 Prozent erholen. Noch immer steht hier jedoch ein Verlust von mehr als einem Drittel gegenüber dem Jahresauftakt zu Buche. Da Accenture über eine starke Position in der IT-Beratung verfügt, ist das Unternehmen in einem sich rasch verändernden Umfeld hohem Anpassungsdruck unterworfen.
Eine Antwort für das bedrohte Kerngeschäft zeichnet sich bereits ab. In den vergangenen Woche gab Accenture eine Partnerschaft mit Anthropic im Bereich Sicherheitslösungen für KI bekannt, worauf hin die Aktie 6 Prozent zulegte. Ob das genügt, die zuletzt sinkende Wachstumsdynamik wiederzubeleben bleibt jedoch abzuwarten. Mit einem Plus von 5,6 Prozent im Vorquartal wuchs der Konzern zuletzt si langsam wie seit 1,5 Jahren nicht mehr. Für die abgelaufenen 3 Monate wird mit einem Umsatzwachstum von 17,6 auf 18,04 Milliarden US-Dollar gerechnet, was nur noch 2,5 Prozent wären. Immerhin soll der bereinigte Gewinn pro Aktie von 3,03 auf 3,18 US-Dollar und damit überproportional um knapp 5 Prozent geklettert sein.
Bei Accenture halten sich bullishe und bearishe Wetten die Waage, einem Call-Anteil von 50,6 Prozent steht eine Put-Quote von 49,4 Prozent gegenüber. Die implizite Kursreaktion liegt mit 7,9 Prozent deutlich über dem historischen Mittelwert – dafür dürfte vor allem der Absturz um 18 Prozent im zurückliegenden Quartal und die Furcht vor einer Wiederholung der Grund sein.
Donnerstag, 01. Oktober: Nike
Der ikonische Sportartikelhersteller befindet sich in der vielleicht größten Krise seiner bisherigen Unternehmensgeschichte. Nach veränderten Modetrends, einer Produkt- und Stilpolitik an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden vorbei sowie einer gescheiterten Direct-to-Consumer-Strategie befindet sich Nike in einer seit mehr als drei Jahre andauernden Wachstumskrise. Zusätzlich belastet wird die Geschäftsentwicklung durch wachsenden Wettbewerb kleinerer Konkurrenten.
Die Aktie bildet diese Herausforderungen schonungslos ab mit einem Minus von 48,4 Prozent in den zurückliegenden 12 Monaten und dem niedrigsten Stand seit mehr als 10 Jahren. Da die Gewinne aber in ähnlicher Größenordnung gesunken sind, ist die Unternehmensbewertung nicht gleichzeitig günstig geworden. Für das laufende Geschäftsjahr steht ein KGVe von 21,1 zu Buche. Das ist deutlich mehr als bei Mitbewerbern wie Lululemon oder erst recht Adidas, das gegen einen schwachen Branchentrend weiter wächst.
Die Anteile von Nike könnten also vor weiteren Kursverlusten stehen, wenn ein operativer Turnaround weiter auf sich warten lässt. Ein solcher steht für das abgelaufene Quartal zu bezweifeln, denn Analystinnen und Analysten rechnen gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit weiteren Einbußen. Die Erlöse sollen von 11,72 auf 11,32 Milliarden US-Dollar gefallen sein, auch der bereinigte Gewinn pro Aktie soll mit 0,44 US-Dollar um 5 Cent gesunken sein. Damit ruhen die Hoffnungen schon jetzt vor allem auf dem Ausblick für das kommende Quartal. Sollte dieser erneut mau ausfallen, könnte Nike vor der nächsten Krise stehen – dann nämlich dürfte die Nachhaltigkeit der aktuell hohen Dividendenrendite von 4,6 Prozent zur Debatte stehen; die Ausschüttung von 1,64 US-Dollar pro Jahr ist gegenwärtig nur noch ganz knapp durch die Gewinne gedeckt.
Nach den hohen Verlusten wetten Händlerinnen und Händler mehrheitlich auf eine Kurserholung, obwohl die Aktie bereits drei Mal in Folge nach den Quartalszahlen verloren hat. Die Call-Quote liegt bei 59,0 Prozent, eingepreist ist eine Kursreaktion von 8,2 Prozent.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| Jefferies | Mo., 28.09. | Nachbörse | 1,00 $ | 2,20 Mrd. $ | ± 9,0 % | 11,0 Mrd. $ |
| Vail | Mo., 28.09. | Nachbörse | -5,37 $ | 269,3 Mio. $ | ± 9,9 % | 4,9 Mrd. $ |
| CarMax | Di., 29.09. | Vorbörse | 0,73 $ | 6,98 Mrd. $ | ± 13,2 % | 8,1 Mrd. $ |
| Uranium Energy | Di., 29.09. | Vorbörse | -0,01 $ | 9,0 Mio. $ | ± 7,9 % | 4,7 Mrd. $ |
| FactSet | Mi., 30.09. | Vorbörse | 4,35 $ | 629,9 Mio. $ | ± 11,0 % | 10,2 Mrd. $ |
| Conagra Brands | Mi., 30.09. | Vorbörse | 0,28 $ | 2,59 Mrd. $ | ± 5,6 % | 6,8 Mrd. $ |
| Progress Software | Mi., 30.09. | Nachbörse | 1,52 $ | 247,6 Mio. $ | ± 11,1 % | 1,6 Mrd. $ |
| McCormick | Do., 01.10. | Vorbörse | 0,76 $ | 1,98 Mrd. $ | ± 7,7 % | 12,9 Mrd. $ |
| Acuity | Do., 01.10. | Vorbörse | 5,66 $ | 1,25 Mrd. $ | ± 9,4 % | 9,6 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
Stand: Sonntag, 27. September, 12:30 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


