Gewinne sprudeln
Griechenlands Banken schütten Milliarden an Aktionäre aus
Gewinne sprudeln, die Kreditgeschäfte boomen und Milliarden fließen an Aktionäre. Griechenlands Banken feiern aktuell ein Comeback. Ist noch Luft nach oben?
- Griechenlands Banken erzielen wieder hohe Gewinne
- Milliarden fließen durch Dividenden und Rückkäufe
- Analysten erwarten weiteres Potenzial trotz Risiken
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Griechenlands Banken haben ein Problem, von dem sie noch vor wenigen Jahren nur träumen konnten. Das operative Geschäft läuft so gut, dass sie jede Menge Kapital angehäuft haben. Davon fließen immer größere Summen an die Aktionäre zurück. Dividenden steigen und eigene Aktien werden im großen Stil zurückgekauft.
Allein die National Bank of Greece (NBG) hat für 2026 Rückkäufe über insgesamt bis zu 532 Millionen Euro beschlossen. Zusätzlich wurden insgesamt 464 Millionen Euro an Dividenden ausgeschüttet. Zusammengenommen erreicht die Kapitalrückgabe damit fast eine Milliarde Euro. Die zurückgekauften Aktien sollen eingezogen werden.
Und die NBG ist kein Einzelfall. Eurobank startete im Juni ein Rückkaufprogramm über bis zu 288 Millionen Euro. Alpha Bank greift ebenfalls kräftig zu: Allein zwischen dem 7. und 18. September kaufte das Institut eigene Aktien für insgesamt rund 24,7 Millionen Euro zurück. Eurobank gab in den drei Wochen bis zum 18. September rund 16,6 Millionen Euro für eigene Aktien aus, am Montag wurden weitere Rückkäufe über 6,26 Millionen Euro bekannt gegeben.
Auch Piraeus ließ eine halbe Milliarde Euro an seine Aktionäre fließen. Anfang August zahlte die Bank 494 Millionen Euro beziehungsweise 0,40 Euro je Aktie zurück. Formal erfolgte die Ausschüttung nicht als Dividende, sondern über eine Kapitalherabsetzung. Zusätzlich hat Piraeus ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 33 Millionen Euro genehmigt, tatsächliche Käufe im Rahmen dieses Programms sind bislang jedoch nicht bekannt.
Das Geschäft brummt wieder
Möglich macht die Geldflut eine erstaunlich starke Ertragslage. Die vier großen Banken verdienten allein im ersten Halbjahr 2026 zusammen rund 2,5 Milliarden Euro. Bei der National Bank of Greece erreichte der um Einmaleffekte bereinigte Gewinn 661 Millionen Euro, die Rendite auf das materielle Eigenkapital lag bei 15,5 Prozent. Gleichzeitig wuchs das Volumen der bedienten Kredite seit Jahresbeginn um 2,1 Milliarden auf 39,1 Milliarden Euro.
Eurobank kam im ersten Halbjahr auf 738 Millionen Euro Nettogewinn, 6,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Piraeus verdiente 617 Millionen Euro. Bei Piraeus wuchs das Kreditbuch allein im ersten Halbjahr um 1,8 Milliarden Euro, während die Rendite auf das materielle Eigenkapital 16 Prozent erreichte.
Auch Alpha Bank meldete knapp eine halbe Milliarde Euro Gewinn. Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung darunter: Die Nettozinserträge legten im Jahresvergleich um 7,3 Prozent zu, die Provisionserträge sogar um 34 Prozent. Die bedienten Kredite wuchsen um 14 Prozent auf 39,9 Milliarden Euro. Das Management hob daraufhin seine Prognose für den Gewinn je Aktie an.
An der Börse ist diese Renaissance längst angekommen. Die Aktien der vier Banken haben in diesem Jahr zwischen 30 (Alpha) und mehr als 50 Prozent (Piraeus) hinzugewonnen. Laut JPMorgan hat der griechische Bankensektor 2026 bereits rund 41 Prozent zugelegt und damit den europäischen Bankenindex EURO STOXX Banks Index, der auf 18,5 Prozent kommt, deutlich hinter sich gelassen.
Vor wenigen Jahren sah die Welt völlig anders aus
Nach der griechischen Staatsschuldenkrise kämpften die Banken jahrelang mit riesigen Bergen fauler Kredite, schwachen Bilanzen und einer dünnen Kapitaldecke. Statt über Dividenden und Rückkäufe diskutierten Anleger über Rekapitalisierungen und Bilanzsanierungen. Heute ist von diesem Krisenzustand bei den großen Instituten kaum noch etwas zu erkennen. Besonders deutlich wird das an den sogenannten Non-Performing Exposures, kurz NPE. Darunter fallen Kredite und andere Forderungen, bei denen die vollständige Rückzahlung gefährdet ist.
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Bei der National Bank of Greece beträgt die NPE-Quote inzwischen gerade einmal 2,4 Prozent. Zudem sind die verbliebenen Problemforderungen zu 105 Prozent abgedeckt. Auch die anderen Institute haben ihre Altlasten massiv reduziert. Eurobank und Piraeus liegen bei 2,5 beziehungsweise 2,2 Prozent NPE, Alpha Bank bei 3,6 Prozent. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank kommt aktuell auf etwa 3,2 Prozent. Gleichzeitig stehen die Kapitalpuffer wieder auf einem komfortablen Niveau. Bereits Ende 2025 erreichten die vier großen Institute im Durchschnitt eine harte Kernkapitalquote von 15,6 Prozent und lagen damit deutlich über ihren regulatorischen Anforderungen. Diese Kombination aus bereinigten Bilanzen, hohen Gewinnen und überschüssigem Kapital ermöglicht die steigenden Ausschüttungen.
Analysten sehen noch Luft nach oben
Das spiegelt sich mittlerweile auch in den Aktienkursen wider. Die Rallye hat die früher extrem niedrigen Bewertungen deutlich nach oben getrieben. Dennoch zeigen sich Analysten weiterhin optimistisch. JPMorgan, Euroxx und Alpha Finance-AXIA erhöhten im September ihre Gewinnschätzungen beziehungsweise die Kursziele für alle vier großen Institute. Ausschlaggebend sind vor allem höhere erwartete Nettozinserträge und stärkere Provisionseinnahmen.
Risiken bleiben. Nach der enormen Rallye ist ein beträchtlicher Teil des Comebacks inzwischen eingepreist. Zudem hängen die Gewinne der Banken von der weiteren Zinsentwicklung, der Konjunktur und der Qualität des stark wachsenden Kreditgeschäfts ab.
Doch die Ausgangslage könnte kaum stärker im Kontrast zur Vergangenheit stehen: Ausgerechnet die Banken eines Landes, dessen Finanzsystem vor gut einem Jahrzehnt zum Symbol der Eurokrise geworden war, verdienen heute Milliarden, kaufen ihre eigenen Aktien zurück und überweisen wieder große Summen an ihre Eigentümer. Griechenlands Banken haben die Krise nicht nur hinter sich gelassen, sie gehören inzwischen zu den bemerkenswertesten Comeback-Geschichten an Europas Börsen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

